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Im Abstiegskampf hilft Hysterie nicht weiter

SG-Kenner Michael Reschke stellt klar, dass Profifußball in Aspach eine stetige Riesenleistung ist und nicht die Normalität sein kann

Enttäuscht und erstaunt. So wie Michael Reschke ging es am Montagabend im Fautenhau vielen Zuschauern. Das Großaspacher 0:6 gegen die Würzburger Kickers war ein Schlag in die Magengrube derjenigen, die’s mit dem schwäbischen Fußball-Drittligisten halten. Nie war die Gefahr des ersten Abstiegs in der SG-Geschichte größer. Das weiß auch der Technische Direktor des Bundesligasechsten Schalke 04 und warnt dennoch: Hysterie hilft nicht weiter.

Michael Reschke blickt mit Sorge auf die SG und mahnt zur Geschlossenheit. Für ihn ist jede Saison, in der Aspach die Dritte Liga hält, eine Riesenleistung und nicht die Normalität. Foto: Imago

© imago/Pressefoto Baumann

Michael Reschke blickt mit Sorge auf die SG und mahnt zur Geschlossenheit. Für ihn ist jede Saison, in der Aspach die Dritte Liga hält, eine Riesenleistung und nicht die Normalität. Foto: Imago

Von Uwe Flegel

Michael Reschke kennt das Fußballgeschäft aus dem Effeff. Er war erfolgreicher Jugendtrainer, Leiter der Nachwuchsabteilung und Manager bei Bayer Leverkusen, arbeitete danach in verantwortlicher Position bei Bayern München, dem VfB Stuttgart und ist nun auf Schalke. Trotzdem schaute und schaut der 62-Jährige immer mal wieder im Aspacher Fautenhau vorbei. So wie vorgestern. Was er da sah, das war eine Würzburger Leistung, „vor der man den Hut ziehen muss“. Von der ersten Minute an seien die Franken marschiert, hätten für einen Drittligisten einfach eine klasse Partie abgeliefert. Ein Urteil, das auf die Aspacher Vorstellung nicht zutrifft, „da gibt es nichts schönzureden.“ Das gilt auch für den Abstand von sieben Punkten auf einen Nichtabstiegsplatz. „Das ist eine Menge Holz“, weiß der Rheinländer, der sich nicht scheut, das Wort Abstieg in den Mund zu nehmen. Schließlich müsse doch jedem im Verein und in dessen Umfeld klar sein, dass der Abstieg jedes Jahr ein Thema sei.

Für ihn ist es eher erstaunlich, „wie es die SG dank der herausragenden Arbeit aller Verantwortlichen, der Trainer, der Spieler und der Anhänger geschafft hat, sich seit sechs Jahren in dieser Liga zu halten.“ Eine Arbeit und eine Leistung, die „bundesweit anerkannt wird und Aufmerksamkeit genießt“, erzählt der Technische Direktor des FC Schalke 04.

Schalkes Technischer Direktor


mahnt zu kühlem Kopf


und sachlicher Analyse



Selbstverständlich weiß der gebürtige Rheinländer, dass der Vorletzte im ersten Heimspiel nach der Winterpause bitter enttäuscht hat und die höchste Niederlage seiner Drittliga-Geschichte ausgerechnet in der Partie kassierte, die die Wende im Kampf um den Ligaverbleib hätte einläuten sollen. Für Michael Reschke steht jedoch ebenfalls fest: „Das Umfeld darf nicht hysterisch werden“, wenn der Nichtabstieg irgendwie noch gelingen soll. Er macht klar: „Wichtig sind jetzt zwei Dinge: die Analyse dieses Spiels und dann das Gesamtbild dieses Klubs.“ Ersteres ist Aufgabe der sportlichen Leitung um Ioannis Koukoutrigas sowie des neuen Trainerduos Mike Sadlo und Heiner Backhaus. Zweiteres wiederum sieht der erfahrene Fußball-Fachmann als Herausforderung für den Verein und seine Fans an: „Sollte es wirklich in die Regionalliga gehen, dann muss man alles tun, um die Geschlossenheit zu wahren. Die ist doch das, was diesen Verein so stark und so sympathisch macht.“

Aussagen sind es, die spüren lassen, dass der Mann aus der Eliteklasse des deutschen Fußballs Anteil nimmt, an dem, was im kleinen Aspach läuft. Selbst als Außenstehender hat ihn deshalb durchaus getroffen, was er miterlebte. Auf dem Platz und in den teilweise heftigen Reaktionen nach der Pleite. Sein Tipp und Wunsch: Augenmaß beweisen. Der 62-Jährige hat den nötigen Abstand, um die Dinge realistisch einzuschätzen. Er kennt die Möglichkeiten und die Philosophie der SG ebenso wie die der anderen Drittligisten. Deshalb sagt er mit großer Überzeugung: „Bei der SG Sonnenhof muss jedem klar sein, dass jedes Jahr in der Dritten Liga ein gewonnenes Jahr ist.“ Sechs Runden sind es mittlerweile geworden. Michael Reschke sieht es als Grund an, stolz darauf zu sein. Sich vor lauter Abstiegsangst gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben und von der Misere auseinanderdividieren zu lassen, ist für ihn keine Lösung. Vor allem mit Blick auf die Zukunft des Vereins. Egal, ob die in ab dem Sommer nun in der Regional- oder gar doch noch weiterhin in der Dritten Liga liegt.

Kommentar
Leidenschaft, die gelebt sein will

Von Uwe Flegel

„Leidenschaft hat einen Namen – Dorfklub!“ Das Motto des Vereins aus der kleinsten Gemeinde im deutschen Profifußball muss denjenigen fast wie Hohn erscheinen, die Augenzeuge der Aspacher Partie gegen Würzburg waren. Gelähmt, mutlos und zweikampfschwach präsentierte sich die SG in dem Duell, das für den Vorletzten die Wende zum Besseren hätte werden sollen. Wurde es bekanntermaßen nicht. Stattdessen steckt die Elf aus dem Fautenhau tiefer als je zuvor im Abstiegssumpf. Nicht schön, aber kein Grund, die Realität aus den Augen zu verlieren. Und die lautet, dass die Dritte Liga für Großaspacher Verhältnisse das ist, was eine Erste Bundesliga für Klubs wie Darmstadt war und derzeit gerade für Paderborn oder Union Berlin bedeutet. Das sportlich Erreichte ist eine Herausforderung, die nur zu bewältigen ist, wenn alles optimal läuft. Funktioniert das nicht, dann wird es ganz, ganz eng. Profifußball wird und kann für einen Ort wie Aspach sowie einen Verein mit der Philosophie der Vernunft wie die SG Sonnenhof nie Normalität sein. Erst recht, da die Dritte Liga von Jahr zu Jahr stärker geworden ist. Deshalb ist es ganz gut, wenn ein Fachmann und Außenstehender wie Michael Reschke daran erinnert. Einerseits. Andererseits darf das keinen Spieler daran hindern, gegen den Abstieg mit einer Leidenschaft zu kämpfen, die der Dorfklub auch verdient hat.

u.flegel@bkz.de

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Erstellt:
5. Februar 2020, 06:00 Uhr

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