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Personal und Taktik: Viele Fragen offen

Beim Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach lässt sich Trainer Oliver Zapel nicht in die Karten gucken

Wie sieht die Startelf des Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach aus? Selten war diese Frage so schwierig zu beantworten wie vor dem Auftaktspiel der neuen Saison beim MSV Duisburg am Samstag (14 Uhr, Schauinsland-Reisen-Arena). Das beginnt beim Platz zwischen den Pfosten, um den sich Maximilian Reule und Constantin Frommann streiten, und hat bei den Feldspielern nicht zuletzt damit zu tun, welche taktische Formation der Trainer bevorzugt.

Personal und Taktik: Viele Fragen offen

© Sportfotografie Alexander Becher

Von Steffen Grün

Zwölf Spieler verabschiedeten sich, darunter mit Torwart Kevin Broll, Dominik Pelivan, Makana Baku und Philipp Hercher vier Stammkräfte. Zudem mit Shqiprim Binakaj der mit deutlichem Abstand dienstälteste SG-Akteur, der Rest spielte höchstens Nebenrollen. Acht neue Profis kamen zum Drittligisten, von denen Dennis Slamar aus Jena immerhin die Erfahrung aus 66 Drittliga-Partien mitbringt. Im Fautenhau heuerten ansonsten vor allem wieder junge, entwicklungsfähige Talente an – die einzige Ausnahme ist Stürmer Dimitry Imbongo, der mit seinen 29 Jahren schon eine bewegte Karriere mit verschiedensten Stationen hinter sich hat.

Drei Keeper und 22 Feldspieler umfasst der Kader momentan. Klingt ausreichend, wird aber von etlichen Rivalen überboten. Weil Joel Gerezgiher nach seinem Wadenbeinbruch und Syndesmoseriss im April noch ein paar Monate fehlen wird und Jonas Meiser zumindest noch die eine oder andere Woche braucht, reduziert sich die Auswahl bereits etwas. Mit Verletzungen und Sperren ist darüber hinaus immer zu rechnen, weshalb Trainer Oliver Zapel am liebsten noch zwei Jungs dazuholen würde. Der Sportdirektor hat diesen Wunsch registriert, und Joannis Koukoutrigas will auch nichts ausschließen. Für die Partie in Duisburg wird es für den Trainer jedoch schon ein heikler Job, den 18-Mann-Kader zu benennen – von der Startelf nicht zu reden. Ein Überblick über das Personal.

Torhüter

Rückennummer 1 Maximilian Reule (25) Seit zwei Jahren im Fautenhau, war der in Karlsruhes Jugend ausgebildete Keeper bislang vor allem der Pokal-Torwart und musste sich mit drei Drittliga-Einsätzen begnügen. Nun ist Broll weg, der bisherige Platzhalter will zum Platzhirsch werden. Reule wirft mehr Erfahrung in die Waagschale als sein Konkurrent, gilt als reaktionsschnell auf der Linie und gibt seinen Vorderleuten lautstark Kommandos.

29 Constantin Frommann (21) Für eine Runde vom SC Freiburg ausgeliehen, hofft das Talent in Aspach auf Spielpraxis. Der Neue habe im Breisgau „eine hervorragende Ausbildung genossen“, sagt Koukoutrigas und sieht in 38 Regionalliga-Spielen sowie 24 Partien für DFB-Nachwuchsteams auch schon eine gewisse Erfahrung. Sollte Frommann, der in Freiburg schon sechsmal zum Erstliga-Kader gehörte, den Konkurrenzkampf anfangs verlieren, bliebe ihm Zapels Aussage als Trost, das jedwede Entscheidung nicht endgültig ist.

35 David Nreca-Bisinger (17) Mit einem Profi-Vertrag über zwei Jahre ausgestattet, wird der Junioren-Nationalspieler des Kosovos vor allem für die A-Jugend in der Verbandsstaffel aktiv sein und parat stehen, wenn Reule oder Frommann fehlen.

Abwehr

21 Jonas Behounek (21) Koukoutrigas bescheinigt ihm ein „gutes Pass- und Stellungsspiel“ und eine hohe Spielintelligenz. Vor allem, wenn sich Zapel hinten für eine Viererkette entscheidet, könnte das beim Hamburger SV ausgebildete und 55-mal in der Regionalliga eingesetzte Nordlicht als Rechtsverteidiger zur Startelf gehören.

2 Niklas Sommer (21) Im Winter vom VfB Stuttgart II gekommen, stehen für den gebürtigen Dessauer bislang nur drei Drittliga-Spiele zu Buche. Im Konkurrenzkampf mit Behounek um die Position des Rechtsverteidigers will Sommer mit der für sein Alter recht ausgeprägten körperlichen Robustheit und seiner Schnelligkeit punkten.

30 Dan-Patrick Poggenberg (27) Ein Sehnenriss im Oberschenkel, ein Innenbandriss im Knie: Der vor einem Jahr aus Duisburg mit der Empfehlung von 16 Zweitliga-Spielen dazugestoßene Akteur avancierte in Aspach zum Pechvogel. Mehr als 14 Drittliga-Einsätze, davon 8 über 90 Minuten, waren nicht drin. Trotzdem verlängerte Poggenberg den Vertrag um ein Jahr und will sich als Linksverteidiger nun mit Verspätung einen Stammplatz sichern.

27 Michael Vitzthum (27) Der gebürtige Bad Tölzer, der schon für die Bayern, Unterhaching, den VfB Stuttgart II, Karlsruhe, Heidenheim und Wiesbaden die Kickstiefel schnürte, duelliert sich mit Poggenberg um den Platz links hinten. Er litt zuletzt aber unter Rückenproblemen und geriet dadurch ins Hintertreffen. Vitzthums Vorteil ist die Variabilität: Er kann auch die linke Offensivseite besetzen oder Dienst im zentralen Mittelfeld schieben.

4 Korbinian Burger (24) Vor einem Jahr aus Fürth geholt, startete der waschechte Bayer im Ländle sofort durch. Er bestritt 34 von 38 Punktspielen und überzeugte als Innen- wie als Linksverteidiger. Auf beiden Positionen hat Burger harte Konkurrenz, eine Dreierkette würde die Nominierung von drei Innenverteidigern bedeuten und seine Aussichten deutlich verbessern.

5 Julian Leist (31) Der Routinier wechselte unmittelbar nach dem Drittliga-Aufstieg 2014 von den Kickers nach Aspach und ist längst eines der Gesichter des Vereins. Mit seiner Ruhe am Ball, seinem guten Kopfball- und Stellungsspiel, seiner Übersicht und seiner resoluten Zweikampfführung brachte es Leist inzwischen auf 252 Drittliga-Spiele, davon 165 im SG-Trikot. Verletzungsfreiheit vorausgesetzt, dürfte sich an seiner bisherigen Rolle als unumstrittener Abwehrchef auch nichts ändern.

25 Kai Gehring (31) Mit dem Abgang von Shqiprim Binakaj ist nun der in Göppingen geborene Blondschopf der dienstälteste Rot-Schwarze und einer von nur noch zwei Aufstiegshelden (der andere ist Nicolas Jüllich, der aber mal ein Jahr weg war). Gehring hat 223 Drittliga-Partien auf dem Buckel, in denen er 62 Gelbe Karten einsteckte. Das ist seiner hohen Emotionalität geschuldet, die ihn des Öfteren zu Diskussionen mit dem Unparteiischen veranlasst, aber auch zum Publikumsliebling macht. Der Routinier gibt immer alles und wird angesichts der verschärften Konkurrenzsituation auch um den Platz in der Innenverteidigung oder Dreierkette kämpfen.

15 Dennis Slamar (24) Der Neue bestritt beim Ligarivalen Jena in den vergangenen zwei Jahren 66 Drittliga-Spiele und spekuliert auch bei seinem neuen Verein auf eine tragende Rolle im Abwehrzentrum. Ihn zeichnen seine körperliche Robustheit und eine gute Spieleröffnung aus, der gebürtige Berliner könnte zudem im Fall der Fälle auch mal hinten rechts aushelfen.

Mittelfeld

24 Charmaine Häusl (23) Der ehemalige deutsche Jugend-Nationalspieler mit Wurzeln auf den Seychellen gilt als Defensiv-Allrounder mit Qualitäten, die ihn zum alleinigen Abräumer vor der Abwehr im zuletzt erprobten 3-1-4-2 befähigen, der aber auch einen gepflegten Ball spielen kann. Für eine Doppelsechs oder Dreierkette ist der aus Mainz geholte Spieler, der für die Zweite der Rheinhessen schon 38 Drittliga-Partien bestritt, ebenfalls eine Option.

26 Jamil Dem (26) Ein ähnlicher Spielertyp wie Häusl ist der im Oktober 2018 von der SG engagierte Berliner, der im Fautenhau nach eineinhalbjähriger Zwangspause sofort wieder Fuß fasste und sein Können zeigte. In der Rückrunde ereilte ihn erneut mehrmals das Verletzungspech. Dem meldete sich erst im vorletzten Testspiel gegen Balingen vor neun Tagen zurück, lieferte aber prompt eine starke Leistung ab und meldete damit seine Ansprüche klar an.

6 Sebastian Bösel (24) So wenig sich Oliver Zapel bei personellen und taktischen Fragen sonst in die Karten schauen lässt, so klar positionierte sich der Trainer schon in Sachen Bösel. Der gehöre zu den Spielern, die in Duisburg „auf dem Platz stehen, das ist unumstößlich“. Beim ehrgeizigen Mittelfeldspieler, der im Zentrum alle Positionen in sämtlichen taktischen Varianten besetzen kann und zudem eine Option als Rechtsverteidiger bleibt, ist nicht davon auszugehen, dass er aus den Worten eine dauerhafte Einsatzgarantie ableitet.

8 Onur Ünlücifci (22) Für Würzburg kam der Zugang in den vergangenen eineinhalb Jahren nur auf fünf Drittliga-Einsätze, in Großaspach will er den Durchbruch schaffen. Von Ünlücifci erhofft sich Koukoutrigas noch mehr Flexibilität im Mittelfeld, „weil er sehr vielseitig einsetzbar und besonders im technischen Bereich sehr versiert ist“. Der 22-Jährige kann auch die offensive linke Außenbahn besetzen.

10 Joel Gerezgiher (23) Die schwere Verletzung, die sich der technisch beschlagene Offensivspieler im April in Münster zuzog, war ein Schockmoment in der Rückrunde und der negative Höhepunkt einer Saison, die ohnehin nicht seinen Hoffnungen und denen des Vereins entsprochen hatte. Der Spieler, der bei Eintracht Frankfurt schon etwas Erstliga-Luft geschnuppert hatte, war meistens außen vor. Realistisch ist erst 2020 mit seinem Comeback zu rechnen.

11 Orrin McKinze Gaines (21) Auf den offensiven Außenbahnen verlor Aspach mit Makana Baku und Philipp Hercher einiges an Qualität – dem Neuen vom Zweitligisten Darmstadt, der zuletzt an den Drittliga-Rivalen Zwickau verliehen war, ist indes zuzutrauen, in die Fußstapfen zu treten. Sein hohes Tempo prädestiniert den Texaner für die Rolle als Flügelflitzers, mit einem Partner an seiner Seite kann er allerdings auch eine Doppelspitze bilden.

19 Marco Hingerl (23) Ein weiterer Spieler, der mit seiner Vielseitigkeit perfekt in das Anforderungsprofil des Trainers passt und sogar als hängende Spitze eingesetzt werden kann. Schon in seiner ersten Runde im SG-Trikot wären weit mehr als 19 Partien möglich gewesen, wenn ihn nicht von Ende Oktober bis Ende März ein Muskelriss im Oberschenkel ausgebremst hätte.

34 Nicolas Jüllich (29) Der Heidelberger gehörte schon 2014 zu Aspachs Aufstiegshelden und danach vor allem unter Zapel 2016/2017 mit 38 Einsätzen und 7 Treffern zu den Leistungsträgern in Liga drei. Wie der Trainer ging vor zwei Jahren auch Jüllich, der aber nach zwölf Monaten aus Vaduz zurückkehrte. Eine hartnäckige Leistenverletzung kostete ihn beinahe die ganze vergangene Runde, nun will er wieder richtig durchstarten. Und das eben unter Zapel, der an ihm nicht zuletzt die Torgefährlichkeit aus der zweiten Reihe schätzt.

Angriff

9 Eric Hottmann (19) 35 Tore in 83 Bundesliga-Spielen für die U 17 und U 19 des VfB Stuttgart: Der deutsche Junioren-Nationalspieler will sich nun auch im Männerbereich behaupten. Was man dem 1,87 Meter großen und recht bulligen Stürmer nicht sofort ansieht: Er ist pfeilschnell, bei den Sprinttests hängte ihn nur McKinze Gaines ab. Das macht Hottmann auch zu einer Option auf Außen in einem 4-3-3.

13 Kai Brünker (25) Im Winter vom englischen Drittligisten Bradford geholt, erzielte der klassische Mittelstürmer in 14 Duellen zwar nur ein Tor, aber es war das goldene beim Heimsieg gegen 1860 München. Solche Momente öfters zu erleben, ist das Ziel von Brünker, der vor dem Abenteuer auf der Insel für Villingen und Freiburg II in der Ober- und Regionalliga spielte.

17 Jonas Meiser (20) Es wird noch drei bis vier Wochen dauern, bis das 2018 von den Stuttgarter Kickers verpflichtete Offensivtalent nach seiner Knieverletzung wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann.

18 Timo Röttger (34) Mit seiner schlitzohrigen Spielweise und der sympathischen Art, auf die Fans zuzugehen, hat sich der älteste SG-Spieler in seinen vier Jahren in Großaspach zum Publikumsliebling entwickelt. In der Vorsaison war der Routinier mit zehn Treffern auch der interne Torschützenkönig, insgesamt sind es für ihn 45 Buden in 218 Drittliga-Spielen. Ziemlich sicher kommen noch ein paar dazu.

22 Dominik Martinovic (22) Es dauerte eine Weile, bis der Winterzugang aus Wiesbaden sein Potenzial andeuten konnte, in den letzten drei Saisonspielen steuerte er dann zwei Treffer bei. Das zeigte, was für ihn drin ist, aber der Konkurrenzkampf in der Offensive wird kein Zuckerschlecken.

28 Dimitry Imbongo (29) Der Stürmer mit französischem und kongolesischem Pass hat schon eine bewegte Karriere hingelegt. 1860 München und Darmstadt, dann zwei Stationen in den USA und drei in Österreich, und zuletzt Regionalliga mit Alemannia Aachen: In Aspach setzen sie auf Imbongos Fähigkeiten, den Ball auch mit dem Rücken zum Tor gut zu verarbeiten.

Könnte eine tragende Säule im Konzept von Oliver Zapel werden: Nicolas Jüllich (links). Der Trainer schätzt die Torgefährlichkeit des Mittelfeldspielers aus der zweiten Reihe. Fotos: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Könnte eine tragende Säule im Konzept von Oliver Zapel werden: Nicolas Jüllich (links). Der Trainer schätzt die Torgefährlichkeit des Mittelfeldspielers aus der zweiten Reihe. Fotos: A. Becher

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Erstellt:
19. Juli 2019, 06:00 Uhr

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