Rückkehr mit einem kritischen Blick zurück

Gut vier Wochen nach seinem Wechsel gastiert der Ex-Aspacher Jan Ferdinand mit seinem neuen Verein TSG Balingen zum Regionalliga-Duell im Fautenhau. Der Stürmer fühlt sich bei seinem einstigen Jugendklub richtig wohl und hat nach fünf Partien bereits drei Treffer auf dem Konto.

Jan Ferdinand hat das rote Trikot ausgezogen und kehrt nun an der Seite von Lukas Foelsch (links) mit Balingen zurück. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Jan Ferdinand hat das rote Trikot ausgezogen und kehrt nun an der Seite von Lukas Foelsch (links) mit Balingen zurück. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Ich weiß jetzt auf jeden Fall, was ich nicht will.“ Die Antwort von Jan Ferdinand auf die Frage, wie er sein Jahr bei der SG Sonnenhof beurteilt, lässt nicht so viel Platz für Interpretationen. Schließlich haben sowohl der Angreifer wie der Fußball-Regionalligist aus Großaspach vor gut vier Wochen den eigentlich bis zum 30. Juni 2022 laufenden Vertrag vorzeitig aufgelöst. „In beiderseitigem Einvernehmen“, heißt es dann sehr oft und bedeutet im Klartext fast immer: Keiner war mit dem anderen glücklich. Morgen kehrt der gebürtige Albstädter nun mit seinem neuen und gleichzeitig alten Verein in den Fautenhau zurück. Ab 14 Uhr will er mit dem Vorletzten TSG Balingen den Tabellenvierten aus Aspach ärgern. Zum Beispiel, in dem er sein Torkonto weiter aufstockt. Drei Treffer stehen für ihn nach fünf Spielen für seinen früheren Jugendverein zu Buche. Genau so viele, wie er vergangene Runde für die SG in 35 Partien erzielte.

24 Jahre alt ist der 1,91 Meter große Blondschopf mittlerweile. Und er zählt zur Sorte Fußballer, die ihren Kopf nicht nur dafür haben, um Fußbälle ins Tor zu befördern. Differenziert, durchaus selbstkritisch spricht er über seine 13 Monate im Fautenhau. Eine Saison, in der die Aspacher nicht viel bewegten, außer dass sie die Cheftrainer gleich dreimal wechselten. Jan Ferdinand ist heute noch überzeugt davon, dass es nicht an der Qualität der einzelnen Spieler lag, aber „wir haben es einfach nicht auf den Platz gebracht“. Warum? Dazu will er nicht zu viel sagen, außer: „Da kam alles zusammen und das bei sehr vielen.“ Das Menschliche sei im Fußball ebenso wichtig wie das Sportliche, stellt der Student des Wirtschaftsingenieurwesens fest und sagt noch: Bei der Mannschaft und auch bei den Trainern habe das in seinen Augen gepasst. Ansonsten antwortet er auf die Frage, bei wem das nicht so gewesen sein, mit Schweigen. Wenn ein Team insgesamt drei Übungsleiter in einer Saison verbraucht, ohne das sich auf dem Platz nicht viel ändert, dann spricht das auch so Bände.

Irgendwann einmal fehlt dem Stürmer dann das nötige Selbstvertrauen

Wobei sich Jan Ferdinand heute noch sicher ist, dass die Leistungen besser waren, als es die Ergebnisse besagten. Und das im Prinzip fast die gesamte Runde. Irgendwie wurde es im Verlauf der Saison dann zu einer Art Teufelskreis oder zu einem typischen Fall von „Angst essen Seele auf“, wie Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder in seinem preisgekrönten Melodram Mitte der Siebziger eindrücklich beschrieb. Der aus Ebingen stammende Stürmer sagt dazu: „Das Selbstvertrauen hat irgendwann einmal auf jeden Fall gefehlt.“ Erst recht bei einem Typen wie ihm, der sich selbst als „sehr selbstkritisch denkenden Menschen“ beschreibt. Einer, der auf dem Platz läuft, tut, rackert und macht. Nur belohnt hat er sich dafür im Trikot der SG Sonnenhof nicht oft genug.

Vor gut einem Monat machten dann beide Seiten einen Schnitt. Ein Jahr bevor der Vertrag ausgelaufen wäre. Ferdinand kehrte nach Balingen zurück, von wo er als 18-jähriger Jugend-Nationalspieler sechs Jahre zuvor in Richtung VfB Stuttgart aufgebrochen war. Fünf Regionalligaspiele im TSG-Trikot später ist er sich sicher, dass die Rückkehr zum Regionalligisten aus dem Zollernalbkreis der richtige Schritt war. „Ich fühle mich extrem wohl hier. Das ist vertraute Umgebung. Hier sind Familie sowie Freunde und ich kenne viele im Verein bereits von früher her.“ Alles Dinge, die offensichtlich gut für ihn sind. Nach fünf Begegnungen hat er bereits drei Treffer auf dem Konto und sagt: „Für mich läuft es gut, für die Mannschaft weniger.“ Nur vier Punkte sammelte Balingen in seinen bisher sechs Punktspielen. Im Gegensatz zur Elf aus dem Fautenhau ist das Team von Trainer Martin Braun nicht gut aus den Startblöcken gekommen. An Jan Ferdinand macht der ehemalige Bundesliga-Profi des SC Freiburg und des 1. FC Köln das aber am allerwenigsten fest. „Ich halte Jan für einen der guten Stürmer in dieser Liga. Er ist taktisch hervorragend geschult, kopfball- und laufstark, ballsicher und vor allem torgefährlich und er passt sehr gut zu uns“, wird der Coach im heimischen Zollernalbkurier zitiert.

Der Spieler selbst gibt das Kompliment an den Verein zurück. „Das Gesamtpaket hier ist top.“ Menschlich und sportlich passt es ebenso wie beruflich. „Wir trainieren dreimal die Woche“, erzählt Jan Ferdinand und erklärt: „Bei uns hat jeder seinen Job oder sein Studium.“ Er selbst macht sogar beides: „Das Fernstudium, das ich in Aspach begonnen habe, mache ich weiter und zudem habe ich bei einem Sponsor des Vereins eine Traineestelle.“ Es sei für den Kopf gar nicht so schlecht, sich mit mehr als nur mit Fußball zu beschäftigen, erklärt Jan Ferdinand und beweist einmal mehr, dass er seine Birne nicht nur dazu benutzt, um Bälle irgendwie ins Netz zu befördern.

Zur Person

Sportliches Jan Ferdinand begann beim FV Rot-Weiß Ebingen mit dem Fußball und wechselte dann zur TSG Balingen. Dort brachte er es als 17-Jähriger zu zwei Jugend-Länderspielen. Kurz zuvor hatte er im Oberliga-Duell mit dem SSV Ulm im Aktivenbereich debütiert. Sein erstes Tor bei den Männern erzielte er beim 1:1 gegen den KSC II bei seinem dritten Einsatz. Am Saisonende wechselte er zur U 19 des VfB Stuttgart und wurde ein Jahr später in den Regionalliga-Kader des VfB übernommen. Im Sommer 2019 zog es ihn zu Hoffenheim II und im Juni 2020 nach Aspach.

Familiäres Der Fußballer stammt eigentlich aus einer Handballfamilie. Vater Axel Ferdinand trainierte unter anderem die SG H2Ku Herrenberg in der Regionalliga und die HSG Albstadt. Sein zwei Jahre älterer Bruder Nico Ferdinand spielte in der Jugend für Balingen-Weilstetten und im Aktivenbereich für die HSG Albstadt. 2015 warf er gegen Weilstetten das Handballtor des Monats November.

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Erstellt:
18. September 2021, 06:00 Uhr

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