In Großaspach passt der Anspruch nicht zur Wirklichkeit

Nach dem Abstieg ist bei der SG Sonnenhof der Versuch, in der Regionalliga eine neue Mannschaft aufzubauen, im ersten Anlauf gescheitert. Nun steht für die Verantwortlichen im Fautenhau der Umbruch nach dem Umbruch an.

Der Gegner jubelt, Großaspachs Fußballern bleibt wieder einmal nur das Nachsehen. Nach dem Abstieg aus der Dritten Liga sind Jonas Meiser (rechts), Andrew Owusu und ihre Kollegen auch eine Spielklasse drunter oft nur Zuschauer, wenn Siege gefeiert werden. Der Versuch, eine neue und schlagkräftige junge Mannschaft aufzubauen, ist vorerst gründlich gescheitert. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Der Gegner jubelt, Großaspachs Fußballern bleibt wieder einmal nur das Nachsehen. Nach dem Abstieg aus der Dritten Liga sind Jonas Meiser (rechts), Andrew Owusu und ihre Kollegen auch eine Spielklasse drunter oft nur Zuschauer, wenn Siege gefeiert werden. Der Versuch, eine neue und schlagkräftige junge Mannschaft aufzubauen, ist vorerst gründlich gescheitert. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Es muss unser Anspruch sein, am Ende der Saison nicht unter den letzten sechs Teams zu sein.“ Ein Satz, der beim Fußball-Regionalligisten Großaspach fast schon gebetsmühlenartig wiederholt wurde. Die Wirklichkeit ist eine andere. Die SG Sonnenhof ist Viertletzter und seit vier Spielen ohne Punktgewinn. Dass die Schwaben den Ligaverbleib trotzdem fast sicher haben, verdanken sie allein der Reduzierung der Absteigerzahl von sechs auf zwei. Schon vor dem heutigen Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (Anpfiff 14 Uhr) steht fest, dass auf den Verein, der nach dem Drittliga-Abstieg eine Spielklasse tiefer eine junge und schlagkräftige Elf neu aufbauen wollte, der Umbruch nach dem Umbruch wartet.

Richten müssen das wohl dieselben, die in Sachen Personalplanung in jüngster Zeit selten mit einem glücklichen Händchen ausgestattet waren. Das liegt allein schon daran, dass die sogenannten handelnden Personen ihre Arbeit ehrenamtlich machen. Das gilt für Sportdirektor Joannis Koukoutrigas, den im Vorstand für den Sportbereich zuständigen Michael Ferber wie für die ganze Führung. Wer daran etwas ändern will, der braucht erst einmal andere, die sich ins Amt wählen lassen, oder viel Geld, damit ein Hauptamtlicher den Job erledigt.

Dabei ist es der SG seit nunmehr drei Jahren nicht mehr gelungen, einen Kader zusammenzustellen, der den Erwartungen der Fans genügt. In der Dritten Liga war dies ohnehin eine ständige Gratwanderung, war die Konkurrenz zum großen Teil finanziell doch deutlich besser gestellt. Eine Spielklasse tiefer gilt das nur noch bedingt. Zwar verfügt der Verein aus dem Fautenhau auch dort nicht über die Mittel von Klubs wie Elversberg und Steinbach Haiger oder wie die Ex-Bundesligisten SSV Ulm, Kickers Offenbach, FSV Frankfurt und FC Homburg, aber in die obere Tabellenhälfte gehören die Schwaben mit ihren Strukturen und Möglichkeiten in Liga vier schon.

Trotzdem hält die sportliche Misere an. Das liegt sicher auch an Verletzungspech und einer Saisonplanung, für die arg wenig Zeit blieb. Vor allem aber liegt sie an personellen Fehlentscheidungen. Koukoutrigas, dem es lange immer wieder gelungen ist, selbst die leistungsstärksten Abgänge mit jungen Akteuren oder Spielern, die aufs Abstellgleis geraten waren, auszugleichen, vollbrachte diese Kunststücke zuletzt nur noch selten. Einer wie der vom FC Bayern München II ausgeliehene Torjäger Marvin Cuni, war diese Runde eine Ausnahme. Offenbar fehlen seit dem Abgang von Rüdiger Rehm vor fast fünf Jahren zu oft die richtigen Partner auf der Trainerseite. Ein Przemyslaw Placheta, mittlerweile polnischer Nationalspieler und mit Norwich City in die englische Premier League aufgestiegen, kam bei Sascha Hildmann so gut wie nicht zum Zug. Im Jahr zuvor war Angreifer Pascal Breier kurz nach Saisonstart frustriert zum Regionalligisten VfB Stuttgart II geflüchtet, weil er mit Coach Oliver Zapel nicht konnte. Nun steht Breier mit Rostock vor dem Sprung in die zweite Liga. Nicht nur auf dem Platz müssen alle an einem Strang ziehen, damit es in die richtige Richtung geht.

In Großaspach scheint das nicht mehr der Fall sein. Zum Beispiel wenn der Aufsichtsrat einen Coach durchsetzt, mit dem der Sportdirektor eigentlich nicht mehr zusammen arbeiten will. So wie’s bei der Rückholaktion von Oliver Zapel geschehen sein soll. Auch vor dieser Saison war die Trainerpersonalie bekanntlich nicht unumstritten. Zwar hatte Hans-Jürgen Boysen in den letzten Drittliga-Monaten dem Team wieder Leben eingehaucht, doch eigentlich war zuvor Markus Lang öffentlich als Mann der Zukunft bezeichnet worden. Schließlich hatte er bei seinen Einsätzen als Interimscoach gezeigt, dass er es kann. Nur Langs fehlende Fußballlehrer-Lizenz stand in Liga drei bekanntlich immer zwischen ihm und dem Chefposten. Deshalb musste Boysen noch einmal einspringen und blieb nach dem Abstieg am Ruder. Mit der Folge, dass Lang im Herbst ging und den Oberligisten FSV 08 Bissingen übernahm. Mittlerweile ist nicht nur er weg, sondern auch Hans-Jürgen Boysen nicht mehr da.

Personelle Versäumnisse und kein gutes Zusammenspiel zwischen Trainer und Management

Hinzu kommen Versäumnisse in der Kaderplanung. So fehlt seit dem Wechsel von Kapitän Daniel Hägele zu den Würzburger Kickers im Sommer 2018 im Mittelfeld ein Stratege, der die Mannschaft in der richtigen Balance zwischen Offensive und Defensive hält. Ein Jamil Dem hätte diese Qualitäten gehabt, war aber zu oft verletzt. Routinier Nico Jüllich müht sich nach Kräften und ist diese Saison einer der Lichtblicke, hat aber andere Stärken. Dasselbe gilt für Joel Gerezgiher. Nun sind beide verletzt. Junge Akteure wie Vincent Sadler oder Andrew Owusu sollen es richten und sind der Aufgabe noch nicht gewachsen.

Gefragt sind in einer solchen Situation eigentlich erfahrene Kräfte wie Ex-Kapitän Julian Leist oder Kai Gehring, die nach dem Abstieg als Korsettstangen für den Neuaufbau geplant waren. Doch beide wurden von Saisonbeginn an in Frage gestellt. Warum aber wurde mit ihnen dann aber überhaupt verlängert? Ihre Stärken und Schwächen müssen nach sieben sowie acht Jahren in Aspach bekannt sein. Und: mit allen anderen Abwehrkonstellationen lief es nicht besser. Was auch an der oft schlechten Defensivarbeit in den Reihen davor liegt. Stimmt die, dann hält die SG mit allen Gegnern mit, wie der 3:1-Hinspielsieg gegen Ulm, das 2:0 beim VfB II und gar die 1:2-Niederlage gegen den Tabellenzweiten Elversberg zeigten. Passen Rückwärtsgang oder Abwehrleistung nicht, dann gibt’s ein 1:4 gegen den Drittletzten Schott Mainz, zweimal ein 0:4 gegen Steinbach oder ein 0:5 gegen Spitzenreiter SC Freiburg II. Alles Spiele, in denen Aspach nach einem Rückstand auseinanderfiel.

Sehr oft ist das ein Zeichen dafür, dass es mit der Zusammenstellung der Mannschaft, mit der Einheit im Team und auch im Verhältnis zu den Trainern nicht weit her ist. So wie diese Saison in Großaspach, wo sich deshalb niemand wundern sollten, dass Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinandergehen.

Kommentar
Am Totalschaden nur knapp vorbei

Von Uwe Flegel

Den sportlichen Totalschaden wird die SG Sonnenhof wohl entgehen. Mit dem Makel, dem Abstieg nur verhindert zu haben, weil Corona in den Ligen drunter eine reguläre Saison verhinderten, muss der Klub aus dem Fautenhau vermutlich leben. Die erste Runde nach dem Abstieg aus der Dritten Liga war für die SG jedenfalls ein verlorenes Jahr. Statt eine junge Mannschaft zu entwickeln, wird im Sommer im Kader ordentlich durchgefegt. Weg sind dann wahrscheinlich auch welche der 15 Profis, die für die neue Runde noch einen Vertrag haben. Immerhin sind mit Hans-Jürgen Boysen und Walter Thomae diese Saison gleich zwei erfahrene Trainer damit gescheitert, aus dieser Elf eine echte Einheit zu machen. Entweder weil die Spieler nicht können, oder nicht wollen. Beides spricht nicht für sie. Es spricht aber auch gegen die sportliche Leitung. Fehler werden in Aspach schon seit einiger Zeit nicht nur auf dem Platz gemacht. Auch weil es mit der großen Einigkeit innerhalb der Vereinsführung nicht mehr so weit her zu sein scheint. Deshalb ist es kein Wunder, dass die SG nur mit viel Glück am sportlichen Totalschaden vorbei schrammt.

u.flegel@bkz.de

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Erstellt:
15. Mai 2021, 06:00 Uhr

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