Gute Gründe für eine knappe Niederlage

Fußball-Regionalligist Großaspach verliert das erste Testspiel beim SGV Freiberg mit 0:1, trotzdem ist der neue Trainer Steffen Weiß „recht zufrieden“. Dafür, dass der SG-Kader noch einer Großbaustelle gleicht, ist die Leistung beim starken Oberligisten in Ordnung.

Für ein Testspiel ging es ganz gut zur Sache, nicht nur in diesem Duell zwischen Christian Mauersberger (links) und Andrew Owusu. Foto: Avanti/R. Poller

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Für ein Testspiel ging es ganz gut zur Sache, nicht nur in diesem Duell zwischen Christian Mauersberger (links) und Andrew Owusu. Foto: Avanti/R. Poller

Von Steffen Grün

Mit Sicherheit kassierte die SG Sonnenhof in Freiberg schon Niederlagen, die weitaus mehr wehtaten als das 0:1 durch ein spätes Tor in diesem Testspiel. Erinnert sei allen voran an die fast traditionellen Pokalpleiten, die sich die Aspacher am Neckar einhandeln. Als Drittligist gab es 2014 ein 0:1 im Viertelfinale und 2016 ein 0:4 nach Verlängerung im Achtelfinale. Wenige Wochen nach dem Abstieg in die Regionalliga ging im vergangenen August das Drittrundenduell mit 1:2 verloren. Partien, die wie die Punktspiele zu gemeinsamen Landes- und Oberliga-Zeiten für eine gesunde Rivalität zwischen beiden Vereinen sorgten, die auch im Vorbereitungsspiel spürbar war.

Insofern drängt sich die Frage auf, ob es eine glückliche Idee der SG-Verantwortlichen war, für den ersten Auftritt nach der enttäuschenden Vorsaison und die Premiere des neuen Trainers Steffen Weiß ausgerechnet Freiberg auszuwählen. Einen starken Kontrahenten, der in der Oberliga neben den Stuttgarter Kickers der Topfavorit ist. Einen Rivalen, der zweit- und drittligaerfahrene Akteure wie Marco Grüttner oder Michael Klauß in den Reihen hat und mit weiteren Topspielern gespickt ist. Ein Team, das unter Trainer Evangelos Sbonias bereits seit rund vier Wochen trainiert, schon vier Tests hinter sich hat und damit wesentlich weiter ist als die Aspacher, für die das Spiel nach nur drei Trainingseinheiten eigentlich deutlich zu früh kam.

Vielleicht hätte sich ein Duell mit einem Landes- oder Bezirksligisten besser für einen lockeren Aufgalopp geeignet, räumte Joannis Koukoutrigas ein. Der SG-Sportdirektor betrachtete die Partie in Freiberg andererseits aber als „gute Messlatte“ und zog nach 90 Minuten ein ganz zufriedenes Fazit: „Das war okay.“ Unter den aktuellen Umständen könne man in Freiberg mit 0:1 verlieren, nahm der 46-Jährige die Mannschaft in Schutz: „Bei uns haben sehr viele Spieler auf Positionen gespielt, auf denen sie einfach nicht zu Hause sind.“ Vor allem galt das für die Viererabwehrkette, sowohl für die Innen- als auch für die Außenverteidiger. Ohne Kai Gehring, der nach der Zweitimpfung passen musste, ohne Julian Leist, dessen Wechselwunsch zu den Stuttgarter Kickers wohl nur noch an der Ablösesumme hängt, und ohne Mohamed Diakite, der nach seiner Knieoperation die Reha absolviert, wurden Spieler wie Mittelfeldregisseur Joel Gerezgiher oder Stürmer Flavio Santoro nach hinten gezogen.

Steffen Weiß mahnt aggressiveres Pressing und Mut im Abschluss an.

Seiner zusammengewürfelten Defensive stellte der Coach ein respektables Zeugnis aus. „Sie haben es ordentlich gemacht, wir haben relativ wenig zugelassen“, analysierte Steffen Weiß. Der 32-Jährige war insgesamt „recht zufrieden: Es haben schon viele Abläufe gestimmt. Vieles von dem, was wir trainiert haben, habe ich gesehen.“ Es gab aber auch Aspekte, die dem Nordlicht aus Bad Fallingbostel in dem von ihm vorgegebenen 4-1-4-1 noch nicht gefielen. Unter anderem das Pressing, von dem von ihm verlangten „harten, scharfen Anlaufen“ war noch zu wenig zu sehen. Auch die letzten Pässe müssten noch besser gespielt werden, beim Abschluss mahnt Weiß mehr Konsequenz an: „Nicht noch ein Pass und noch ein Pass, sondern gerne auch mal aus 13, 16, 18 Metern einfach ins Tor hauen.“

Zwei Treffer hätte seine Truppe erzielen müssen, rechnete Großaspachs neuer Trainer vor. Er dachte dabei wohl vor allem an die Situation in der 33. Minute, als Probespieler Jabez Makanda allein auf Freibergs Kasten zusteuerte und mit sauberen Mitteln, aber trotzdem auf unsanfte Weise gebremst wurde. Der 19-jährige Mittelstürmer, der zuletzt für Eintracht Frankfurt in der U-19-Bundesliga im Einsatz war, verletzte sich bei der Aktion und wurde kurz darauf ausgewechselt. Praktisch mit dem Pausenpfiff hätte die SG einen ihrer Konter sauberer ausspielen können. Sebastian Schiek kam aus zehn Metern gerade noch zum Schuss, scheiterte jedoch am Keeper. Kaltschnäuziger waren die Einheimischen, die in der 85. Minute das späte 1:0 machten. Nach einem langen Ball lupfte Dominik Salz die Kugel über den herauseilenden SG-Keeper David Nreca-Bisinger, der komplett durchspielen durfte, weil Rückkehrer Maximilian Reule mit einer Zerrung in beiden Oberschenkeln ausfiel. Der Referee wertete das gestreckte Bein des Freiberger Angreifers als regelkonform.

Das war’s. Nun liegt es an Steffen Weiß und Joannis Koukoutrigas, die richtigen Schlüsse aus dem ersten Testspiel zu ziehen – vor allem, was die Zukunft der Probespieler und damit die Kaderplanung angeht. Fabian Messina (18, zuletzt Hoffenheim) habe es als alleiniger Sechser „ordentlich gemacht in der ersten Halbzeit“, lobte der Sportchef: „Er war sehr bemüht und hat probiert, das Spiel zu ordnen.“ Bei Bastian Fröhlich (21, zuletzt Schalke 04 II) ist zu beachten, dass der Rechtsverteidiger als Innenverteidiger aushelfen musste. Von der verletzungsbedingten Auswechslung wurde Jabez Makanda ausgebremst, in der zweiten Halbzeit stürmte David Hummel. „Er hat als alleinige Spitze viel gearbeitet“, attestierte Koukoutrigas. Personalentscheidungen sollen, „so schnell wie möglich“ fallen, kündigte der SG-Funktionär an, ohne sich treiben lassen zu wollen: „Wir werden uns alles bewusst überlegen und absprechen und nur das machen, von dem wir zu 100 Prozent überzeugt sind.“

SGV Freiberg: Rauhut – Velagic (71. Keklik), Celiktas (60. Zant), Hoffmann – Thermann (60. Klauß), Müller (71. Mistl), Ikpide (71. Kutlu), Mauersberger (60. Zinram), Nandzik – Grüttner, Berisha (60. Salz).

SG Sonnenhof Großaspach: Nreca-Bisinger – Gipson (80. Fröhlich), Fröhlich (46. Rahn), Sadler (46. Gerezgiher), Brändle (46. Santoro) – Messina (46. Meiser) – Schiek (46. Ivan), Jüllich (46. Karatas), Owusu (46. Widemann), Makanda (39. Lewerenz) – Ferdinand (46. Hummel).

Tor: 1:0 (85.) Salz. – Schiedsrichter: Kern (Stuttgart-Sillenbuch). – Zuschauer: 280.

Nächstes SG-Testspiel am kommenden Samstag in Pforzheim

Auch sein zweites Testspiel bestreitet Fußball-Regionalligist Großaspach bei einem Oberligisten. Nach dem 0:1 bei Titelanwärter SGV Freiberg geht es für die SG Sonnenhof am nächsten Samstag zu einem nicht ganz so hoch gehandelten Team: Im Stadion im Brötzinger Tal wird um 14 Uhr die Partie beim 1. CfR Pforzheim angepfiffen.

Am Samstag, 24. Juli, 15.30 Uhr will die SG Sonnenhof beim Landesligisten Schwäbisch Hall in die zweite WFV-Pokalrunde einziehen, ehe es tags darauf ins Trainingslager nach Miesbach geht. Dort soll am 28. Juli ein weiteres Vorbereitungsspiel steigen, der Gegner und der Spielort sind noch offen.

Das Weiterkommen vorausgesetzt, stehen nach der Rückkehr noch die zweite und die WFV-Pokalrunde an, bevor Großaspach vermutlich am Samstag, 14. August, bei 1899 Hoffenheim II in die Regionalliga-Saison startet. Bei einem etwaigen Ausscheiden würden wohl weitere Testspiele vereinbart.

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Erstellt:
12. Juli 2021, 06:00 Uhr

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