Bundesbank-Studie

Virtuelles Geld immer wichtiger – stirbt das Bargeld aus?

Wegen des Vormarschs digitaler Bezahlmöglichkeiten büßen Euro-Schein und Münze an Bedeutung bei den Bundesbürgern ein. Für die Zukunft haben sie eine klare Vorstellung.

Trotz aller digitaler Möglichkeiten wollen die Deutschen auf Bargeld auch künftig nicht verzichten.

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Trotz aller digitaler Möglichkeiten wollen die Deutschen auf Bargeld auch künftig nicht verzichten.

Von Matthias Schiermeyer

Geldschein und Münze sind den Deutschen lieb und teuer. Dennoch setzen sich immer mehr digitale Bezahlmöglichkeiten durch. Nach einer umfassenden Studie der Bundesbank haben die Verbraucher im vorigen Jahr ihre täglichen Einkäufe zum ersten Mal häufiger bargeldlos bezahlt.

Konkret wurden 55 Prozent der erfassten Zahlungen des Alltags ohne Bargeld getätigt – nach 49 Prozent zwei Jahre zuvor. Mobile Zahlungen haben ihren Anteil an den Bezahlvorgängen fast verdoppelt, wie die Bundesbank in ihrer achten Bestandsaufnahme des Zahlungsverhaltens seit 2008 darstellt.

Bargeld liegt bei Transaktionen noch vorne

Bargeld ist mit einem Anteil von 45 Prozent aber weiterhin das am häufigsten eingesetzte Zahlungsmittel nach Anzahl der Transaktionen. Die Debitkarte – insbesondere die Girocard – kam mit 26 Prozent am zweithäufigsten zum Einsatz. Auf Platz drei der Zahlungsmittel folgten mobile Optionen wie das Bezahlen mit dem Smartphone – jede zehnte Zahlung wurde damit getätigt. Anders ist die Reihenfolge, gemessen am Umsatz: Da liegt die Debitkarte ganz vorne.

Apple Pay und Paypal sind – je nach Verwendung – führend

Unter den mobilen Bezahlverfahren vor Ort ist Apple Pay weiterhin der Marktführer: 36 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie schon einmal mit einem Smartphone, einer Smartwatch oder einem Fitnessband gezahlt haben – dann oftmals eben mit Apple Pay.

Anders die Marktaufteilung bei den mobilen oder internetgestützten Bezahlverfahren: Am häufigsten halten die Befragten ein Konto bei Paypal (77 Prozent). Dahinter folgen Klarna (48) sowie mit Abstand die Wallets Apple Pay, Google Pay und Bezahl-Apps von Banken. Bezahllösungen des Einzelhandels, wie Payback Pay oder Apps von Handelsketten, spielen kaum eine Rolle.

Viele Befragte sind unzufrieden mit der Akzeptanz von bargeldlosen Zahlungsmitteln, wie auch eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zeigt: Demnach sind 84 Prozent der Deutschen der Meinung, dass alle Geschäfte gesetzlich verpflichtet sein sollten, neben Bargeldzahlungen mindestens eine elektronische Bezahlmöglichkeit anzubieten. Der Wunsch nach Wahlfreiheit ist in allen Altersklassen ausgeprägt.

Trotzdem dürfte Bargeld auch künftig eine hohe gesellschaftliche Relevanz haben und nicht aussterben: Vier von fünf für die Bundesbank befragten Verbrauchern halten es generell für wichtig, dass es erhalten bleibt. 68 Prozent sind dafür, dass es bei jeder Zahlungsgelegenheit vor Ort möglich sein sollte, mit Bargeld zu bezahlen.

Digitaler Euro soll Schein und Münze ergänzen

Weil es vor allem im politischen Raum einen starken Wunsch nach europäischer Unabhängigkeit bei den Zahlungssystemen vor allem gegenüber den US-amerikanischen Anbietern gibt, ist die Bundesbank auch ein starker Verfechter des Digitalen Euro. Dieser wird gerade im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) entwickelt und soll 2029 eingeführt werden. Damit soll in Zukunft quasi in gleichem Tempo wie mit Bargeld gezahlt werden können – in Kneipe und Handel etwa –, nur eben auf virtuellem Wege. Der für dieses Projekt mitverantwortliche Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz freut sich, dass fast jeder zweite Befragte schon vom Digitalen Euro gehört hat und dass ein starker Wunsch in der Bevölkerung nach mehr europäischer Autonomie im Zahlungsverkehr besteht.

Bundesbank sieht Wero nicht als Konkurrenz an

Alternative Entwicklungen wie das Echtzeitbezahlsystem Wero sieht er positiv: „Unsere Strategie zielt auch auf die Unterstützung europäischer Bezahlverfahren wie Wero“, sagt er. Dieses System wurde über Jahre von diversen Kreditinstituten in Europa aufgebaut – „mittlerweile ist der deutsche Bankenmarkt mehr oder weniger komplett dabei“, so Balz. Beeindruckt zeigt er sich von der Zunahme der App-Zahlen – jetzt komme es aber auf die konkrete Nutzung der App an. Balz erwartet, „dass Wero bald die etablierte Bezahlform in Deutschland werden wird“. Der digitale Euro sei aber kein Konkurrenzprojekt, sondern werde mit privaten Wallets zusammenarbeiten.

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Erstellt:
17. Juni 2026, 13:44 Uhr

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