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Ein Sieg wäre nur ein winziger Anfang

Fußball-Drittligist Großaspach muss am Freitag in Köln gewinnen und eine Serie starten, um noch einmal Hoffnung zu schöpfen

In derselben Stadt, in der die SG Sonnenhof in der Vorsaison ein kleines Fußballwunder vollendete, will der Drittligist am Freitag ein großes Fußballwunder einläuten. Wieder ist Köln der Schauplatz, statt zur abgestiegenen Fortuna geht es zur aufgestiegenen Viktoria. Während am 18. Mai 2019 klar war, dass ein Sieg am letzten Spieltag definitiv die Rettung bedeutet, wäre es morgen (19 Uhr, Sportpark Höhenberg) allenfalls ein winziger Anfang. Um doch noch drinzubleiben, braucht Großaspach eine stolze Serie.

Sahen gegen Rostock lobenswerte Ansätze, aber auch noch kritikwürdige Aspekte: Markus Lang (links) und Joannis Koukoutrigas. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Sahen gegen Rostock lobenswerte Ansätze, aber auch noch kritikwürdige Aspekte: Markus Lang (links) und Joannis Koukoutrigas. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Der Blick zurück: Ein 1:2 beim designierten Zweitliga-Aufsteiger Karlsruhe am drittletzten Spieltag der vergangenen Runde und der Absturz auf den drittletzten Platz hatten den damaligen SG-Trainer Florian Schnorrenberg den Arbeitsplatz gekostet. U-19-Coach Markus Lang und Sportdirektor Joannis Koukoutrigas übernahmen als Duo und hievten Großaspach mit Siegen gegen Zwickau (5:2) und in Köln (2:0) auf den rettenden 15. Rang. Beim Finale in der Domstadt erzielten Dominik Pelivan und Dominik Martinovic die beiden umjubelten Tore, auf der Bank der abgestiegenen Fortuna saß ein gewisser Oliver Zapel.

Parallelen und Unterschiede: Wie im Mai 2019 hat der Verein einen Trainerwechsel hinter sich, abermals sprangen Lang und Koukoutrigas in die Bresche. Dieses Mal nach der Trennung von Oliver Zapel, dessen zweite Amtszeit im Fautenhau lediglich sechs Monate dauerte. Der Zeitpunkt ist aber ein völlig anderer, die Lage noch weitaus kritischer. Damals blieben zwar nur zwei Spiele, um das Blatt zu wenden, das rettende Ufer war aber auch nur einen Punkt entfernt. Nun waren es beim Amtsantritt noch 15 Partien, aber die erste davon ging mit dem 0:1 gegen Rostock schon verloren. Zudem beträgt der Rückstand auf den 16., der Mitte Mai den Ligaverbleib feiert, bereits zehn Zähler und die Schwaben sind sogar Vorletzter.

Die Trainerfrage: Problematisch ist auch, dass Lang und Koukoutrigas ihre Mission in der Vorsaison in Köln zu Ende bringen konnten, während die jetzige Partie in der Rhein-Metropole für dieses Duo in der aktuellen Konstellation vielleicht schon wieder die letzte ist. Spätestens bis 4. März muss in Aspach ein Trainer mit DFB-Fußballlehrerlizenz an Bord sein, das verlangen die Regularien zwingend. „Wir hatten bereits das eine oder andere Gespräch, aber es ist noch nichts Konkretes“, verrät SG-Vorstandsmitglied Michael Ferber und ergänzt: „Wir wollen nicht bis zum letzten Tag warten, sondern vielleicht schon vor dem Heimspiel gegen Halle am 29. Februar eine Lösung präsentieren.“ Abzuwarten bleibt, ob es wie angestrebt eine sein wird, in der Lang wie auch immer mitmischt.

Der morgige Kontrahent: Man mag es fast nicht glauben, weil aus den 16 Spielen seit 21. September 2019 selbst das Schlusslicht aus Jena mehr Punkte mitgenommen hat, aber: Es gibt einen Verein, dessen Ausbeute genauso miserabel ist wie die des Sonnenhofs – und zwar Viktoria Köln. Beide holten nur zehn Zähler, fürs Team aus der Domstadt war das 4:3 in Halle vor knapp drei Wochen der einzige Dreier in diesem Zeitraum. Warum es für den Neuling, der nach dem 3:0-Sieg im Hinspiel im Fautenhau den siebten und wenig später sogar den vierten Platz belegte, so rasant bergab ging, kann auch Timo Röttger nicht sagen. „Dafür bin ich zu weit weg“, sagt Aspachs Routinier, der im Juli 2015 vom damaligen Regionalligisten Viktoria Köln zum Drittligisten SG Sonnenhof wechselte. Ohnehin interessiert den 34-Jährigen nur sein aktueller Klub, und der ist am Freitag als Vorletzter beim Viertletzten beinahe zum Siegen verdammt. Das wird wohl auch Röttger bewusst sein, obwohl er von der letzten Chance, im Abstiegskampf doch noch einmal Hoffnung zu schöpfen, nichts wissen will. „Wir müssen auf die guten Ansätze im Spiel gegen Rostock aufbauen, alles raushauen und wollen mit aller Macht gewinnen“, sagt der Stürmer lediglich.

Die nächsten Spiele: Einen Erfolg in Köln vorausgesetzt, würde Großaspach zumindest einmal auf fünf Zähler an die Viktoria heranrücken und könnte nach Punkten zudem zu Münster aufschließen, falls die Preußen verlieren. Sollte allerdings nicht irgendein finanziell angeschlagener Drittligist Probleme mit der Lizenz kriegen, ist es für die SG nicht einmal genug, an diesen beiden Konkurrenten vorbeizuziehen. Sie müsste sich noch einen weiteren Klub schnappen, und spätestens das macht es zur Herkulesaufgabe. Chemnitz hat zehn Punkte mehr auf dem Konto, Magdeburg elf und Kaiserslautern sowie Zwickau bereits 13. Bedeutet: Ein Sieg am Freitag dürfte nur der Anfang einer imposanten Serie sein, die daheim gegen die ebenfalls krisengeschüttelten Hallenser, die zunächst noch an Trainer Torsten Ziegner festhalten, ausgebaut werden müsste. Danach folgen mit den Partien bei Bayern II und in Ingolstadt sowie zu Hause gegen Unterhaching die bayerischen Wochen, die nur vom Gastspiel in Chemnitz unterbrochen werden. Dazu noch das Heimspiel gegen Münster, und allerspätestens dann dürfte Ende März klar sein, ob es einen spannenden Saisonendspurt gibt oder ob die SG Sonnenhof abgeschlagen ist.

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Erstellt:
20. Februar 2020, 06:00 Uhr

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