Reules Paraden und Doppelpack der Kais

Bei Großaspachs 2:0-Heimsieg gegen Chemnitz zünden Zapels Wechsel: Der Keeper hält stark, Kai Brünker und Kai Gehring treffen

Es ist geschafft: Im fünften Versuch feierten Großaspachs Drittliga-Fußballer den ersten Heimsieg in dieser Saison. Zudem kletterte die SG Sonnenhof mit dem 2:0 gegen Chemnitz auf einen Nichtabstiegsplatz. Die Tore erzielten Kai Brünker und Kai Gehring – zwei Spieler, die gegenüber dem 0:2 in Unterhaching in der Vorwoche neu in der Startelf waren. Auch mit den weiteren Wechseln bewies Trainer Oliver Zapel ein glückliches Händchen.

Erleichterung pur: Eric Hottmann, Kai Brünker, Panagiotis Vlachodimos, Torschütze Kai Gehring, Marco Hingerl und Korbinian Burger (von links) wissen nach dem 2:0 gegen Chemnitz in der 69. Minute, dass Großaspach auf dem Weg zum ersten Heimsieg in dieser Saison ist. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Erleichterung pur: Eric Hottmann, Kai Brünker, Panagiotis Vlachodimos, Torschütze Kai Gehring, Marco Hingerl und Korbinian Burger (von links) wissen nach dem 2:0 gegen Chemnitz in der 69. Minute, dass Großaspach auf dem Weg zum ersten Heimsieg in dieser Saison ist. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Er wolle schnell eine stabile Achse finden und nicht ständig „Rotationskonzerte anpfeifen“, hatte Zapel zuletzt gesagt – um es dann im 200. Drittliga-Spiel der Klubgeschichte in gewissem Rahmen doch erneut zu tun. Er setzte Keeper Constantin Frommann, Dimitry Imbongo und Dominik Martinovic auf die Bank, zudem fehlte der verletzte Dan-Patrick Poggenberg – für dieses Quartett durften Torwart Maximilian Reule, Kai Brünker, Timo Röttger und Kai Gehring beginnen. Allesamt hatten sie wichtigen Anteil am Sieg, was zur Frage an den Trainer führte, ob er vielleicht noch einen Lotto-Zettel ausfüllen wolle. „Dafür ist es zu spät, vielleicht wäre ja das Kasino etwas“, entgegnete der 51-Jährige lachend: „Einige Joker haben echt gut gestochen.“

Röttger, indem er mit seiner Flanke das 1:0 vorbereitete und auch sonst die Qualitäten als Unruheherd und Führungsspieler zeigte, die Zapel dazu veranlassten, den 34-Jährigen zum spielenden Assistenztrainer zu befördern. Oder Brünker, der Röttgers Flanke zum Führungstor verwertete und in der 24. Minute den Pfosten malträtierte. Nach dem Abpfiff humpelte der 25- Jährige mit dick bandagiertem Oberschenkel in die Kabine und beeilte sich zu versichern, dass es „nur“ eine leichte Zerrung sei – bevor noch einer auf die Idee kommt, er würde gegen Ingolstadt am kommenden Samstag ausfallen. „Auf gar keinen Fall“, betonte Brünker. Das 2:0 gegen Chemnitz bezeichnete der bullige Stürmer als „dreckigen Sieg, aber das sind die schönsten“.

Ein Erfolg, zu dem auch der Torwart mit Paraden in der Schlussphase beitrug. Reule, der nach dem 0:4 in Halle und einigen Patzern in den ersten sieben Saisonspielen auf die Bank verbannt worden war, hatte nach zwei Partien wieder den Vorzug vor Frommann erhalten. „Der Trainer stellt auf, das zählt“, kommentierte der 25-Jährige seine rasche Rückkehr und wollte die eigene Leistung gegen den Ex-Klub (2014/ 2015) nicht zu hoch hängen: „Ich bin dafür da, die Bälle zu halten, das ist mir gut gelungen. Es hat Spaß gemacht.“ Das ist bei Keepern meist so, wenn sie kein Tor kassieren. Und bei Abwehrspielern, wenn sie nicht nur stark verteidigt, sondern vorne auch noch getroffen haben. Wie Gehring zum 2:0, als er nach einem Eckball wuchtig einköpfte. „Er hat endlich wieder den Laufweg gefunden, den er zwei Jahre gesucht hat“, freute sich Zapel für den Routinier, den er mit dem Bankplatz beim 2:2 gegen Bayern II „angepikst“ habe und der dem Anspruch, einen Stammplatz zu haben, nun wieder gerecht wurde. „Es hat mich gefreut, dass mein Name zweimal im Stadion bejubelt wurde“, wies der 31-Jährige lachend darauf hin, dass die beiden Kais im Doppelpack eingenetzt hatten.

Schreckmoment nach 34 Sekunden: SG bei Pfostenschuss im Glück

Bevor Brünker und Gehring zuschlugen, hätte das Duell aber einen anderen Verlauf nehmen können – wenn Philipp Hosiner für die Sachsen nach 34 Sekunden nicht nur den Pfosten getroffen hätte. Für Zapel hatte dieser Glücksmoment „Symbolkraft, denn in den letzten Spielen wäre der Ball vom Innenpfosten reingetropft und wir wären wieder wie begossene Pudel da gestanden“. Taten sie dieses Mal nicht, daher sah es Reule hinterher locker. „Man verpennt schnell mal die erste Minute“, sagte der Keeper: „Nix passiert, alles gut.“ Danach habe sich sein Team „minütlich ins Spiel reingebissen“, lobte der Trainer, ohne die nach wie vor nicht zu übersehenden, von Chemnitz nur nicht bestraften Unsicherheiten negieren zu wollen. „Es war ein hochintensives Spiel“, so Zapel, der seine Stimme am Spielfeldrand nicht schonte, einige Kilometer abspulte und mächtig ins Schwitzen kam: „Ich will nicht verraten, wie es unter meinem Hoodie riecht.“

Den Kapuzenpulli kann man waschen, „eine Niederlage wäre schwer zu verdauen gewesen“. Zapel wusste um die Bedeutung, obwohl er im Vorfeld von einem normalen Drittliga-Spiel gesprochen hatte. Die Fans im A-Block wussten es auch und forderten mit Zetteln die in ihren Augen zu passiven Zuschauer auf der Gegengeraden und der Haupttribüne zu mehr Unterstützung auf. So schnell wird es kein Hexenkessel, aber die Worte verhallten nicht ungehört. Zapel lobte den „super Support“ und dem Team tat es laut Brünker gut, „die Zuneigung der Fans zu bekommen“. Egal, wer sich äußerte: Die SG will im zweiten Heimspiel in Serie am nächsten Samstag (14 Uhr) gegen Zweitliga-Absteiger Ingolstadt nachlegen.

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Erstellt:
30. September 2019, 06:00 Uhr

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