Rehaugen-Video
Was eine Stuttgarter Abgeordnete mit Schmutz-Vorwurf an Hagel zu tun hat
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Simone Fischer hat Fotomontage mit Manuel Hagel als Kinderschänder weitergeleitet. Aus Versehen, sagt sie.
© Bernd Weißbrod/dpa
Innenminister Thomas Strobl verschärft erneut den Ton gegenüber den Grünen.
Von Bärbel Krauß
Die Aufregung über den Shitstorm, den das von der grünen Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer gepostete Rehaugen-Video mit unangemessenen Anmerkungen des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel über eine Schülerin mit braunen Haaren und rehbraunen Augen verursacht hat, nimmt immer größere Dimensionen an. Hagel hat inzwischen öffentlich gemacht, dass er Morddrohungen erhalten hat. „Leider ja. Das ist für uns auch neu, auch als Familie“, sagte er zuerst in einem Berliner Podcast-Format. Inzwischen hat Hagel die Parteigremien ebenfalls darüber informiert.
Amtliche Warnung: Hide your Kids
Die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Simone Fischer (Grüne), die von 2021 bis 2025 Behindertenbeauftragte der Landesregierung war, hat einen Post auf ihrem Instagram-Kanal weiterverbreitet, der Hagel in die Nähe von Pädophilen rückt. Unter der Überschrift „Amtliche Warnung“ war ein Foto Hagels mit dem Text „Hide your Kids“ (Verstecke Deine Kinder) zu sehen.
Auf Anfrage erklärte Fischers Bundestagsbüro, dies sei kein eigener Post der Abgeordneten gewesen. Sie haben ihn lediglich weiter verbreitet. „In diesem Beitrag war ein Vorschaubild enthalten, das beim Abspielen nicht zu sehen ist“, so das Büro. Fischer habe den Post ohne Kenntnis der Fotomontage verbreitet. Als sie darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass das Foto Hagel als Pädophilen darstellt, sei der Re-Post „umgehend entfernt worden“. Eine aktuelle Stellungnahme zu dem Vorgang aus heutige Sicht wollte Fischer nicht abgeben.
Strobl fordert „Entgiftungskur“ bei den Grünen
In der Talkshow von Markus Lanz (Dienstag) hat Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Kritik an den Grünen weiter verschärft. Weil in der Kampagne gegen den CDU-Politiker Hagel im Netz in die Nähe von Pädophilen und Kinderschändern gebracht worden sei, „brauchen die Grünen eine Entgiftungskur“, forderte er.
Razavi: Özdemir muss zwei Parteien und zwei Fraktionen gewinnen
Strobl kritisierte, dass die Kampagne von den Grünen nicht gestoppt wurde. Nicht nur dass die Grünen-Abgeordnete Zoe Mayer Initiatorin des Posts war, sondern auch den Zeitpunkt der Veröffentlichung unmittelbar vor dem Fernsehtriell vor der Wahl geißelte Strobl scharf. „Die Kampagne ist der grünen Spitze entglitten.“ „Wenn ich gefragt wurde, habe ich gesagt: Teile das nicht“, sagte die Chefin der Bundes-Grünen Franziska Brantner bei Lanz. Mit den Posts habe die Grünen-Führung nichts zu tun gehabt. Das wischte Strobl beiseite. „Die Kretschmann-Grünen hätten so etwas nicht gemacht“, betonte er. Allerdings ließ er außer Acht, dass die Kretschmann-Grünen im Wahlkampf nahezu identisch mit den Özdemir-Grünen waren.
„Die Äußerungen von Manuel Hagel in diesem Video sind völlig daneben, das steht außer Frage“, sagte der neue SPD-Fraktionschef Sascha Binder. „Außer Frage steht aber auch, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung kein Zufall war.“
Die Grünen zeigen sich zur Anbahnung einer Koalition weiter gesprächsbereit. Man müsse schauen, dass man in den nächsten Tagen ein Gesprächsformat ins Leben rufe, so Fraktionschef Andreas Schwarz. „Die Wähler haben ganz klar bürgerliche Politik gewählt. Deshalb hat Cem Özdemir jetzt zwei Aufgaben: Er muss zwei Parteien und zwei Fraktionen dafür gewinnen“, hob Bauministerin Nicole Razavi hervor.
