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SG Sonnenhof beantragt Kurzarbeitergeld

Großaspachs Drittliga-Fußballer verzichten im Zuge der Coronakrise auf einen Teil ihres Gehalts, um den Verein zu entlasten

Von Gehältern, die im Allgemeinen mit Fußballprofis in Verbindung gebracht werden, können die Spieler der SG Sonnenhof Großaspach nur träumen. Insofern ist es für sie auch kein Pappenstiel, wenn sie nun fürs Erste auf einen Teil ihres Entgelts verzichten müssen. Der Verein hat sich wegen der Einnahmeausfälle im Zuge der Coronakrise wie viele andere Arbeitgeber dazu entschlossen, das Kurzarbeitergeld zu beantragen.

Es ist offen, wann Marco Hingerl (am Ball) und seine Kollegen von der SG Sonnenhof wieder auf den Platz dürfen, nun macht sich die Coronakrise auch auf dem Konto bemerkbar. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Es ist offen, wann Marco Hingerl (am Ball) und seine Kollegen von der SG Sonnenhof wieder auf den Platz dürfen, nun macht sich die Coronakrise auch auf dem Konto bemerkbar. Foto: T. Sellmaier

Von Steffen Grün

Eigentlich hätten Großaspachs Drittliga- Fußballer am heutigen Samstag in Ingolstadt gespielt und versucht, die klitzekleine Chance auf den Klassenverbleib doch noch aufrechtzuerhalten. Weil die Coronakrise das Land mittlerweile aber fest im Würgegriff hat, ist seit vergangenem Montag klar, dass der Spielbetrieb mindestens bis zum 30. April ruht. „Damit ist unseren Spielern die Arbeitsgrundlage entzogen, zumal wir derzeit nicht einmal die Sportanlage oder das Fitnessstudio nutzen dürfen“, stellt Philipp Mergenthaler ohne jeglichen klagenden Unterton fest. Das Vorstandsmitglied der SG Sonnenhof betont vielmehr ausdrücklich, dass er die Vorgaben der Behörden, die sozialen Kontakte so weit wie möglich herunterzufahren, für „absolut richtig“ hält: „Diese Situation ist für niemanden einfach, aber je mehr sich nicht daran halten, desto länger haben wir diesen Zustand.“ Eine Haltung, die von allen Funktionärskollegen geteilt wird. „Wir müssen da gemeinsam durch“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Andreas Benignus: „Es geht um die Gesundheit aller und um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“

Schon seit eineinhalb Wochen trainieren Großaspachs Jugendteams nicht mehr, die Geschäftsstelle ist für den Publikumsverkehr dicht, seit vergangenem Montag geht auch bei der Drittliga-Truppe nichts mehr. Die Profis wurden nach Hause geschickt und „sind bis auf Weiteres für sich selbst verantwortlich“, sagt Philipp Mergenthaler. „Thomas Deters, der sich bei uns um die Finanzen kümmert, hat für alle Spieler und das Funktionsteam Kurzarbeitergeld beantragt.“ Freilich nicht, ohne die Betroffenen vorher darüber zu informieren. Zunächst wurde die Situation mit dem Spielerrat besprochen, den der Kapitän Julian Leist sowie Timo Röttger, Kai Gehring und Maximilian Reule bilden. Danach „haben wir es allen einzeln erklärt, zumal jeder einzeln zustimmen muss“, betont Sportdirektor Joannis Koukoutrigas. „Die Spieler waren schon geschockt, haben dann aber gesagt, dass sie den Weg solidarisch mitgehen, um dem Verein in dieser schwierigen Situation zu helfen.“ Nur von drei Spielern fehlte gestern noch die Rückmeldung, der Klub glaubt aber auch in diesen Fällen an die Zustimmung, „obwohl wir niemanden zwingen könnten“, so Mergenthaler. Denn einen Betriebsrat, der für die ganze Belegschaft verhandelt, gibt es schließlich nicht.

3,8 Millionen Euro pro Spielzeit beträgt der Gesamtetat des Fußball-Drittligisten – immerhin, aber wer es auf 4000 Euro im Monat bringt, zählt trotzdem schon zu den Topverdienern. Brutto, wohlgemerkt. Der Durchschnitt liegt bei ungefähr 3500 Euro – da kann es schon einmal eng werden, wenn beim Kurzarbeitergeld vom Nettogehalt nur 60 oder 67 Prozent (mit Kindern) bleiben. Der SG-Vorstand hat daher beschlossen, solange es dem Verein möglich ist, so viel draufzulegen, wie es der Gesetzgeber gestattet – das könnte für die Spieler bedeuten, dass sie zunächst 84 bis 87,5 Prozent ihres Regelsalärs kassieren.

Sollte diese Saison letztlich sogar abgebrochen werden, könnten Großaspach etwa 300000 Euro an TV-Geldern durch die Lappen gehen, „die noch nicht ausgezahlt wurden“, erläutert Philipp Mergenthaler. Dazu kommen die ausbleibenden Erlöse aus der DFB-Zentralvermarktung und aus dem Ticketverkauf, und nicht zuletzt, so geben Mergenthaler und Koukoutrigas zu bedenken, „müssen wir auch abwarten, wie unsere Partner durch die Krise kommen“. Kurzum: Es geht ans Eingemachte – selbst für einen Verein, der im Vergleich zu etlichen Ligakonkurrenten sehr solide und schwäbisch-sparsam wirtschaftet und bei dem die Vorstandsmitglieder sogar komplett auf ehrenamtlicher Basis arbeiten.

„Für uns als Verein wäre es die beste Variante, so schnell wie möglich zu wissen, wie es weitergeht“, erklärt Mergenthaler, „denn sonst können wir nicht planen.“ Es stellt sich schließlich die Frage, ob die SG einen Kader für die Regionalliga zu basteln hat, wie es bis zur Unterbrechung der Runde sehr wahrscheinlich war, oder ob ein möglicher Abbruch der Saison eventuell doch noch den Drittliga-Verbleib bedeutet. Bis das klar ist, dürften aber noch ein paar Wochen ins Land ziehen, und so lange bleibt auch offen, wann das Team wieder zusammen trainieren kann. „Spieler, die einen Fitnessplan haben wollen, bekommen ihn von Cheftrainer Hans-Jürgen Boysen und Athletikcoach Axel Mäder“, erklärt Joannis Koukoutrigas. Fixe Vorgaben gibt’s in Kurzarbeitzeiten nicht.

Hintergrund

Die SG Sonnenhof Großaspach steht mit der Entscheidung, das Kurzarbeitergeld zu beantragen, unter den Fußball-Drittligisten alles andere als alleine da. Mit den früheren deutschen Meistern 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig sowie dem FSV Zwickau, dem Halleschen FC, Carl Zeiss Jena, dem SV Meppen, dem SV Waldhof Mannheim und dem FC Hansa Rostock handhaben es schon acht weitere Vereine so, und dabei wird es in den nächsten Tagen wohl nicht bleiben.

Das Kurzarbeitergeld bietet die Möglichkeit, die Kosten zu senken und damit den Einnahmeausfällen ein Stück weit zu begegnen. „Es geht darum, durch Sparmaßnahmen eine drohende Insolvenz zu vermeiden“, heißt es vonseiten des SV Meppen. Und auch Toni Wachsmuth, Sportdirektor beim FSV Zwickau, macht deutlich: „Würden wir diesen Schritt nicht gehen, hätte dies die Insolvenz zur Folge.“

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Erstellt:
21. März 2020, 06:00 Uhr

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