Gespräche in Islamabad

Vom Iran-Krieg zum Hormus-Krieg?

Das historische Treffen zwischen dem Iran und den USA ist gescheitert. Nun ist offen, ob es weitere Gespräche geben wird oder der Krieg fortgesetzt wird.

US-Vizepräsident JD Vance (2.v.l) schüttelt in Islamabad die Hand des stellvertretenden pakistanischen Premierministers Mohammad Ishaq Dar.

© Jacquelyn Martin/POOL AP/AP/dpa

US-Vizepräsident JD Vance (2.v.l) schüttelt in Islamabad die Hand des stellvertretenden pakistanischen Premierministers Mohammad Ishaq Dar.

Von Thomas Seibert

Es hat nicht gereicht. Zum ersten Mal seit der islamischen Revolution von 1979 saßen Spitzenvertreter von Iran und USA an einem Tisch, um nach fünf Wochen Krieg über Frieden zwischen ihren Ländern zu verhandeln. Rund 21 Stunden dauerte das historische Treffen der Delegationen unter US-Vizepräsident JD Vance und dem iranischen Parlamentspräsidenten Mohammad-Bagher Ghalibaf in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Doch der Versuch einer Einigung scheiterte. Weder die USA noch der Iran kündigten die seit einigen Tagen geltende Waffenruhe auf, doch sie könnten nun in eine neue Eskalation im Streit um die Straße von Hormus schlittern.

Ein letztes Angebot

Ein letztes Angebot

Die gute Nachricht sei, dass die US-Vertreter substanzielle Gespräche mit den Iranern geführt hätten, sagte Vance nach dem Ende der Verhandlungen am frühen Sonntagmorgen im Luxushotel Serena in Islamabad. „Die schlechte Nachricht ist, dass wir keine Einigung erzielt haben.“ Vance sprach von einem „letzten und besten Angebot“ an die Iraner, dessen Inhalt er für sich behielt. Nun müsse man abwarten, ob Teheran darauf eingehe, sagte er. Der Vizepräsident warf den Iranern vor, sie wollten sich nicht auf einen eindeutigen Verzicht auf Atomwaffen und auf die Technologie zu deren Entwicklung festlegen. Das aber sei der Kern der US-Forderungen an die Islamische Republik.

Ghalibaf gab den USA die Schuld am Scheitern der Gespräche. Amerika habe sich „in dieser Verhandlungsrunde“ nicht das Vertrauen der iranischen Delegation erwerben können, schrieb er auf X. Die Möglichkeit weiterer Treffen ließ er offen. Der iranische Außenamtssprecher Esmaeil Bakaei teilte mit, es habe in Islamabad Teil-Einigungen gegeben, doch bei „zwei oder drei wichtigen Themen“ hätten die Differenzen nicht ausgeräumt werden können. Eine umfassende Einigung bei diesem ersten Treffen sei ohnehin nicht zu erwarten gewesen.

Vermittler Pakistan rief beide Seiten auf, sich weiter an die Waffenruhe zu halten. Am Sonntag gab es keine neuen Gefechte. Allerdings gab es auch keine neue Verabredung.

Iranischen und amerikanischen Medienberichten zufolge scheiterten die Gespräche am Streit um die iranische Kontrolle über die Straße von Hormus, der US-Forderung nach Herausgabe von 440 Kilogramm hoch angereichertem Uran und der iranischen Bedingung, dass die USA rund 27 Milliarden Dollar an eingefrorenen Auslandsguthaben des iranischen Staates freigeben sollen.

China munitioniert den Iran

Das iranische Regime sagt, es wolle keine Atombombe bauen, die Kernenergie aber friedlich nutzen. Sollten die USA in Islamabad einen Verzicht auf jede Art von Atomprogramm gefordert haben, sei die Ablehnung der Iraner unvermeidlich gewesen, kommentierte der Nahost-Experte Ali Alfoneh vom Arab Gulf States Institute in Washington. Der Iran sei sicher, bis zu den Kongresswahlen im Herbst weiter Druck auf die US-Regierung ausüben zu können. US-Präsident Donald Trump sei wegen des Iran-Kriegs und der steigenden Benzinpreise innenpolitisch in die Defensive geraten.

Ghalibaf und Delegation waren selbstbewusst nach Islamabad gereist. Das iranische Regime hat die Luftangriffe überlebt und sich die Kontrolle über die Meerenge von Hormus gesichert. Teheran will diese Kontrolle behalten, während die USA die sofortige Freigabe der Meerenge verlangen. Während Vance und Ghalibaf noch verhandelten, eskalierte der Streit um die Wasserstraße. Die USA begannen nach Militärangaben mit der Räumung iranischer Seeminen, der Iran drohte mit Angriffen auf die US-Kriegsschiffe. Einen offenen Konflikt mit den Amerikanern will Teheran aber vermeiden.

China munitioniert den Iran

Trump leitete nach dem Scheitern der Gespräche in Islamabad in den sozialen Medien einen Bericht weiter, in dem eine Seeblockade der USA gegen den Iran gefordert wurde. Damit könnten alle iranischen Ölausfuhren unterbunden und eine Haupteinnahmequelle des Regimes trockengelegt werden.

Auch der israelische Krieg gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon könnte die Suche nach einer Lösung torpedieren. Pakistan und der Iran verlangen ein Ende des israelischen Feldzugs im Rahmen der geltenden Waffenruhe, doch USA und Israel lehnen das ab. Bei einem israelischen Luftangriff im Süden des Libanon am Sonntagmorgen starben fünf Menschen.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu behält sich vor, die Luftangriffe auf den Iran wieder aufzunehmen. Der Krieg sei noch nicht vorbei, erklärte er am Samstag. Damit steigt die Gefahr, dass die Kriegsparteien die Waffenruhe statt für weitere Friedensgespräche zur Vorbereitung neuer militärischer Auseinandersetzungen nutzen werden. US-Geheimdienste wollen laut dem Sender CNN beobachtet haben, dass China die Lieferung neuer Luftabwehrsysteme an den Iran vorbereitet.

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Erstellt:
12. April 2026, 14:30 Uhr

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