Ein später Schock für Aspach
Fußball-Drittligist kassiert gegen Uerdingen in letzter Sekunde das 2:2 – Verärgerter Coach Zapel
Eigentlich hätten Großaspachs Drittliga-Fußballer mit ihrer Leistung gegen den KFC Uerdingen zufrieden sein können. Ein 2:2 gegen einen der Aufstiegsfavoriten ist okay. Bitter wird ein solcher Teilerfolg allerdings, wenn in letzter Sekunde zwei weitere Zähler durch die Finger flutschen, weil der Gegner den Ausgleich mit dem allerletzten Schuss erzielte.
© Alexander Becher
Erst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt: Julian Leist, der mit Großaspach gegen Uerdingen kurz vor dem ersten Heimsieg stand, in letzter Minute aber noch das 2:2 kassierte. Foto: A. Becher
Von Uwe Flegel
„Das war nicht unglücklich, das war dumm“, schimpfte Oliver Zapel. Den Ärger hatte sich seine Elf verdient, weil sie zehn Sekunden zu früh abgeschaltet hatte. Denn nachdem die Gastgeber in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 2:1 getroffen hatten, sahen die Schwaben bereits wie die Sieger aus. Ob das Tor nun Korbinian Burger gut geschrieben werden musste, oder vielleicht doch Julian Leists Haarspitzen im Spiel gewesen waren, juckte zu dem Zeitpunkt keinen SG-Fan. Drei Punkte gegen Uerdingen wären Grund für Riesenjubel gewesen. Nur 120 Sekunden später herrschte große Enttäuschung. Franck Evinas Geschoss in den Winkel hatte Aspach ins Herz getroffen. Kapitän Julian Leist sprach von „einem Nackenschlag“.
Dabei durften die Hausherren mit ihrer Leistung zufrieden sein. Und: Auch das Ergebnis war okay. Stimmungskiller für die SG Sonnenhof war der Zeitpunkt des Ausgleichs. Die dramatische Endphase des Duells zwischen dem sogenannten Dorfklub und dem Starensemble des russischen Millionärs Mikhail Ponomarev war nichts für schwache Nerven. Noch viel weniger für Aspacher Gemüter. „Ich habe das Gefühl, dass uns diese beiden verlorenen Punkte noch länger wehtun werden“, urteilte Oliver Zapel enttäuscht.
Auf der anderen Seite saß Uerdingens Trainer Heiko Vogel und war erleichtert, dass seine Elf dank der glänzenden Einzelleistung der 19-jährigen Bayern-Leihgabe Evina ihrem Schicksal noch entgangen war. „Ich bin immer noch etwas geflasht vom Ausgleichstor – unfassbar.“
Aspachs Coach wiederum verstand nicht, „wie man ausgerechnet dem torgefährlichsten Spieler des Gegners kurz vor Schluss nicht attackiert, sondern ihm lediglich Geleitschutz gewährt.“ Der 51-Jährige ärgert sich: „Das geht mir so was von gegen den Strich. Da waren wir einfach naiv und hatte die Kontrolle verloren.“ Eine Ordnung, mit der die Hausherren den Favoriten vor allen Dingen in der ersten Halbzeit ordentlich in Bedrängnis gebracht hatten. Das Einzige, was zur Pause nicht gepasst hatte, war das Ergebnis. Statt mit einem oder gar zwei Toren vorne zu liegen, mussten sich die Schwaben mit einem 1:1 zufriedengeben.
Vorne fehlt etwas Effektivität, hinten ist Großaspach zweimal viel zu großzügig
Vielleicht trug auch das seinen Teil zu Zapels Ärger bei. Denn der 1:0-Führung des ehemaligen DFB-Pokalsiegers aus Krefeld war ein dicker Patzer von Dan-Patrick Poggenberg vorausgegangen, der dann beim Rettungsversuch im eigenen Strafraum gegen Evina seinen Fehler zu ungestüm wieder gutmachen wollte. Ergebnis war ein Foul und ein Elfmeter.
Positiv war, dass die Gastgeber deshalb nicht aus dem Konzept kamen und mit dem 1:1 von Julian Leist – ebenfalls auf Vorlage von Burger – sofort eine Antwort lieferten. Gut auch, dass die SG Sonnenhof nach dem Ausgleich nicht nachließ, die Gäste weiterhin bearbeitete und in Probleme brachte. Wie erwähnt: Nur die Effektivität hätte besser sein können. Zumal die Schwaben erneut nicht gerade vom Schiedsrichterglück begünstigt waren. Die Tätlichkeit von Kevin Großkreutz kurz vor der Halbzeit an Dimitriy Imbongo abseits des Balls entging Robert Hartmann schlichtweg und beim Handspiel von Großkreutz nach dem Burger-Kopfball nur wenig später, fehlte es dem Erstligareferee offenbar ein wenig an Mut. Oliver Zapel wollte beide Szenen zunächst nicht groß ansprechen, tat es nach der Pressekonferenz dann aber doch noch: „Langsam ist es ein Skandal, dass bei uns in jedem Spiel so klare Sachen nicht gepfiffen werden.“ Sein Team sei erneut benachteiligt worden. Wobei zur Wahrheit auch gehört, dass Robert Hartmann ansonsten einen guten Job machte.
Das gelang den Hausherren wiederum in der zweiten Halbzeit für einige Zeit nur noch in der Defensive. Nach vorne ging in der ersten halben Stunde nach der Pause bei Aspach dagegen nicht mehr viel. Weil die Schwaben aber auf der anderen Seite recht aufmerksam waren und dem KFC wenig genehmigten, plätscherte die Partie vor sich dahin. Vielleicht auch, weil der eine oder andere Fußballer am Ende der englischen Woche ein wenig müde wurde, wie beide Trainer anmerkten.
Eine Viertelstunde vor Schluss wurde die SG allerdings wieder munterer. „Wir haben immer an uns geglaubt“, freute sich Trainer Oliver Zapel darüber und wäre richtig glücklich gewesen, wenn direkt nach dem Lucky Punch der SG in der Nachspielzeit Schluss gewesen wäre. Doch einen Pfeil hatten die Gäste dann eben auch noch im Köcher.
