Klimawandel und Extremsommer

Temperatur-Turbo macht Hitzewelle bis zu 4 Grad heißer

Auf der Erde gibt es immer mehr unvorhergesehene Hitze-Hotspots. Auch Deutschland gehört dazu, wie Studie zeigen. In diesen Gebieten treten Extremtemperaturen und Hitzewellen auf, welche die Vorhersagen der gängigen Klimamodelle noch übertreffen.

Extreme Trockenheit in den Everglades im US-Bundestaat Florida.

© Imago/Cavan Images

Extreme Trockenheit in den Everglades im US-Bundestaat Florida.

Von Markus Brauer/dpa

Ob im Westen Kanadas, im Mittelmeerraum, in Indien oder sogar in der Arktis und Antarktis: In den vergangenen Jahren gab es in vielen Regionen neue Temperaturrekorde und intensive, langanhaltende Hitzewellen.

Mehr Temperaturextreme

Prinzipiell kommt diese Entwicklung nicht unerwartet: Klimamodelle prognostizieren schon länger, dass sich mit den steigenden Durchschnittstemperaturen auch die Temperaturextreme mehren.

Doch wie sich jetzt zeigt, geht die neue Hitze in einigen Weltregionen weit über das hinaus, was Klimamodelle erklären können. Fast überall auf der Welt gibt es demnach Hotspots mit Extremtemperaturen, die über das in den Modellen Prognostizierte hinausgehen.

In Westkanada beispielsweise wurden die bisherigen Maximaltemperaturen im Juni 2021 um gleich 30 Grad übertroffen. An anderen Orten kommen solche Hitzewellen häufiger vor als sie es statistisch dürften.

Klimaforscher sprechen von einem „Tail-Widening“ – einer überproportionalen Zunahme der Extreme in der Verteilungskurve. „Die Modelle unterschätzen die Landfläche, in der ein solches Tail-Widening um mehr als 0,5 Grad pro Jahrzehnt stattgefunden hat, um den Faktor vier“, konstatieren Forscher um Kai Kornhuber vom International Institute for Applied Systems Analysis (IASA) im österreichischen Laxenburg im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“.

Hotspots auf der ganzen Weltkarte

Wie ein fiebriger Ausschlag verteilen sich diese roten Hotspots auf der Weltkarte der Modellabweichungen. „Diese Gebiete werden vorübergehend zu Treibhäusern“, erklärt Kornhuber.

Besonders ausgedehnt sind die roten Flecken im Süden Südamerikas und Australiens, in Europa, im nördlichen Teil Nordamerikas, Grönlands sowie in Teilen Chinas und Russlands. Auch im Amazonasgebiet überschreiten die Hitzetage teilweise das von den Klimamodellen Vorhergesagte.

Es gibt aber auch einige Regionen, in denen die Hitze sich langsamer entwickelt als prognostiziert – darunter Nordafrika, Sibirien und Teile der USA.

Europa ist stärkster Hitze-Ausreißer

Die mit Abstand am stärksten betroffene Region ist Nordwest- und Mitteleuropa. „Europa ist ein globaler Hitzewellen-Hotspot, in dem die heißesten Tage des Jahres doppelt so schnell wärmer werden als im Mittel“, berichten die Forscher.

Allein 2022 und 2023 starben in Europa mehr als 100.000 Menschen durch die extremen Hitzesommer. Auch, weil Klimaanlagen anders als in den USA oder Teilen Asiens bei uns noch wenig verbreitet sind. Im September 2024 gab es ebenfalls neue Rekordtemperaturen für diese Jahreszeit – unter anderem in Frankreich, Ungarn, Norwegen und Schweden.

Vor allem in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden gab es in den vergangen fünf bis zehn Jahren immer wieder außergewöhnliche Hitzephasen, die über dem von den Modellen prognostizierten lagen, wie Kornhuber und sein Team ermittelten.

Klimawandel macht Hitzewellen extremer

Der menschengemachte Klimawandel verschärft nach Erkenntnissen anderer Klimaforscher die derzeitige Hitzewelle in Frankreich, Deutschland und weiteren Teilen Westeuropas Fachleuten zufolge deutlich. „Das Wettermuster hinter dieser Hitzewelle ist nicht außergewöhnlich“, erklärt Davide Faranda von dem Projekt Climameter. 

Europe is melting! The size, intensity, and longevity of this #heatwave is enormous. Peak temperatures will reach 45°C / 100-115°F this week in #France . You are looking at temperature anomalies in the cloud layer over the next 2 weeks, which peak at +20°C. #Europe is Earth’s… pic.twitter.com/JiCQm10nkN — Jeff Berardelli (@WeatherProf) June 22, 2026

„Was außergewöhnlich ist, ist, dass der Klimawandel den Temperaturen in Teilen Westeuropas bis zu 4 Grad Celsius hinzugefügt hat.“ Man nähere sich den Grenzen dessen, woran sich Gesellschaften und Ökosysteme anpassen könnten.

Climameter beschäftigt sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf Wetterbedingungen in Europa. Das Projekt wird von der Europäischen Union und dem französischen Forschungsinstitut CNRS finanziert und vom Klimaforschungsinstitut IPSL unterstützt.

2. Juni 2026: 2 bis 4 Grad wärmer als vor 70 Jahren

Für ihre Analyse haben sich die Wissenschaftler Zirkulationsmuster am 22. Juni 2026 angeschaut. Temperaturen seien etwa 2 bis 4 Grad Celsius wärmer, als sie bei ähnlichen meteorologischen Bedingungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen wären. Dass ähnliche Wettermuster heute höhere Temperaturen hervorbrächten, liege an Treibhausgasemissionen.

Die Fachleute listen in ihrer Untersuchung die berechneten Temperaturunterschiede für mehrere Städte in Europa und auch in Deutschland auf:

Saragossa (Spanien): 4 Grad Celsius heißer

Mailand (Italien): 3,8 Grad Celsius heißer

Paris (Frankreich): 2,4 Grad, als es unter ähnlichen Bedingungen noch vor mehreren Jahrzehnten gewesen wäre

München: Klimawandel treibt die Hitzewelle mit 2,3 Grad Celsius mehr an

Frankfurt am Main: Unterschied liegt bei etwa 1,7 Grad Celsius

Köln: 1,6 Grad Celsius heißer

Berlin: 1,2 Grad Celsius heißer

Die Experten betonen, dass es bereits mehrfach in der Vergangenheit ähnliche Zirkulationsmuster gegeben habe. Nun aber führten sie zu deutlich höheren Temperaturen. Auch verweisen sie darauf, dass Extrem-Hitzeereignisse in Westeuropa bereits deutlich stärker zugenommen haben, als Klimamodelle dies angenommen hatten.

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Erstellt:
24. Juni 2026, 14:10 Uhr

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