Sommerwetter
Wie und wann muss man Katzen bei Hitze schützen?
Katzen mögen Wärme oft mehr als Menschen, doch bei großer Hitze brauchen sie kühle Rückzugsorte, ausreichend Wasser und sichere Möglichkeiten, der Sonne auszuweichen.
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Katzen und Hitze: Wann wird es den Samtpfoten zu heiß?
Von Katrin Jokic
Viele Katzen lieben Wärme. Sie liegen gern in der Sonne, rollen sich auf warmen Fensterbänken zusammen oder suchen gezielt Plätze auf, an denen es Menschen längst zu heiß wäre. Das ist zunächst nicht ungewöhnlich: Katzen haben ein anderes Wärmeempfinden als Menschen. Ihre sogenannte thermoneutrale Zone liegt deutlich höher als beim Menschen – ungefähr zwischen 30 und 38 Grad Celsius. In diesem Temperaturbereich muss der Körper vergleichsweise wenig zusätzliche Energie aufwenden, um die eigene Temperatur zu regulieren.
Trotzdem bedeutet das nicht, dass Hitze für Katzen harmlos ist. Auch Katzen können überhitzen, dehydrieren oder im schlimmsten Fall einen Hitzschlag erleiden. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn sie der Wärme nicht ausweichen können – etwa in aufgeheizten Wohnungen, Wintergärten, Autos, geschlossenen Balkonen oder schlecht belüfteten Dachgeschossräumen.
Bei welchen Temperaturen fühlen sich Katzen wohl?
Eine pauschale Wohlfühltemperatur gibt es nicht. Viele gesunde, erwachsene Katzen kommen mit warmem Wetter gut zurecht, solange sie selbst entscheiden können, ob sie in der Sonne liegen oder sich in den Schatten zurückziehen. Genau dieses Ausweichen ist entscheidend.
Während Menschen Innenräume oft bei 20 bis 24 Grad als angenehm empfinden, suchen Katzen häufig wärmere Plätze. Das erklärt, warum sie selbst im Sommer noch Sonnenflecken auf dem Boden nutzen. Wird es ihnen zu warm, wechseln sie normalerweise den Ort, trinken, bewegen sich weniger und ruhen mehr.
Problematisch wird Hitze, wenn diese Möglichkeiten fehlen. Eine Wohnung, die sich tagsüber stark aufheizt und nachts kaum abkühlt, kann für Katzen belastend werden. Besonders gefährdet sind sehr junge, alte, kranke oder übergewichtige Tiere sowie Katzen mit flacher Schnauze, etwa Perserkatzen. Auch Tiere mit Herz- oder Atemwegserkrankungen können Hitze schlechter vertragen.
Woran erkennt man, dass einer Katze zu heiß ist?
Katzen zeigen Überhitzung nicht immer so deutlich wie Hunde. Starkes Hecheln ist bei Katzen kein normales Alltagsverhalten und sollte ernst genommen werden.
Mögliche Warnzeichen sind:
- ungewöhnliche Unruhe oder starke Teilnahmslosigkeit
- Hecheln oder schnelle Atmung
- Speicheln
- Erbrechen oder Durchfall
- Schwäche, Taumeln oder Zusammenbrechen
- sehr warme Ohren oder Pfoten
- Rückzug an ungewöhnliche Orte
Bei solchen Symptomen sollte die Katze sofort an einen kühleren Ort gebracht und tierärztlicher Rat eingeholt werden. Ein Hitzschlag kann lebensbedrohlich werden. Betroffene Tiere sollten vorsichtig mit kühlem, aber nicht eiskaltem Wasser befeuchtet werden. Hierzu kann man die Katze vorsichtig kalt abduschen oder mit feuchten Handtüchern umwickeln. In jedem Fall sollte man schnellstmöglich eine Tierarztpraxis oder Tierklinik kontaktieren.
Was hilft Katzen bei Hitze in der Wohnung?
Am wichtigsten ist, dass die Katze mehrere Temperaturzonen zur Auswahl hat. Nicht jede Maßnahme muss technisch aufwendig sein. Oft helfen einfache Dinge:
- Räume abdunkeln: Vorhänge, Rollos oder Jalousien sollten tagsüber geschlossen bleiben, besonders auf der Sonnenseite. Gelüftet wird am besten früh morgens, spät abends oder nachts – aber nur an katzensicheren Fenstern. Gekippte Fenster sollten vermieden werden, da Katzen darin stecken bleiben und sich schwer verletzen können.
- Kühle Rückzugsorte schaffen: Fliesen im Bad, schattige Zimmer, ein Platz im Flur oder ein gut belüfteter Raum können für Katzen attraktiv sein. Türen sollten möglichst offen bleiben, damit die Katze ihren Aufenthaltsort selbst wählen kann.
- Frisches Wasser anbieten: Mehrere Wassernäpfe in der Wohnung erhöhen die Chance, dass die Katze trinkt. Manche Katzen trinken lieber aus breiten Keramik- oder Glasschalen, andere aus Trinkbrunnen. Nassfutter kann zusätzlich helfen, Flüssigkeit aufzunehmen.
- Ventilatoren vorsichtig einsetzen: Ein Ventilator kann die Luft bewegen, sollte aber nicht dauerhaft direkt auf die Katze gerichtet sein. Kabel müssen so liegen, dass die Katze sich nicht verletzen kann.
- Kühlmatten nur freiwillig anbieten: Kühlmatten oder feuchte Handtücher können helfen, sollten aber nie aufgezwungen werden. Viele Katzen meiden zu kalte oder ungewohnte Unterlagen.
- Nicht scheren: Das Fell schützt nicht nur vor Kälte, sondern auch teilweise vor Hitze und Sonne. Ein radikales Scheren ist in der Regel keine gute Idee, außer es gibt medizinische Gründe oder starke Verfilzungen. Bei Unsicherheit sollte eine Tierarztpraxis oder ein professioneller Groomer gefragt werden.
Was ist bei Freigängerkatzen wichtig?
Freigänger sollten bei großer Hitze jederzeit Zugang zu Schatten und Wasser haben. Ideal ist es, wenn sie selbst wieder ins Haus können. Besonders in der Mittagshitze ist es besser, wenn Katzen nicht in praller Sonne unterwegs sind. Gartenhäuser, Garagen, Gewächshäuser und Autos sollten kontrolliert werden, bevor sie geschlossen werden – Katzen können dort unbemerkt eingeschlossen werden, und die Temperaturen steigen schnell gefährlich an.
Auch Balkone können zur Falle werden, wenn sie stark aufheizen und keine schattigen Plätze bieten. Katzennetze, Markisen oder Sonnensegel können helfen. Wichtig ist aber, dass die Katze den Balkon verlassen kann, wenn es ihr zu warm wird.
Was sollte man bei Hitze vermeiden?
Gefährlich sind alle Situationen, in denen die Katze der Wärme nicht entkommen kann. Dazu gehören geschlossene Autos, Wintergärten, kleine schlecht belüftete Räume, Transportboxen in der Sonne oder längere Fahrten ohne Klimatisierung. Auch wildes Spielen zur heißesten Tageszeit sollte vermieden werden.
Eiswürfel im Trinkwasser sind nicht grundsätzlich verboten, werden aber von vielen Katzen nicht geschätzt. Besser ist frisches, kühles Wasser. Futterreste sollten bei Hitze schneller entfernt werden, weil Nassfutter rascher verdirbt und Fliegen anzieht.
Wann muss eine Katze zum Tierarzt?
Tierärztliche Hilfe ist nötig, wenn eine Katze hechelt, schwach wirkt, taumelt, kollabiert, erbricht, Durchfall bekommt oder nicht mehr normal reagiert. Auch wenn sich der Zustand nach dem Abkühlen scheinbar bessert, kann ein Hitzschlag innere Folgen haben. Deshalb sollte im Zweifel immer eine Praxis oder Tierklinik kontaktiert werden.
Fazit
Katzen mögen Wärme, brauchen bei Hitze aber Wahlmöglichkeiten. Solange sie Schatten, Wasser, kühle Rückzugsorte und Ruhe haben, kommen viele Tiere mit Sommertagen gut zurecht. Gefährlich wird Hitze vor allem dann, wenn Katzen eingeschlossen sind, nicht ausweichen können oder bereits gesundheitlich vorbelastet sind. Wer die Wohnung kühl hält, mehrere Wasserstellen anbietet und Warnzeichen ernst nimmt, kann das Risiko deutlich senken.
