Eine Regel sorgt für viele Gedankenspiele

Wegen der U-23-Quote des DFB können Aspach und die anderen Drittligisten nicht immer die 18 besten Fußballer nominieren

„Du musst dir genau überlegen, wen du mitnimmst.“ Ein Satz, den Oliver Zapel diese Saison bisher nicht nur einmal von sich gab. Worte, mit denen der Coach der Drittliga-Fußballer auf die U-23-Regel anspielte. Denn die besagt, dass auch morgen beim Gastspiel in Rostock vier von 18 Großaspacher Spielern noch keine 23 Jahre alt sein dürfen und für den DFB spielberechtigt sein müssen.

Eric Hottmann (beim Kopfball) und Jonas Behounek (rechts) stehen in Aspach bei Torwart Max Reule und in Sachen U-23-Regel besonders im Blick. Der 19- und der 21-Jährige helfen, dass bei jedem Drittligaspiel wie vom DFB gefordert vier von 18 SG-Akteuren noch unter 23 Jahren sind. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Eric Hottmann (beim Kopfball) und Jonas Behounek (rechts) stehen in Aspach bei Torwart Max Reule und in Sachen U-23-Regel besonders im Blick. Der 19- und der 21-Jährige helfen, dass bei jedem Drittligaspiel wie vom DFB gefordert vier von 18 SG-Akteuren noch unter 23 Jahren sind. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Luxusproblem“, nennt Oliver Zapel die Situation, wenn ihm alle 22 Feldspieler und die drei Torhüter zur Verfügung stehen. Schließlich darf der 51-Jährige an jedem Spieltag nur 18 Fußballer nominieren. Das reicht dicke, angesichts dessen, dass pro Partie nur 14 Akteure spielen dürfen. Was die Sache ein wenig kompliziert, das ist der Fakt, dass dabei die Anzahl U-23-Spieler beachtet werden muss. Vier müssen es sein, die den deutschen Pass besitzen und außerdem für den DFB spielberechtigt sind.

Hört sich einfach an, ist es allerdings nicht immer, wie zum Beispiel Großaspach zum Saisonauftakt beim MSV Duisburg merkte. Da stand der 22-jährige Deutsch-Kroate Dominik Martinovic als einer dieser vier U-23-Akteure im SG-Aufgebot. Eigentlich kein Problem, besitzt der gebürtige Stuttgarter doch die deutsche Staatsbürgerschaft und erzielte im DFB-Trikot in der U 15 und U 16 in sechs Spielen immerhin sieben Tore. Mit 19 war der ehemalige Nachwuchskicker des VfB Stuttgart und des FC Bayern München jedoch dreimal für Kroatien am Ball. Seitdem fehlt Martinovic die Spielberechtigung für den DFB. Damit wiederum zählt er für Aspach nicht als U-23-Spieler. In Duisburg bedeutete das, dass der 21-jährige Niklas Sommer nachreisen musste, um die Quote zu erfüllen. Was wiederum schlecht für Jamil Dem war, denn die SG hatte unter den nun 19 Fußballern einen Defensivmann zu viel an Bord. Dem wurde gestrichen.

Denn, wenn Oliver Zapel seinen Kader nominiert, dann müssen er und sein Trainerstab auch im Auge haben, dass die 14 älteren zu den vier jungen Fußballern passen: „Schließlich hilft es ja nichts, wenn ich einen Verteidiger auf die Bank mitnehme, weil er sich das mit guten Leistungen verdient hat, und ich benötige eigentlich noch einen Stürmer.“ Deshalb muss der Coach der Fautenhau-Elf bei den Ü-23-Spielern genau hinschauen, da er bei den Jüngeren nicht die ganz große Auswahl hat. Neben Sommer und Torwart Constantin Frommann erfüllen nur noch Rechtsverteidiger Jonas Behounek sowie die Offensivakteure Eric Hottmann, Onur Ünlücifci und Jonas Meiser, der noch nicht richtig fit ist, die Anforderungen. Für vier U-23-Plätze hat die SG damit derzeit eigentlich nur fünf Spieler.

Sportdirektor Joannis Koukoutrigas kennt die Situation. Er schaut sich schon länger nach zusätzlichen Akteuren um, die das Problem abmildern. Momentan sei die Lage einfach etwas extremer, als in den vergangenen Jahren. Er sagt aber auch: „Einen jungen Spieler zu holen, nur damit die Quote erfüllt ist, bringt uns nicht weiter. Die Qualität muss schon passen.“ Den Kader mit Akteuren aufblähen, die keine Chance auf einen Einsatz haben, das machen sparsame Schwaben nicht. Da nimmt die SG lieber einen Akteur aus der eigenen U 19 und setzt den als Lückenfüller auf die Bank.

Zumal sich Koukoutrigas sich sicher ist: „Wenn bei uns allen jungen Spieler fit sind, dann haben wir mit der Regelung keine Schwierigkeiten.“ Momentan ist es eben etwas enger, weil Jonas Meiser nach seiner Knieverletzung im Aufbautraining steckt. Und, daran erinnert der Sportdirektor ebenfalls, dass die momentane Situation ja vor allem schwierig für die älteren sowie die ausländischen Spieler sei. Die fänden sich aufgrund der Regelung manchmal auf der Tribüne wieder, obwohl sie kurz zuvor noch ein Thema für die Startelf waren. Wer nur 16 Plätze an Feldspieler zu vergeben hat, der muss halt gut darüber nachdenken, ob er davon gleich vier an Innenverteidiger vergibt, von denen keiner mehr unter 23 Jahren sind. Oliver Zapel jedenfalls weiß nur zu genau: „Du musst dir schon genau überlegen, wen du mitnimmst.“

Hintergrund

Die U-23-Regel besagt, dass erste Mannschaften in jeder Drittliga-Partie mindestens vier Akteure auf dem Spielberichtsbogen haben müssen, die für eine DFB-Auswahl spielberechtigt sind und am 1. Juli der jeweiligen Saison das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Zweitvertretungen von Bundesligisten dürfen dagegen pro Spiel nur maximal drei Akteure gleichzeitig einsetzen, die 23 Jahre alt oder älter sind.

Bei Aspach sind Eric Hottmann (19), Jonas Meiser (20), Constantin Frommann, Jonas Behounek, Niklas Sommer (alle 21) und Onur Unlücifci (22) solche U-23-Spieler. Jung genug sind auch Orrin McKinze Gaines (21) und Dominik Martinovic (22). Ersterer ist aber US-Amerikaner und Zweitgenannter war für Kroatien am Ball.

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Erstellt:
16. August 2019, 06:00 Uhr

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