Welttag des Witzes
Warum Humor und Lachen gut für die Gesundheit sind
Auch wenn alles gar nicht lustig ist: Wenn wir lachen, werden negative Gefühle kleiner, und wir können sogar eine andere Sicht auf Probleme gewinnen.
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It’s a good joke! Wenn wir lachen, reduzieren wir Stress und machen so Platz für neue Perspektiven. Humor regt die Kreativität an und hilft, neue Perspektiven zu finden.
Von Markus Brauer/dpa
Am 1. Juli ist Weltwitzetag. Ha, ha! Selten so gelacht, werden viele jetzt sagen. Mir ist nicht zum Lachen zumute. Verständlich, angesichts der wenig amüsanten Lage in Deutschland und der Welt. Also betrübt durch die Welt schleichen? Auch blöd!
„International Joke Day“
„Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen“, um den (superschlauen und selbst wenig humoristischen) deutschen Aufklärungsphilosophen Immanuel Kant zu zitieren (verkürzt aus seiner Schrift „Kritik der Urteilskraft“, 1790).
Um den bierernsten Alltag zu überstehen, hat der amerikanische Fantasy-Autor und Zeichner Wayne Reinagel am 1. Juli im Jahr 1994 den „International Joke Day“ ins Leben gerufen.
Humor ist gut bei Stress
„Humbug!“ würde Ebenezer Scrooge, der miesepetrige Held aus Charles Dickens „A Christmas Carol“ („Eine Weihnachtsgeschichte“) jetzt einwerfen. Falsch! Denn Humor kann ein wirksames Mittel gegen Stress und negative Gefühle sein, auch und vor allem in herausfordernden Zeiten.
Studien zeigen, dass Humor körperliche und psychische Stressreaktionen abmildern und unsere Stimmung heben kann.In Situationen, „in denen man Humor erlebt, ist kein Platz mehr für belastende Emotionen, sagt Steven Sultanoff, klinischer Psychologe und Professor an der Pepperdine University in Kalifornien. „Diese negativen Gefühle lösen sich auf.“
Humor sei meist ein strategischer Bewältigungsmechanismus, aber kein bewusster, fährt der Psychologe fort. Menschen nutzen Humor oft quasi automatisch, etwa indem sie in schwierigen Momenten spontan lachen oder absurde Witze machen.
Wie Humor wirkt
Es funktioniert unter anderem, weil wir beim Lachen besonders intensiv ausatmen, angespannte Muskeln entspannen sich. Es verbessert die Aufnahme von sauerstoffreicher Luft, stimuliert Herz, Lunge und Muskeln und erhöht die Ausschüttung von Endorphinen im Gehirn.
Humor wirkt auch über den Moment hinaus. „Der fröhliche Einsatz von Humor baut psychologische Antikörper auf“, erklärt Sultanoff. Tatsächlich kann seine stressreduzierende Wirkung auch einen positiven Effekt auf unser Immunsystem haben.
Humor hilft beim Problemlösen
Wenn wir also lachen, reduzieren wir Stress und machen so Platz für neue Perspektiven. Humor regt die Kreativität an und hilft, neue Perspektiven zu finden. Das ist nützlich, wenn es darum geht, Probleme zu lösen, denn Stress engt das Denken oft ein.
„Es geht nicht darum, niemals negative Gefühle zu haben. Stress ist ein Signal, dass etwas gelöst werden muss“, betont Michele Tugade, Psychologin am Vassar College in New York. Humor sollte daher bewusst und in Maßen eingesetzt werden – als eine kurze Pause, um danach gestärkt weiterzumachen.
Aber wie? Humor kann auch trainiert werden, erläutert Sultanoff. Er selbst setze ihn bewusst ein, um die Stimmung aufzulockern und Verbindungen zu seinen Mitmenschen aufzubauen.
Tipps, die das Lachen leichter machen
Dazu raten die Experten:
Wenn Sie etwas sehen, das Sie zum Lachen bringt, etwa Fotos oder Postkarten, hängen Sie sie in Ihrer Umgebung auf oder sammeln Sie sie.
Haben Sie Bücher oder bestimmte Sendungen, die Sie lustig finden? Podcasts? Die kann man immer zur Verfügung haben und in Stresssituationen nutzen. Und außerdem ist das Internet voller Witze und Videos.
Missgeschicke & Co.: Versuchen Sie, über Ihre eigenen Situationen zu lachen. Auch wenn es sich erst komisch anfühlt, üben Sie.
Zusammen lachen, etwa mit Freunden. Das schafft darüber hinaus Verbundenheit. Noch etwas, das uns resilienter macht.
Humor funktioniert kulturspezifisch
„Humor und Lachen gehören zur anthropologischen Ausstattung des Menschen. Jede Gesellschaft lacht, aber sie lacht über andere Dinge und unter Umständen auch in einem anderen Modus“, erklärt Lars Koch, Professur für Medienwissenschaft und Neuere deutsche Literatur an der TU Dresden.
Worüber gelacht wird, hänge sehr stark mit dem kulturellen Repertoire, dem kollektiven Gedächtnis und dem Selbstbild einer Gesellschaft zusammen. Deshalb könne der Humor auch ganz schnell kippen und etwas Beleidigendes und Verletzendes bekommen, wenn Beteiligte einen anderen kulturellen Hintergrund besäßen.
Witze ohne Worte
Doch in vielen Fällen lache die Welt gemeinsam über dieselben Sachen, meint Koch. So stünden Charlie Chaplin oder auch Mr. Bean für einen weitgehend universellen Humor, der vor allem über Körper und Mimik transportiert wird. Beide Künstler kämen ohne Worte aus oder beschränkten das Verbale auf das Notwendigste.
Britischer Humor oder auch jüdischer Witz würden dagegen stark von der Sprache abhängen. Hier seien Spott und Ironie maßgeblich, die ohne Semantik nicht auskommen. „Der Witz ist hier eine scherzhafte Mikroerzählung, die auf eine unerwartete Wendung hinausläuft.“
Lachen im Angesicht von Katastrophen
Der Medienexperte kann auch erklären, warum selbst nach menschlichen Katastrophen gern gewitzelt wird. „Wenn etwas ganz Schreckliches passiert, dann dient Humor dazu, sich ein Stück weit zu distanzieren, herauszunehmen und wieder Deutungssicherheit zu gewinnen.“
Ob es bei Witzen Grenzen gebe, hänge ganz von der Perspektive ab: „Ich schaue nicht zuvorderst moralisch auf Humor, sondern frage nach seinen Funktionen. Es gibt aber auch die dunkle Seite des Humors. Es wäre zu leicht zu sagen, bei Humor ist alles erlaubt.“
„Witze haben die Fähigkeit, andere Menschen zu verletzen. Sie können Stereotype verstärken und bestimmte Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung vorantreiben“, betont der Forscher und nennt als Beispiel antisemitische Witze.
Schenkelklopfer vs. subtiler Witz
Gerade in totalitären Regimes könnten Witze eine heikle Angelegenheit sein. Humor habe das Potenzial, bestimmte Herrschaftsverhältnisse zu unterminieren – als kurzfristiges Ventil oder auch zur sukzessiven Untergrabung einer Herrschaftsform oder Autorität. „Humor kann auch eine machtkritische Funktion haben.“
Lars Koch selbst findet am subtilen Witz Gefallen und weniger am Schenkel-Klopfer-Humor. „Der nutzt sich nicht nur sehr schnell ab, sondern bedient sich auch bei sexistischen Stereotypen.“ Humor sei oft dann zündend, wenn man nicht groß darüber nachdenken müsse, sondern einfach von ihm ergriffen werde.
