Gaugisch rechnet ab

„Dann müssen wir uns nicht wundern“ – Sind wir noch eine Sportnation?

Ist Deutschland überhaupt noch eine Sportnation? Frauenhandball-Bundestrainer Markus Gaugisch stellt genau das infrage – und übt deutliche Kritik an Stellenwert, Strukturen und gesellschaftlicher Wertschätzung des Sports.

Frauenhandball-Bundestrainer Markus Gaugisch sieht die Situation des Sports in Deutschland kritisch.

© picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Frauenhandball-Bundestrainer Markus Gaugisch sieht die Situation des Sports in Deutschland kritisch.

Von Florian Huth

Markus Gaugisch stellt Deutschlands Selbstverständnis als Sportnation offen infrage. Der Frauenhandball-Bundestrainer äußerte sich deutlich zur gesellschaftlichen Bedeutung des Sports und zur strukturellen Entwicklung – insbesondere im Frauenbereich.

Markus Gaugisch stellt den Sport in Deutschland infrage

„Wir könnten uns sogar fragen, ob Deutschland überhaupt noch eine Sportnation ist“, sagte Gaugisch im Interview mit dem Mannheimer Morgen: „In Dänemark treiben 75 Prozent der Bevölkerung aktiv Sport, in Deutschland sind es 25 Prozent. Wenn ich dann noch sehe, wie die öffentlichen Sportstätten in Deutschland zugänglich sind, stimmt mich das nachdenklich.“

Gaugisch: "Wir haben viel zu strenge Restriktionen"

Gaugisch, der die DHB-Frauen im Dezember zu WM-Silber geführt hatte, sieht die Probleme nicht nur in fehlenden Hallenzeiten. „Nicht die Sporthallensituation, sondern schauen wir uns einfach die Schulhöfe mit einem Basketballkorb an. Da hängt nicht selten ein Schild: Ab 17.30 Uhr darf nicht mehr Basketball gespielt werden, weil sich Leute aus der Umgebung dadurch von spielenden Kindern gestört fühlen.

Wir haben viel zu strenge Restriktionen und müssen uns dann auch nicht wundern, wenn weniger Kinder Sport treiben. Wir titulieren uns gerne als Sportnation, aber den Sport wirklich leben - das machen wir in Deutschland nicht mehr. Deswegen sind wir auch keine richtige Sportnation mehr.“

Gaugisch vermisst die Anerkennung für den Sport

Grundsätzlich vermisst Gaugisch zudem gesellschaftliche Anerkennung für den Sport. „Als Profisportlerin oder Profisportler genießt man in Deutschland ganz sicher nicht die Wertschätzung wie in anderen Ländern“, sagte der DHB-Coach: „'Lern lieber was Gescheites', wird bei uns gerne gesagt.

Auch den Beruf Trainer gibt es nicht. Wenn ich irgendwo hingehe, wo man mich nicht kennt, und ich sage, dass ich als Handball-Trainer arbeite, dann fragen mich alle: 'Und was machst du sonst?' Das zeigt ganz gut, welchen Stellenwert der Sport in Deutschland einnimmt und wie es in der täglichen Praxis aussieht. Zwischen der Realität und dem, wie wir uns als Nation und Gesellschaft gerne sehen beim Thema Sport, gibt es eine große Lücke.“

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Erstellt:
25. Februar 2026, 09:54 Uhr

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