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Zigtausend Unterschriften für Rockfabrik

Mietvertrag für legendäre Disco in Ludwigsburg wird wohl nicht mehr verlängert – Fans kämpfen mit Petition für Fortsetzung

Die Rockfabrik in Ludwigsburg muss schließen. Die Macher des deutschlandweit bekannten Clubs bekommen nach 36 Jahren Mietzahlungen den Vertrag wohl doch nicht verlängert. Die Fans wollen das Ende noch abwenden.

Geht das Licht bald aus? Der Mietvertrag für diesen Club in der Ludwigsburger Weststadt wird wohl auslaufen. Foto: factum/Archiv

© factum/Bach

Geht das Licht bald aus? Der Mietvertrag für diesen Club in der Ludwigsburger Weststadt wird wohl auslaufen. Foto: factum/Archiv

Von Tim Höhn

LUDWIGSBURG. Kann die Rockfabrik (Rofa) in Ludwigsburg noch gerettet werden? Ihre Fans wollen nichts unversucht lassen. Aus diesem Kreis heraus ist eine Online-Petition gestartet worden, die sich an den Vermieter des Clubs richtet und bereits bis Sonntagabend von mehr als 18000 Menschen unterzeichnet wurde.

Zuvor hatten die Rofa-Chefs in einem öffentlichen Hilferuf mitgeteilt, dass Deutschlands bekannteste Rockdisco „ernsthaft in ihrer Existenz bedroht ist“. Der Grund ist, dass der Ende 2019 auslaufende Mietvertrag für den Club in der Ludwigsburger Weststadt immer noch nicht verlängert wurde.

Bisher habe der Immobilieneigentümer, die Max-Maier-Immobiliengesellschaft, keine Bereitschaft dazu signalisiert, heißt es in der Mitteilung. Inzwischen hat Maier die Rockfabrik offenbar sogar aufgefordert, das Gebäude demnächst zu räumen. Die Nachricht kommt für die Rofa-Macher unerwartet, weil der Vermieter noch vor zwei Monaten sehr wohl Interesse an einer Vertragsverlängerung zeigte. Im April hat Andreas Naumann, der als Immobilienmanager für Maier arbeitet, versichert, man habe „keine Ambitionen, das Gebäude anderweitig zu verwenden oder anderweitig zu vermieten“. Auch ein Abriss stehe nicht zur Diskussion. Es gehe also nur noch darum, Konditionen für eine Vertragsverlängerung auszuhandeln.

Auf anfängliche Zuversicht folgte das Schreiben vom Anwalt

Immer wieder gab es jedoch Gerüchte, Maier plane auf dem Areal einen Neubau. Der schwerreiche Unternehmer hat in der Weststadt viele alte Industriegebäude aufgekauft, die Eventlocation Urban Harbour und das supermoderne Werkzentrum West hochgezogen, in das sich unter anderem Porsche und Bosch eingemietet haben. Die Rofa wirkt dort wie ein Fremdkörper. Das Gebäude, ebenfalls eine alte Industriehalle, ist in die Jahre gekommen. Was gleichzeitig bedeutet, dass Maier die Immobilie wohl nicht ohne Weiteres anderweitig vermieten kann. Aus diesem Grund schien im April, nach Naumanns Aussagen, der Durchbruch nahe zu sein. Denn wenn Maier das Gebäude tatsächlich nicht abreißen will, bleibt ihm vorerst nur die Möglichkeit, den Vertrag mit der Rofa zu verlängern.

Das dachten jedenfalls alle. „Wir waren sehr zuversichtlich“, sagt Johannes Rossbacher, einer von drei Rofa-Geschäftsführern. Dann aber sei ein Schreiben von Max Maiers Anwaltskanzlei eingetroffen – mit dem unmissverständlichen Hinweis, dass der Mietvertrag Ende 2019 auslaufe und das Gebäude bis dahin zu übergeben sei. Außerdem habe Maier gefordert, dass die Immobilie in ihren ursprünglichen Zustand rückgebaut wird. Einen Grund, warum er nicht mehr über eine Vertragsverlängerung verhandeln will, habe Maier nicht genannt, sagt Rossbacher. „Wir versuchen seit einem Jahr, einen Termin bei ihm zu bekommen, was leider nicht möglich ist.“ Warum Maier das Gespräch verweigere, wisse er nicht. „Wir haben immerhin 36 Jahre pünktlich Miete gezahlt, und zwar keine kleinen Summen.“ Für eine Stellungnahme war Maier am Dienstag nicht zu erreichen – ebenso wenig wie Naumann, der den Rofa-Leuten so viel Hoffnung gemacht hatte. Was das Unternehmen plant, ist somit völlig unklar. Dass Maier sprunghaft und exzentrisch sein kann, ist in Ludwigsburg bekannt. Auch im Rathaus sähe man es gerne, wenn die Rofa weitermachen dürfte. Rümpften anfangs noch manche in Ludwigsburg die Nase angesichts lauter Rockfans, hat die Stadt längst erkannt, dass der Club ein Imagefaktor ist. Bekannt in ganz Deutschland, lockt er immer noch jede Woche Tausende Besucher.

Geht es weiter? „Ich bin immer Optimist“, sagt Rossbacher. Zwar werde die Zeit knapp, aber er werde weiter versuchen, mit Maier zu reden. Einen Umzug ziehe man noch nicht in Betracht – einerseits, weil es schwer wäre, eine passende Immobilie zu finden, „andererseits, weil wir in Ludwigsburg etabliert sind und niemand weiß, ob die Rofa an einem anderen Standort überhaupt funktionieren würde“. Sicher sei momentan nur eines: „Wir wollen bleiben und geben nicht auf.“

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Erstellt:
26. Juni 2019, 06:00 Uhr

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