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Mit Überfallfußball zum Ligaverbleib

Aspachs neues Trainerduo Sadlo/Backhaus hat klare Vorstellungen, wie das Drittliga-Kellerkind noch über den Strich kommt

Rund zehn Jahre ist es her, da arbeiteten Mike Sadlo als Trainer und Heiner Backhaus als Mittelfeldspieler des Nordost-Oberligisten Lok Leipzig schon einmal zusammen. Nun stehen der 48- und der 37-Jährige gemeinsam an der Seitenlinie der SG Sonnenhof Großaspach. Ihre Aufgabe: den Drittligaabstieg der Fußballer aus dem Fautenhau verhindern.

Seit fast drei Wochen aufmerksame Beobachter und die Chefs an der Seitenlinie: Mike Sadlo (links) und Heiner Backhaus. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Seit fast drei Wochen aufmerksame Beobachter und die Chefs an der Seitenlinie: Mike Sadlo (links) und Heiner Backhaus. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Schwäbisch spricht weder der Thüringer Sadlo noch der aus dem Ruhrpott stammende Backhaus. Schwäbisch angehaucht ist aber sowohl der aus dem Vogtland stammende Fußballlehrer wie der gebürtige Wittener. Zumindest fußballerisch. „Ich bin sehr geprägt von Ralf Rangnick und Wolfgang Frank“, erklärt Backhaus. Als 19-Jähriger war er bei Hannover 96 ein Schützling Rangnicks, als der die Niedersachsen in die erste Liga führte. Vom Ex-VfB-Torjäger Wolfgang Frank wurde Backhaus vor gut 13 Jahren bei den Offenbacher Kickers geprägt. Gemeinsam mit dem Ex-Aspacher Rüdiger Rehm, der ebenfalls zum Kader des damaligen Zweitligisten aus Hessen zählte und Franks Worten lauschte. So wie Jahre zuvor in Mainz Jürgen Klopp. Der frisch gebackene Welttrainer bezeichnet den aus Schlierbach (bei Kirchheim unter Teck) stammenden Frank als seinen Lehrmeister. Zudem gibt es noch Mönchengladbachs Coach Marco Rose. Der gebürtige Leipziger hatte über weite Strecken seiner Spielerzeit entweder Rangnick oder Klopp als Coach. Hinzu kommt, so Backhaus: „Marco Rose ist ein guter Freund von mir und Mike Sadlo hat bei ihm als Trainer hospitiert.“

In der Defensive kompakt und aggressiv, nach vorne mit höchstem Tempo
Für Aspach heißt das, dass die Liga mit der Art von Fußball gehalten werden soll, für den Trainer wie Rangnick, Klopp, Rose und auch Rehm stehen. Hinten kompakt und aggressiv, nach vorne mit „Überfall- und Umschaltfußball“, so Sadlo und Backhaus. Ein Zugang wie Rückkehrer Matthias Morys (Austria Lustenau) sei für die SG auch deshalb wie ein Sechser im Lotto. Der 32-jährige Angreifer, der schon in der Saison 2011/2012 sowie 2015 im ersten Halbjahr für die SG am Ball war, ist ein Zugang, „der mentalitätsmäßig passt“, sind sich die neuen Trainer einig. Matthias Morys habe das verinnerlicht, was Backhaus und Sadlo von allen Beteiligten fordern: der Teamgedanke steht über allem.

Das fängt bei den beiden Chefs an. „Wir ergänzen uns sehr gut“, sagt Sadlo und erklärt: „Heiner ist eher der emotionale Typ, ich eher der analytische.“ Wobei beide darauf Wert legen, dass mit Rouven Sattelmaier zum Beispiel „ein sehr guter Torwarttrainer“ und mit Axel Mäder „ein super Athletiktrainer“ ebenfalls zum Stab zählen. Das Sagen haben letztendlich aber die zwei Neuen, „die sich austauschen und auf einen gemeinsamen Nenner kommen müssen“, erzählt Sadlo. Den einen Boss gibt es in Aspach zumindest vorläufig nicht mehr. Die Doppelspitze will und muss die Einheit vorleben, die sie von den Spielern einfordert.

Wobei Sadlo und Backhaus klare Vorstellungen haben, was auf dem Platz dafür zu tun ist. „Wir müssen den Meter mehr sprinten als unsere Gegner“, gibt es als Vorgabe. Die Trainer erwarten zudem, dass sich die Mannschaft künftig weniger darauf fokussiert, was der Gegner vorhat, sondern „wir unser Spiel spielen, unsere Stärken stärken.“ Heißt? „Wir müssen unsere schnellen Spieler ins Tempo bringen, unsere zweikampfstarken Jungs müssen in die Zweikämpfe und unsere technisch sowie spielerisch starken Spieler an den Ball kommen“, erklärt Backhaus. Das ernüchternde 0:4 in der Testpartie gegen Regionalliga-Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken ist für die beiden deshalb auch kein Maßstab. „Das war ein Test, wie es der Name schon sagt“, urteilt Sadlo und verspricht in Sachen Klassenverbleib: „Wir schaffen das. Die Mannschaft ist stark genug dafür.“ Wenigstens vier Punkte muss der Drittletzte in den noch anstehenden 18 Partien aufholen und in Sachen Torverhältnis zudem noch einiges gutmachen.

Vergangene Saison glückte die Rettung erst auf den allerletzten Metern. Timo Röttger war einer derjenigen, die großen Anteil daran hatten. Eine Aufgabe, auf die sich der 34-Jährige ab sofort voll und ganz konzentrieren kann. Den Job als spielender Co-Trainer ist er los und dafür „spielender Spieler“, sagt Sadlo schmunzelnd und fügt etwas ernster an: „Timo ist für uns als Spieler wichtig.“ Einer, dessen Meinung für die Trainer weiterhin von Bedeutung ist, der sich aber vor allem als Offensivkraft und Anführer auf dem Feld einbringen soll. Auch deshalb war für SG-Vorstandsmitglied Michael Ferber früh klar, „dass wir nach dem Abgang von Co-Trainer Zlatko Blaskic und der Trennung von Oliver Zapel unser Trainerteam um zwei Personen ergänzen müssen. Dabei sind wir von verschiedenen Personen unabhängig voneinander auf Mike und Heiner hingewiesen worden.“ Dass daraus die Doppelspitze Mike Sadlo/Heiner Backhaus wird, überraschte allerdings doch. Mike Sadlo ist das nicht entgangen: „Ich habe gelesen, dass die Lösung als mutig bezeichnet wurde, doch Mut ist genau das, was wir in der Situation brauchen“.

Info
Test gegen Aalen als Generalprobe für Kaiserslautern

In der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte steigt heute ab 14 Uhr Großaspachs einziges Testspiel auf heimischem Gelände. Zu Gast im Stadion im Fautenhau ist Regionalligist VfR Aalen. Die SG Sonnenhof weißt darauf hin, dass für die Zuschauer nur die Haupttribüne geöffnet wird.

Bislang hat die SG drei Testspiele absolviert. Im Trainingslager in der Türkei gab es ein 2:1 gegen den türkischen Zweitligisten Boluspor (Torschützen Matthias Morys, Kai Brünker), beim Regionalliga-Spitzenreiter Saarbrücken ein 0:4 und zuletzt beim Regionalligisten SSV Ulm ein 3:1 (zweimal Timo Röttger sowie Panagiotis Vlachodimos).

Der Vergleich mit dem ehemaligen Drittligisten von der Ostalb ist Aspachs Generalprobe für die Partie kommenden Montag beim ehemaligen Deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern (Anpfiff 19 Uhr). Deshalb ist davon auszugehen, dass die SG neben Matthias Morys zumindest noch einen weiteren Zugang präsentiert. Gut möglich, dass es ein Mann für die linke Defensivseite wird, „da wir eigentlich nur zwei Linksfüßer im Kader haben“, wie Heiner Backhaus erklärt. Mehr zu eventuellen Neuen wollen Trainer und Vorstandschaft aber nichts groß sagen.

Klar dürfte allerdings sein, dass es für die Mittelfeldzentrale vermutlich ebenfalls noch eine Verstärkung geben wird. Denn mit einer Rückkehr des langzeitverletzten Jamil Dem „ist vorläufig nicht zu rechnen“, wie Coach Mike Sadlo berichtet. Gesucht wird vom Drittletzten der Dritten Liga deshalb nach einem Spieler, der sowohl ballsicher wie defensiv- und zweikampfstark ist.

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Erstellt:
21. Januar 2020, 06:00 Uhr

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