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Tübingen gibt Fahrradwege für schnelle E-Bikes frei

dpa/lsw Tübingen. S-Pedelecs sind deutlich schneller als herkömmliche E-Bikes und dürfen daher eigentlich nicht auf Fahrradwegen fahren. Tübingen will das als erste Stadt in Deutschland ändern. OB Palmer will die schnellen Zweiräder so als Alternative für Pendler etablieren.

Ein S-Pedelec. Foto: Dennis Stratmann/www.haibike.de/www.pd-f.de/dpa/Archivbild

Ein S-Pedelec. Foto: Dennis Stratmann/www.haibike.de/www.pd-f.de/dpa/Archivbild

Schnell und ohne Auto durch die Stadt: Tübingen will als erste Kommune bundesweit ein zusammenhängendes Netz von Fahrradwegen für besonders schnelle Elektrofahrräder aufbauen. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) will damit die sogenannten S-Pedelecs als klimafreundliche Alternative für Pendler etablieren. „Das funktioniert aber nur, wenn wir ihnen ein attraktives Wegenetz in der Stadt bieten“, sagte Palmer.

Als ersten Baustein für das Wegenetz gab er am Dienstag einen Fahrradtunnel für die extraschnellen E-Bikes frei. 80 weitere Radwege innerhalb des Tübinger Stadtgebiets sollen in den kommenden Wochen folgen, sagte Palmer. Er hofft, dass sich Umland-Gemeinden dem Netz anschließen. Die Stadt Tübingen geht davon aus, dass sie bei diesem Thema bundesweit Vorreiter ist.

Der nun freigegebene Tunnel verbindet die Altstadt mit dem Süden und wird nach Angaben der Stadt täglich von 2000 bis 3000 Radlern genutzt. Es gilt hier ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde.

Sogenannte S-Pedelecs sind rechtlich Kleinkrafträder und müssen eigentlich auf der Straße fahren. Das Verkehrsministerium hatte Kommunen jedoch im September erlaubt, Zusatzschilder mit der Aufschrift „S-Pedelecs frei“ an gängigen Radwegen aufzustellen.

Während sich bei normalen E-Bikes der elektrische Antrieb bei 25 Stundenkilometern abschaltet, haben S-Pedelecs eine Elektromotorenunterstützung bis Tempo 45. Für die Räder gilt Helm-, Führerschein- und Versicherungspflicht.

Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sind S-Pedelecs bisher nicht sehr verbreitet: Sie hätten einen Anteil von 0,5 Prozent an allen verkauften Elektrorädern. Schätzungen zufolge gebe es bundesweit 25 000 S-Pedelecs - neben fünf Millionen normalen E-Bikes und mehr als 70 Millionen Fahrrädern. Palmer besitzt selbst ein S-Pedelec, das er für längere Dienstfahrten nutzt.

Der ADFC sieht durch die schnellen E-Bikes besonders junge und ältere Radler in Gefahr. „S-Pedelecs auf Radwegen lehnen wir deutlich ab, da der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Menschen auf Fahrrädern und S-Pedelecs viel zu groß ist“, teilte eine Sprecherin mit. S-Pedelecs könnten mehr als doppelt so schnell wie gemächliche Radfahrer unterwegs sein. Auf normalen Radwegen vertrage sich das nicht.

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Erstellt:
12. November 2019, 16:24 Uhr

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