Reifenwechsel
Wie viel Profil brauchen Sommer- und Ganzjahresreifen wirklich?
Der Frühling ist da – doch wie viel Profil brauchen Ihre Sommer- oder Ganzjahresreifen wirklich für eine sichere Fahrt? So funktioniert der Trick mit 1- und 2-Euro-Münze.
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Der Rand einer 2-Euro-Münze hilft bei der Einschätzung.
Von Michael Maier
Wenn die Temperaturen steigen und der Frühling Einzug hält, ist es für viele Autofahrer wieder Zeit für den Wechsel auf Sommerreifen. Andere wiederum setzen auf die praktische Alternative der Ganzjahresreifen.
Doch egal, mit welchem Gummi man unterwegs ist: Bevor die große Fahrt in den Sommerurlaub ansteht, sollte man einen genauen Blick auf die Reifen werfen. Die wichtigste Frage dabei: Reicht die Profiltiefe noch aus?
Laut der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) gilt in Deutschland und weiten Teilen Europas eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Wer mit weniger Profil erwischt wird, riskiert nicht nur ein Bußgeld und Punkte in Flensburg, sondern verliert unter Umständen auch seinen Versicherungsschutz bei einem Unfall.
Gesetz definiert 1,6 mm für Sommerreifen
Doch Vorsicht: Das Gesetz definiert hier wirklich nur das absolute Minimum. Sicherheitsexperten und Automobilclubs wie der ADAC warnen ausdrücklich davor, die Reifen bis zu dieser Grenze abzufahren. Die klare Empfehlung der Profis lautet: Sommerreifen sollten mindestens 3 Millimeter Profil aufweisen.
Warum sind 3 Millimeter so wichtig?
Das Reifenprofil funktioniert wie ein Drainagesystem. Bei Regen muss es das Wasser auf der Straße schnell und effizient ableiten. Ist das Profil zu flach, kann das Wasser nicht mehr verdrängt werden und es bildet sich ein Wasserkeil unter dem Reifen.
Das Auto verliert den Kontakt zur Fahrbahn und lässt sich nicht mehr lenken oder bremsen. Dieses lebensgefährliche Aquaplaning tritt bei abgefahrenen Reifen deutlich früher auf. Zudem verlängert sich der Bremsweg auf nasser Strecke drastisch, je weniger Profil vorhanden ist.
Was ist mit dem Profil von Ganzjahresreifen (Allwetterreifen)?
Immer mehr Autofahrer sparen sich den halbjährlichen Wechsel und setzen auf Ganzjahresreifen. Da diese Reifen jedoch auch im Winter bei Schnee und Eis funktionieren müssen, gelten hier andere Empfehlungen.
Gesetzlich liegt die Grenze zwar auch hier bei 1,6 Millimetern, aber für Ganzjahresreifen gilt die Winterreifen-Empfehlung der Experten: Mindestens 4 Millimeter Profiltiefe sollten es sein. Fällt das Profil unter diese 4-Millimeter-Marke, verlieren die Reifen weitgehend ihre Wintertauglichkeit, da die feinen Lamellen im Profil nicht mehr genug Grip auf Schnee und Matsch aufbauen können.
Ganzjahresreifen im Sommer abfahren
Tipp für Ganzjahresreifen-Fahrer: Wenn Ihre Allwetterreifen im Frühjahr nur noch knapp 3 bis 4 Millimeter Profil haben, können Sie diese theoretisch noch über den Sommer „aufbrauchen“ (da für Sommerbedingungen 3 mm empfohlen werden). Spätestens vor dem nächsten Wintereinbruch müssen dann aber zwingend neue Reifen her! Achten Sie zudem darauf, dass Ihre Ganzjahresreifen das Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke, „3PMSF“) tragen, da das alte M+S-Symbol seit Oktober 2024 bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr ausreicht.
Euro-Münzen für das Reifenprofil
Sie haben keinen professionellen Profiltiefenmesser zur Hand? Kein Problem! Mit einem simplen Trick können Sie in Sekundenschnelle prüfen, ob Ihre Reifen noch fit sind:
- Für Sommerreifen (1-Euro-Münze): Stecken Sie die Münze in die großen Profilrillen in der Mitte des Reifens. Der goldene Außenrand der 1-Euro-Münze ist exakt 3 Millimeter breit. Verschwindet der Rand komplett, ist alles im grünen Bereich. Schaut er heraus, wird es Zeit für neue Sommerreifen.
- Für Ganzjahresreifen: Hier nehmen Sie eine 2-Euro-Münze. Deren silberner Rand ist genau 4 Millimeter breit. Verschwindet der silberne Rand im Profil, ist der Reifen noch voll wintertauglich.
Sparen Sie beim Thema Reifen nicht an der falschen Stelle. Die vier handflächengroßen Auflageflächen der Reifen sind der einzige Kontakt Ihres Autos zur Straße. Prüfen Sie das Profil regelmäßig und wechseln Sie rechtzeitig – für Ihre eigene Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer.
