Blitz, Donner, Hagel
Warum Sommergewitter eher in den Bergen entstehen
Plötzlich prasselt Regen, Blitze zucken, ein paar Straßen weiter ist alles trocken. Was Gewitter so unberechenbar macht und warum sie eher in den bayerischen Alpen oder im Schwarzwald vorkommen. Und: Wie entstehen Gewitter? Was macht Blitze so gefährlich? Viele Fragen und noch mehr Antworten rund um Sommergewitter.
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Blitze erhellen den Abendhoimmel bei einem heftigen Gewitter über Siegsdorf und dem Hochfelln in Chiemgauer Alpen in Bayern.
Von Markus Brauer/dpa
Es ist das typische Wetter-Wechselspiel im Sommer: Auf Hitzetage folgen teils schwere Gewitter, begleitet von Unwettern mit heftigem Starkregen und schweren Sturmböen.
Dabei ist es schwül-warm, der Himmel verdunkelt sich, auf einmal zucken Blitze und es gießt wie aus Eimern. Nach relativ kurzer Zeit ist das Spektakel dann meist schon wieder vorbei. Zurück bleiben umgestürzte Bäume, manchmal zentimetergroße Hagelkörner oder überschwemmte Straßen, weil die Wassermassen nicht rasch genug abfließen.
Vor allem im Sommer entstehen solche Gewitter, zumeist in den Bergen. Aber warum ist das so?
Nicht unterschätzen: Risikofaktor Berg
Grundsätzlich sind Gewitter dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge schwer vorhersagbar, in bergigen Regionen entstehen sie aber eher. „Sieht man sich die Zahl der Gewittertage an, also der Tage, an dem zumindest ein Gewitter registriert wurde, so heben sich die bayerischen Alpen, Schwarzwald, Schwäbische Alb, Bayerischer Wald und Erzgebirge durch eine deutliche höhere Zahl an Tagen von den übrigen Regionen in Deutschland ab“, erklärt Dirk Mewes vom DWD in München.
Auch im Umfeld der Berge komme es daher häufiger zu Gewittern als anderswo. „Das liegt daran, dass die Gewitter am Bergland entstehen und dann in die vorgelagerten Gebiete ziehen. Das Bergland ist deshalb eine ideale ‚Brutstätte‘ von Gewittern.“
Wenn Luft gegen einen Berg strömt, kann sie laut DWD nicht durch den Berg hindurch. Sie wird an den Hängen nach oben gedrückt. Beim Aufsteigen dehnt sich die Luft wegen des geringeren Luftdrucks aus, kühlt sich dabei ab und der Wasserdampf kondensiert zu Wolken. Steigt die Luft weit genug auf, können sich mächtige Gewitterwolken bilden.
Wärme ist nicht allein entscheidend
„Hitze allein reicht nicht aus“, erläutert der Meteorologe. Nötig sei ein großer Temperaturunterschied zwischen den hohen Luftschichten und dem Boden. Außerdem müsse der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre ausreichend hoch sein.
„Für die Gewitterbildung muss die aufsteigende Luft in Höhenregionen vorstoßen, deren Temperatur deutlich unter minus zehn Grad liegt“, berichtet Mewes. Nötig sei eine Eis- beziehungsweise Graupelbildung, um eine Ladungstrennung innerhalb der entstehenden Gewitterwolke herbeizuführen.
Was der Wind bewirkt
In den zehn bis zwölf Kilometer in die Höhe reichenden Wolken mit einem charakteristischen Eisschirm im oberen Teil baue sich dann ein Ladungspotential auf, das ausgeglichen werden müsse. Entweder komme es zu Entladungen zwischen den Wolken oder zwischen Wolken und Erdboden. Dann gewittere es, konstatiert der Experte.
Manchmal entwickelten sich auch große Hagelpartikel. Nach Mewes Worten geschieht dies vor allem dann, wenn der Wind seine Richtung mit der Höhe ändert oder dessen Geschwindigkeit zunimmt. Dann hätten die Eispartikel bessere Chancen zu wachsen.
Petrichor und Gewitter: Wie genau kommt der Duft in die Nase?
Wenn es nach langer Trockenheit wieder regnet, riecht es ganz eigentümlich. Diesen typischen Duft nennen Forscher Petrichor.
Zwei Australier, die den Begriff im Jahr 1964 von den altgriechischen Wörtern „petros“ (Stein) und „Ichor“ (in der griechischen Mythologie die Flüssigkeit in den Adern der Götter) ableiteten, fanden folgendes heraus: Das geruchlose Wasser wirbelt Staubpartikel auf, die unter anderem das Aroma eines Öls in sich tragen, das Pflanzen bei Dürre produzieren.
US-Forscher haben dieses Phänomen genauer beschrieben: Ein Regentropfen schließt auf der Erde winzige Luftbläschen unter sich ein. Diese nehmen den Geruch des staubigen Bodens auf, blubbern dann ähnlich wie Kohlensäure im Sprudelwasser nach oben und spritzen aus der Tropfenoberfläche an die Luft.
Wind verteilt die mitgezogenen Duftstoffe. Unter anderem daher können manche schon Regen riechen, bevor er überhaupt an ihrem Standpunkt fällt. Die Forscher fanden heraus, dass bei leichterem Niederschlag der Geruch intensiver ist als bei Starkregen.
Woran erkennt man, dass ein Gewitter aufzieht?
Gewitter kündigen sich im Sommer meist während des Tages mit schwüler, feuchter Luft an. Wenn sich schon am Mittag kleine Quellwolken auftürmen, kann das ein Anzeichen für ein Gewitter am Abend sein. Kurz vor dem Unwetter bilden sich dann die typischen aufgetürmten Wolken – sogenannte Cumulonimben.
Begleitet werden Gewitter meist von Wind sowie heftigen Regen- oder Hagelschauern. Da Gewitter oft kurzfristig entstehen, sind sie für Meteorologen nur schwer vorherzusagen.
Wie entsteht ein Sommergewitter?
Ursache für Sommergewitter ist feuchte Luft am Boden, die von der Sonne aufgeheizt wird und nach oben steigt. Wintergewitter dagegen entstehen bei starker Abkühlung in der Höhe.
Dass geschieht bei einem Sommergewitter: Die wärmere Luft kühlt langsam ab und bildet in mehreren Kilometern Höhe hoch aufgetürmte Wolken. Es bilden sich Eiskristalle und Wassertropfen, aus denen sich schließlich eine Gewitterwolke bildet. Innerhalb der Wolken entstehen elektrische Spannungen, die sich kurzschlussartig entladen. Die Folge: Es blitzt und kracht am Himmel.
Warum blitzt es bei Gewittern?
Die aufsteigenden Wassertröpfchen stoßen mit den schon vorhandenen Tropfen in der Atmosphäre aneinander. So entsteht eine elektrische Spannung. Überschreitet sie eine bestimmte Schwelle, kommt es zu einem gigantischen Kurzschluss. Der Blitz entlädt sich innerhalb der Wolke oder zwischen Wolke und Boden.
Wieso hört man nach einem Blitz lauten Donner?
Bei einem Blitz können in Sekundenbruchteilen Temperaturen von bis zu 30 000 Grad Celsius entstehen. Die Luft erhitzt sich und dehnt sich explosionsartig aus. Je nach Entfernung hört man ein Grummeln oder lautes Krachen.
Da der Schall langsamer ist als das Licht, kann man aus dem Abstand von Blitz und Donner die Entfernung des Gewitters abschätzen. Vergehen drei Sekunden ist das Unwetter etwa einen Kilometer entfernt.
Warum sind Blitze so gefährlich?
Blitze können zwischen Wolken hin und her sausen, aber auch auf die Erde treffen. In Deutschland schlagen nach DWD-Angaben jährlich etwa zwei Millionen Blitze ein. Dabei können Stromstärken von bis zu 400 000 Ampère entstehen.
Wird ein Mensch vom Blitz getroffen, kann das zu einem Herzstillstand oder schweren Verbrennungen führen. Auch Gehirn und Nervensystem können vom Stromschlag Schaden nehmen.
Wie verhält man sich bei Blitzen richtig?
Gewitter übersteht man am besten im Auto oder in festen Gebäuden. Wer im Freien überrascht wird, sollte Bäume, Masten, Zäune oder Gewässer meiden.
Experten empfehlen, möglichst Mulden aufzusuchen und sich darin besonders klein zu machen, um wenig Angriffsfläche zu bieten. Die Füße sollten nahe beieinander stehen.
In geschlossenen Räumen sollte man sich zum Schutz vor einschlagenden Blitzen möglichst von Strom- und Wasserleitungen fernhalten.
Was genau passiert, wenn man vom Blitz getroffen wird?
Die Spannung am Körper steigt auf mehrere 100 000 Volt an. Es kommt zu Verbrennungen und Lähmungen, möglicherweise auch zum Herzstillstand. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, in denen Menschen das überleben. Spätfolgen wie Gedächtnisstörungen oder Augenschäden können aber zum Teil noch Jahre später auftreten.
Wie entsteht Hagel?
Voraussetzung für Hagel sind Gewitterwolken. Diese bilden sich, wenn zwischen der Luft direkt über dem Boden und der Atmosphäre ein großer Temperaturunterschied herrscht – also vor allem im Sommer, wenn die Sonne den Erdboden erwärmt.
Während wir unten schwitzen, herrschen in bis zu elf Kilometern Höhe eisige Minusgrade. Dadurch können sich innerhalb der Wolke starke Aufwinde bilden, die entscheidend für die Entstehung von Hagel sind.
Am warmen Erdboden verdampft Wasser, das in der kühlen Atmosphäre wieder kondensiert. Durch die herrschenden Aufwinde werden die Wassertröpfchen höher und höher getragen, bis sie zu Eiskristallen gefrieren. Das schwere Eisteilchen fällt durch die Schwerkraft hinab und wird durch die Aufwinde immer wieder nach oben geschleudert.
Wie groß werden Hagelkörner?
Schneidet man ein Hagelkorn auf, erkennt man die verschiedenen Eisschichten. Charakteristisch ist der schalenförmige Aufbau wie bei einer Zwiebel.
Wassertropfen gefrieren zu Eiskörnern. Diese werden durch die Auf- und Abwinde immer wieder hoch- und heruntergewirbelt. Dabei sammelt das Eiskorn weitere Wassertröpfchen aus der Luft auf, die an ihm festfrieren. So wird es immer größer und erhält die typische zwiebelförmige Struktur. Möglich ist allerdings auch, dass sich viele kleine Hagelkörner zu einem großen Ball vereinen.
Erst ab einem Durchmesser von 0,5 Zentimetern spricht man von Hagel. Darunter handelt es sich um Graupel. Bereits ab einem Durchmesser von 2 Zentimetern können Hagelkörner schwere Schäden verursachen. Je schwerer ein Hagelkorn ist, desto höher ist seine Fallgeschwindigkeit und seine Aufschlagsenergie.
Was ist der Unterschied zu Graupel?
Graupel entsteht, wenn Schneekristalle mit Wassertröpfchen in einer Wolke zusammentreffen. Anschließend verklumpen sie miteinander. Daher ist Graupel eher eine Art Minischneeball. Graupelkörner bilden sich, wenn kältere Luft in höheren Schichten eindringt, denn nur dann gefrieren die Wassertröpfchen.
In der Regel kommen Graupelschauer in den Wintermonaten bis in den April hinein vor. Besonders beim sogenannten Aprilwetter sind sie häufig zu beobachten. Bereits im April entwickeln sich auch die ersten Gewitter mit Hagel, so reichen sich in diesem Monat Wintergraupel und Sommerhagel die Hand. Ab Mitte April sind Hagelschauer oder Hagelgewitter über den Sommer wahrscheinlicher als Graupel.
