Brenner-Sperrung wegen Demo
Urlauber aus der Region Stuttgart: „Wir standen kein einziges Mal“
Das erwartete Chaos aufgrund der Sperrung der beliebten Reiseroute ist offenbar ausgeblieben – sowohl in Deutschland als auch in Österreich.
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Menschen statt Autos auf der A13. Am Brenner wird am Samstag demonstriert, die Autobahn ist gesperrt.
Von Michael Bosch
Am Ende war alles halb so wild. „Wir standen kein einziges Mal“, sagt Eva Seybold. Sie, ihr Mann und der Sohn sind an diesem Samstag von Ludwigsburg über die Alpen in den Pfingsturlaub gefahren – trotz etlicher Warnungen im Vorfeld und Horror-Szenarien von endlosem Stau zwischen Österreich und Italien. Die Familie ist früh – gegen vier Uhr – in der Region Stuttgart aufgebrochen, eigentlich wollten sie über den Brenner fahren. Das Ziel: das Schnalstal in Tirol.
Die beliebte Strecke ist an diesem Samstag aber wegen einer Demo gegen die vielen Autos und Laster, die sich täglich über den Pass drängen und den Bewohnern zusetzen, gesperrt. Behörden, Verkehrsclubs und sogar das Auswärtge Amt hatten lange im Vorfeld gewarnt. „Selbst der Vermieter unserer Unterkunft hat angeboten, dass wir einen Tag früher kommen können“, sagt Seybold. Konnten sie wegen der Arbeit nicht. Also fuhren sie über den Reschenpass – und das war offenbar eine gute Wahl. „Es war gar nichts los“, sagt die Mutter aus Ludwigsburg. Nach rund sechs Stunden war die Familie am Ziel.
Brenner-Sperrung: Verkehrschaos bleibt fast überall aus
Dass die Brenner-Autobahn (A13) an diesem Samstag für acht Stunden gesperrt ist, hat auch anderswo nicht für das befürchtete Chaos gesorgt. Die großen österreichischen Nachrichtenportale vermeldeten allesamt: Kaum Stau, erstaunlich wenig los. „Alles sehr entspannt. Es ist viel weniger Verkehr als an normalen Samstagen“, sagte ein Sprecher der Polizei gegenüber der Nachrichtenagentur APA zur Situation auf der A13. Auch im restlichen Österreich war die Lage demnach „unspektakulär“. Ein Sprecher des österreichischen Mobilitätsclubs ÖAMTC erklärte, man sei „glücklich und freudig überrascht“, dass die Reisenden die Warnungen und Appelle ernst genommen hätten.
Zudem wurden auch aus Südtirol und Bayern keine größeren Behinderungen gemeldet. Auch die bayrische Polizei sowie der ADAC vermeldeten: alles ruhig! Auf deutscher Seite waren die Autobahnen in Richtung Süden bereits am Samstagvormittag auffällig leer. Die „Kronen Zeitung“ berichtet nur von einzelnen deutschen Urlaubern, die nichts von der Sperrung mitbekommen haben, und umdrehen mussten. Denn Ausweichmöglichkeiten innerhalb Tirols gibt es nicht.
Vereinzelt haben Reisende nichts von der Brenner-Sperrung mitbekommen
Die Tiroler Polizei hatte zudem Lastwagen gleich nach der deutsch-österreichischen Grenze bei Kufstein ausgeleitet und nach Deutschland zurückgeschickt. Das teilte ein Sprecher der Polizei in Tirol auf Anfrage mit. Lastwagen im Transitverkehr dürften während der Brenner-Sperre gar nicht erst nach Tirol einreisen.
Die Fahrer würden deshalb kontrolliert und bei geplantem Transit gleich an der Grenze zurückgewiesen. Damit soll verhindert werden, dass sich auf den Zufahrtsstrecken und Autobahnen lange Staus bilden. Teils scheine es zu Diskussionen zwischen Lkw-Fahrern und Grenzbeamten zu kommen, was den Verkehr etwas aufstaue, sagte eine ADAC-Sprecherin. Größere Zwischenfälle wurden aber nicht bekannt.
Brenner-Sperrung: Kommt der Stau erst noch?
Am Alpenpass selbst bot sich am Samstag ein ungewohntes Bild. „Es ist sehr angenehm. Sonst muss ich oft lange warten, bis ich die Gäste auf der anderen Straßenseite bedienen kann“, sagte eine Wirtin, die ein Lokal auf Passhöhe betreibt. Normalerweise rauschten Auto an Auto an ihrem Café am Brenner vorbei – am Samstag nicht.
Wie sich die Situation im Laufe des Samstags entwickle, bleibe abzuwarten. Da waren sich Verkehrsexperten und Polizei einig. Normalerweise gebe es zu dieser Zeit im Jahr „enorme Reiseverkehr“, hieß es beispielsweise vom ÖAMTC. Ob sich das „nicht doch nach Aufhebung der Sperre noch bemerkbar machen werde“ müsse sich zeigen. Auch die Polizei in Bayern rät lieber am Montag als am Sonntag über den Brenner zu fahren, wenn dieser wieder frei ist.
