Ohne Bangen bis zur letzten Minute
Joannis Koukoutrigas ist zuversichtlich fürs sechste Drittliga-Jahr
Joannis Koukoutrigas weiß, dass auch die sechste Drittliga-Runde für die SG Sonnenhof eine Herausforderung wird. Zum Saisonziel sagt Großaspachs Sportdirektor deshalb: „Das ist nicht viel anders als in den Vorjahren. Wir wollen unsere Spieler weiterentwickeln, so rasch wie möglich die Punkte für den Ligaverbleib zusammenhaben und als Verein einen weiteren Schritt nach vorne machen.“
© Sportfotografie Alexander Becher
Joannis Koukoutrigas hat mit der SG eine knifflige Saison überstanden. Diesmal soll der Ligaverbleib früher klargemacht werden.
Von Uwe Flegel
Joannis Koukoutrigas ist nicht entgangen, dass die SG für viele Experten einmal mehr ein ganz heißer Abstiegskandidat ist. Groß beeindruckt wirkt er davon nicht. Bei der Zusammenstellung des Kaders für die neue Runde wurde erneut vor allem nach jungen, willigen und entwicklungsfähigen Fußballern Ausschau gehalten. Solche wie U-19-Nationalstürmer Eric Hottmann (VfB Stuttgart). Talente wie die Ex-Junioren-Nationalspieler Constantin Frommann (SC Freiburg, Torwart), Charmaine Häusl (FSV Mainz II) und Jonas Behounek (HSV II), für die es in ihren bisherigen Vereinen (noch) nicht gereicht hat, vollends in den Bundesliga-Teams Fuß zu fassen. Spieler wie Orrin McKinze Gaines (FSV Zwickau) und Onur Ünlücifci (Würzburger Kickers), die bei der Drittliga-Konkurrenz eher unter dem Radar flogen. Und dann sind da noch die erfahrenen Dennis Slamar (FC Carl Zeiss Jena) und Dimitry Imbongo (Alemannia Aachen), die in der Verteidigung für mehr Flexibilität und vorne für mehr Durchschlagskraft sorgen sollen. Überhaupt stehen mit dem jungen Hottmann, dem wuchtigen Imbongo, dem pfeilschnellen McKinze Gaines und den arrivierten Timo Röttger sowie Kai Brünker nun fünf verschiedene Stürmertypen zur Verfügung, die insgesamt deutlich mehr Dynamik und Schnelligkeit versprechen. Zum Happy End in letzter Minute zittern und zwei Trainerwechsel in einer Saison, das muss nicht wieder sein.
Koukoutrigas hätte nichts dagegen, wenn er diesmal wieder eine eher ruhige Runde miterleben dürfte. Zur schwierigen vergangenen Saison sagt er: „Es hat sich gezeigt, dass nicht umsonst von der stärksten Dritten Liga alles Zeiten gesprochen wurde.“ Ein Beispiel für ihn ist dabei der FC Energie Cottbus, der „mit 45 Punkten abgestiegen ist“. Nur das bessere Torverhältnis retteten Eintracht Braunschweig und die SG Sonnenhof. In den Vorjahren hätten diese Zähler teilweise locker gereicht, nun, als es das erste Mal vier Absteiger gab, war’s richtig eng.
Aspachs Sportchef will deshalb nicht alles in Bausch und Bogen verdammen, obwohl sich eine Weiterentwicklung der Spieler und des Teams jetzt nicht jedem erschließt. Doch Fakt ist eben auch: „Es war nicht alles so schlecht. Wir haben zum Beispiel in der gesamten Runde nur elf Spiele verloren“, erklärt Koukoutrigas und weiß, aber halt auch nur neun Partien gewonnen. Die Rekordzahl von insgesamt 18 Unentschieden hat Aspach jedenfalls nicht groß weitergebracht.
Fürs Vorankommen in der „stärksten Dritten Liga Europas“, so Koukoutrigas, soll nun mit Oliver Zapel ein neuer Trainer sorgen. Der ist im Fautenhau wiederum ein Altbekannter. „Wir haben unter ihm in der Saison 2017/2018 eine sehr gute Runde gespielt“, erinnert Koukoutrigas und erklärt: „Dass er ein sehr, sehr guter Trainer ist, steht ohnehin außer Frage.“ Vor zwei Jahren ging es trotzdem überraschend auseinander. Nun soll es im zweiten Anlauf eine längere Verbindung werden. „Ich bin überzeugt, dass Oliver Zapel uns weiterbringt und ich denke auch, dass er Aspach diesmal als langfristige Geschichte sieht, bei der er etwas aufbauen und entwickeln kann“, sagt der Sportchef nach den ersten sechs Wochen der erneuten Zusammenarbeit.
Ein sehr ausgeglichener Kader, der eventuell aber noch ergänzt werden soll
Personell sieht der 44-Jährige die SG gerüstet: „In der Breite haben wir einen sehr ausgeglichenen Kader, bei dem es dem Trainer schwerfällt, jemand wegzulassen.“ Dass sich Zapel dennoch gerne einen oder gar zwei zusätzliche Akteure wünscht, nimmt Koukoutrigas zur Kenntnis und sagt: „Es ist absolut in Ordnung, wenn der Trainer seine Ansprüche stellt.“ Zumal in der Vorbereitung bereits das eine oder andere zu erkennen gewesen sei, wo vielleicht noch nachjustiert werden müsse. Der Sportchef schließt nicht aus, dass sich noch was tut, obwohl derzeit nichts geplant ist. Aber: „Manchmal geht es schnell.“ Erst recht, wenn Aspachs schweres Auftaktprogramm mit den Auswärtsspielen beim Zweitliga-Absteiger MSV Duisburg und beim FC Würzburger Kickers sowie den Heimpartien gegen die ambitionierten Ex-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern und KFC Uerdingen nicht die erhofften Punkte bringt.
Zwölf Ab- (Kevin Broll, Makana Baku, Philipp Hercher, Jeff-Denis Fehr, Shqiprim Binakaj, Stephane Mvibudulu, Jannes Hoffmann, Patrick Choroba, Yannick Thermann, Dominik Pelivan, Zlatko Janjic, Mike Owusu) und nur acht Zugänge (Dennis Slamar, Jonas Behounek, Orrin McKinze Gaines, Dimitry Imbongo, Charmaine Häusl, Eric Hottmann, Constantin Frommann, Onur Ünlücifci). Joannis Koukoutrigas sagt zur Reduzierung: „Ich bin ein Freund kleiner Kader, in denen jeder die Chance hat, spielen zu können.“ Zudem freut er sich: „Wir haben mittlerweile wieder eine richtige Achse an Spielern, die schon lange im Verein sind und für den Klub alles geben.“
Von den Abgängen schmerzen Aspachs Sportdirektor vor allem Torwart Kevin Broll, die Flügelspieler Makana Baku und Philipp Hercher sowie Mittelfeldorganisator und Standardspezialist Dominik Pelivan. Zu Broll sagt Koukoutrigas: „Der Abgang tut brutal weh.“ Dessen Nachfolger Maximilian Reule und Constantin Frommann beschreibt der Mann, der seit elf Jahren die sportlichen Geschicke lenkt: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, sie mit Kevin zu vergleichen. Das sind andere Typen, die ihre Zeit brauchen.“
Seine Zeit in der Doppelrolle als Sportchef und Teil des Trainerteams um Markus Lang beurteilt Koukoutrigas nicht nur wegen des erfolgreichen Abstiegskampfs als positiv. „Ich war noch näher an der Mannschaft dran und habe Kleinigkeiten mitbekommen, die du nicht wissen kannst, wenn du nicht jeden Tag dabei bist. Das hilft nun unheimlich. Ich habe das Gefühl, dass die Jungs mir noch mehr vertrauen. Das hat auch in den Gesprächen mit den Spieler geholfen, mit denen wir verlängert haben.“ Die seien teilweise einfacher gewesen, da beiden Seiten mehr Verständnis füreinander gehabt hätten.
Für seinen Ex-Partner auf der Aspacher Trainerbank hat Koukoutrigas sehr viel Lob übrig: „Ich hoffe, dass Markus Lang langfristig beim Verein bleibt. Wenn wir wirklich in die Regionalliga abgestiegen wären, dann wäre er vermutlich unser Trainer geworden, wenn er uns seine Zusage gegeben hätte.“
Weniger positiv fällt sein Urteil über das Gebaren mancher Kontrahenten aus. Trotz immenser Schulden verpflichten Klubs einen teuren Spieler nach dem anderen und nehmen bei ihrer Shopping-Tour zum Teil ein Transferminus von fast einer Million Euro billigend hin: „Das, was manche da treiben, hat nichts mehr mit fairem Wettbewerb zu tun.“
