Schon als Teenager voll auf die Karte Trainer gesetzt

Mit seinen gerade mal 21 Jahren ist Großaspachs Nils Weiler wohl der jüngste Assistenzcoach aller fünf deutschen Regionalligen.

Steht seit 16 Monaten den Cheftrainern der SG Sonnenhof zur Seite: Nils Weiler (links). Der 21-Jährige kümmert sich im Trainerteam von Walter Thomae um die Videoanalyse. Foto: B. Moschkon

© MOSCHKON BERNARD

Steht seit 16 Monaten den Cheftrainern der SG Sonnenhof zur Seite: Nils Weiler (links). Der 21-Jährige kümmert sich im Trainerteam von Walter Thomae um die Videoanalyse. Foto: B. Moschkon

Von Uwe Flegel

„Meine Eltern waren nicht gerade begeistert, aber sie stehen hinter mir.“ Nils Weiler spricht von der Entscheidung vor zwei Jahren, als er sich nach dem Abitur entschieden hat, Studium Studium sein zu lassen und auf Fußball zu setzen. Das jedoch nicht als Profikicker, sondern im Trainerbereich – mit nur 19 Jahren. Ein Entschluss, den der junge Co-Trainer der Großaspacher Regionalliga-Fußballer bisher nicht bereut. Dabei hat er in seinen 16 Monaten im Fautenhau miterlebt, wie schnelllebig das Geschäft ist. Walter Thomae ist schon sein vierter Chef. An dessen Seite trifft er morgen in Koblenz (14 Uhr, Stadion Oberwerth) auf den Coach, mit dem er im Januar 2020 zur SG Sonnenhof kam: Heiner Backhaus.

Vermutlich hat Nils Weiler geahnt, dass die Frage kommt, ob’s funktioniert, wenn ein 21-Jähriger versucht, erfahrenen Fußballern, die schon in der ersten und zweiten Liga oder in mehr als 200 Drittliga-Partien auf dem Platz gestand haben, das Spiel zu erklären. Durchaus, sagt der gebürtige Heidelberger, und weiß, dass das aber kein Selbstläufer ist. Er müsse überzeugen und gute Arbeit abliefern. Die Spieler wiederum müssen begreifen, dass „ich nichts Böses will, wenn ich Fehler anspreche“. Eine Aufgabe, die für einen wie ihn, der in Großaspach für die Videoanalyse zuständig ist, unumgänglich ist. Ein Job, über den er sagt: „Ich sehe mich als Dienstleister für die Spieler,.“ Damit das gelinge, sei wichtig, dass die menschliche Ebene stimme und jeder erkenne, dass „wir uns gegenseitig helfen können.“

So wie er einst bei sich selbst gesehen hat, dass „es als Spieler nicht zum Profi reicht“. Dabei konnte er schon als A-Jugendlicher bei der TSG Weinheim einen Oberliga-Einsatz verbuchen und war danach beim nordbadischen Verbandsligisten SG Heidelberg-Kirchheim einige Spiele am Ball. Allerdings waren beide Teams sportlich nicht gerade erfolgreich. Das war jedoch nicht der Grund, weshalb er sich mit 19 in Richtung Leipzig verabschiedete. „Ich wollte dort studieren und habe mir einen Verein gesucht, bei dem ich als Jugendtrainer ein bisschen was machen konnte“, erzählt Nils Weiler, der dabei unter anderem auf Inter Leipzig und dessen damaligen Coach Heiner Backhaus stieß. Eine Begegnung mit Folgen. Denn als sich Backhaus im Sommer 2019 von dem von ihm mitgegründeten Nordost-Oberligisten zum Nord-Regionalligisten Rehden verabschiedete, ging sein junger Assistent mit. Das Interesse am Fußball war größer als das am Studium. Was wiederum nicht zum großen Wunder taugt, schließlich habe ich „als 15-Jähriger bei meinem Heimatverein FC Dossenheim damit begonnen, die Minis zu trainieren.“ Sein damaliger Coach Maurice Körbel, Neffe des Ex-Nationalspielers und Bundesliga-Rekordspielers Charly Körbel (Eintracht Frankfurt), hatte ihm dazu geraten. Er glaubte, dass sein Schützling das Zeug zum Trainer habe.

Heiner Backhaus sah das nur wenige Jahre später offenbar ähnlich. Jedenfalls nahm er seinen Co-Trainer nicht nur zum BSV SW Rehden, sondern sechs Monate später auch zur SG Sonnenhof Großaspach mit. Entsprechend geschockt war Nils Weiler, als sein Förderer nach nur wenigen Wochen wieder gehen musste. Er allerdings blieb bei der SG und arbeitete danach erst Interimscoach Markus Lang, dann Hans-Jürgen Boysen und nun Walter Thomae zu. „Ich bin mit allen gut klar gekommen“, sagt der 21-Jährige. Wichtig sei, dass man wisse, welche Rolle man im Stab habe. Mit Hans-Jürgen Boysen, der ja wie er aus der Kurpfalz stammt, verstehe er sich immer noch sehr gut. Und zu dem Mann, der heute auf der gegnerischen Bank als Cheftrainer sitzt, hat er weiterhin guten Kontakt, denn: „Mit Heiner Backhaus telefoniere ich viel.“

Ein Thema ist eventuell, wie es für Weiler in Aspach weiter geht, schließlich endet sein Vertrag nach dieser Saison. Jetzt sei aber erst einmal wichtig, dass die Runde vernünftig zu Ende gebracht werde, sagt der junge Mann, „dann sieht man, was kommt“. Eventuell bleibt er ja wie Dennis Grab an Thomaes Seite. Auch weil Nils Weiler im Murrtal ein wenig heimisch geworden ist. So hat er zum Beispiel für die SG Oppenweiler/Strümpfelbach in der Bezirksliga bereits die Kickstiefel geschnürt. „Wegen Corona hat es bisher aber nur zu einem Spiel gereicht“, sagt der höchstwahrscheinlich mit Abstand jüngste Assistenztrainer in den fünf deutschen Regionalligen bedauernd und gesteht: „Selbst Fußball zu spielen, macht eben genau so viel Spaß wie Trainer zu sein.“ Erst recht für jemanden, der gerade mal 21 Jahre alt ist.

Ohne Marvin Cuni

SG-Trainer Walter Thomae sagt vor dem Gastspiel des Viertletzten beim 13. der Tabelle, bei dem Aspachs Ex-Coach Heiner Backhaus das Sagen hat: „Natürlich waren wir am Dienstag nach dem Schlusspfiff alle enttäuscht, da unser Plan gegen das formstärkste Team der Liga fast aufgegangen wäre. Aber Fußball ist eben ein Ergebnissport und am Ende stehen wir wieder ohne etwas Zählbares da. Dennoch stimmt mich die Leistung optimistisch, weil ich das Gefühl hatte, dass wir wirklich viel investiert haben. Genau das hatte ich bei den vorherigen beiden Partien nicht. Ich habe bereits mehrfach betont, dass wir an die absolute Grenze gehen müssen, um zu punkten - so wird es auch morgen sein. Ich glaube, jeder hat noch das Hinspiel gegen Koblenz im Kopf. Da sind nun auch der Stolz sowie die Ehre der Mannschaft gefordert, dort unbedingt eine Reaktion zeigen zu wollen.“

Gegen den SV Elversberg gingen der SG Sonnenhof nicht nur die Punkte verloren. Auch personell gab’s einen herben Verlust. Torjäger Marvin Cuni (19 Saisontreffer) zog sich kurz vor Schluss eine Knieverletzung zu und wird zumindest für die morgige Partie ausfallen. Beim Versuch, sich für die 0:2-Vorrundenniederlage zu revanchieren, fehlen Großaspach außerdem Torhüter Oliver Schnitzler (Achillessehnenriss),Offensivmann Nils Anhölcher (Rückenprobleme), die beiden Mittelfeldspieler Mohamed Diakite (Knieprobleme) und Nico Jüllich (Oberschenkelprobleme) sowie Stürmer Dominik Widemann (Mittelhandbruch), Zudem ist der Einsatz von Mittelfeldspieler Joel Gerezgiher noch fraglich.

Wer das Gastspiel der Mannschaft aus dem Fautenhau am Deutschen Eck live verfolgen will, der kann dies wie gewohnt mithilfe eines Internet-Livestreams tun. Der sogenannte Tagespass dafür kostet 5 Euro. Buchbar ist der unter anderem über www.bkz.de/sport/sg-sonnenhof.

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Erstellt:
7. Mai 2021, 11:30 Uhr

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