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Streit um Prüfungsänderung für Lehramtsstudenten

dpa/lsw Stuttgart. Aufregung an den Hochschulen: Mitten in die Corona-Krise platzt für Lehramtsstudenten die Nachricht, dass ihre Prüfungen angesetzt werden. „Wie soll das gehen?“, fragen die Studenten, wo doch Bibliotheken geschlossen sind und weitere Infektionen drohen?

Studenten sitzen im Hörsaal einer Universität. Foto: Uwe Anspach/dpa/Symbolbild

Studenten sitzen im Hörsaal einer Universität. Foto: Uwe Anspach/dpa/Symbolbild

Im Streit um die Fristen und Termine für Prüfungen in der Corona-Krise drohen die protestierenden Lehramtsstudenten mit Klagen, erhalten aber auch unerwartete Unterstützung aus der Landesregierung. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) kann sich für das Staatsexamen eine Art Durchschnittsnote vorstellen, die aus den bisher vorliegenden Leistungen der Studenten erstellt werden könnte. Auf weitere Prüfungen könne dann verzichtet werden, sagte sie am Mittwoch in Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. Das hatten auch die Studenten in einem offenen Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gefordert.

Bauer habe Eisenmann gebeten, die Alternative „nochmals wohlwollend“ zu prüfen, sie sei „ein sinnvoller und gangbarer Weg“. Notwendig sei aber eine Verständigung in der Kultusministerkonferenz, damit Studenten bei einem Umzug an einen Studienort in einem anderen Bundesland keine Nachteile hätten.

Das Kultusministerium lehnte umgehend ab und erinnerte Bauer an eine gemeinsam getroffene Entscheidung, nach der die Prüfungen stattfinden werden und der Prüfungszeitraum neu festgelegt wird. „Eine Durchschnittsnote hingegen würde den Grundsatz der Chancengleichheit verletzen, da nicht wenigen Studierenden hierdurch Nachteile entstünden“, sagte eine Sprecherin. „Zumal es obendrein schwer vermittelbar ist, den Lehramtsstudenten Durchschnittsnoten zu geben, während die Schüler ihre Abschlussprüfungen ablegen.“ Auch gegen dieses Vorgehen gibt es allerdings Protest Dutzender Schülervertreter.

Das Ministerium hatte in der vergangenen Woche in einem Schreiben eine Frist für die Anmeldung zu den Abschlussprüfungen der angehenden Lehrkräfte angekündigt und einen zweimonatigen Prüfungszeitraum ab Mitte Mai festgelegt. Studenten müssen demnach ihre Meldung zur Prüfung beim Prüfungsamt bis zum 6. Mai bestätigen. Diese kann dann an einem noch nicht genannten Termin zwischen dem 11. Mai und 31. Juli angesetzt werden. Ohne die Bestätigung durch die Studenten würden diese automatisch für die Herbstprüfung umgemeldet, teilte das Kultusministerium mit.

„Über die Meldung entsteht das Angebot, an der Prüfung festzuhalten oder auf den nächsten Prüfungsdurchgang im Herbst zu verschieben“, sagte die Ministeriumssprecherin der dpa. „Niemand wird zur Abschlussprüfung gezwungen.“ Viele Studenten hätten allerdings darum gebeten, ihre Prüfungen wegen Bewerbungsfristen in anderen Ländern rasch ablegen zu dürfen. Man habe verschiedensten Wünschen Rechnung getragen, indem man die Wahl lasse, Prüfungen jetzt oder im Herbst abzulegen. Das Kultusministerium betonte: „Lehramtsstudierenden sollen keine Nachteile aus der derzeitigen Situation entstehen.“

Das sehen die Studenten anders: „Da viele Unwägbarkeiten bezüglich der zur Verfügung stehenden Infrastruktur wie Bibliotheksöffnungen oder Möglichkeiten, sich mit Lerngruppen zu treffen, bis dahin nicht ausgeräumt sein werden, ist eine wohldurchdachte Entscheidung unmöglich“, kritisierte die Landesastenkonferenz (LAK) die Frist. Der Prüfungszeitraum sei sonst immer weit im Vorhinein bekanntgegeben worden, Studierende hatten sich darauf vorbereiten können. „Nun kann es sein, dass der Prüfungstermin mit anderen Verpflichtungen kollidiert“, kritisierte die LAK. Viele Studenten müssten Angehörige pflegen oder Kinder betreuen, einige arbeiteten, Lerngruppen fielen aus und die psychische Belastung durch die Corona-Auflagen sei enorm.

„Es lässt sich kaum mit Worten beschreiben, welche Unsicherheit, Angst bis hin zu Panik diese Mitteilung des Kultusministeriums unter Studierenden verursacht hat“, heißt es bei der LAK. Die Studierendenvertretung will am 3. Mai einen Forderungskatalog aufstellen und das Gespräch mit dem Ministerium suchen. In einem weiteren, unabhängig von der LAK aufgesetzten und 56 Seiten langen Schreiben fordern Lehramtsstudenten aus mehreren Hochschulen optional zur Examensnote die Durchschnittsnote.

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Erstellt:
29. April 2020, 08:14 Uhr

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