Trainer wechseln, Probleme bleiben

Gleich drei Fußballlehrer mühten sich diese Saison damit ab, Großaspachs Fußballer nach dem Abstieg in die Regionalliga wieder aufs richtige Gleis zu schieben. Am Ende ist es aber das Glück, mit dem die SG Sonnenhof den Worst Case verhindert.

Was der erfahrene Hans-Jürgen Boysen und seine Nachfolger versuchten, so richtig auf Touren kam der Regionalligist aus dem Fautenhau in dieser Saison so gut wie nicht. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Was der erfahrene Hans-Jürgen Boysen und seine Nachfolger versuchten, so richtig auf Touren kam der Regionalligist aus dem Fautenhau in dieser Saison so gut wie nicht. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Noch ein Heimspiel, dann hat die SG Sonnenhof ihre erste Runde nach dem Drittliga-Abstieg hinter sich. Damit endet eine Regionalliga-Saison, die von Großaspachs Fußballern als Neuaufbruch geplant war und fast den zweiten Abstieg in Folge zum Ergebnis gehabt hätte. Verhindert wurde das nur durch die Reduzierung der Absteigerzahl von sechs auf zwei. Rang 19 ist dennoch unbefriedigend, steht aber bereits fest. Daran ändern die 90 Minuten heute ab 14 Uhr gegen den Bahlinger SC ebenso nichts mehr, wie die zwei Trainerwechsel während der Rückrunde was gebracht haben. Die Namen an der Seitenlinie wechselten, die Probleme blieben. Eine Bilanz.

Hans-Jürgen Boysen (24 Spiele, 27 Punkte, Platz 17): Im Abstiegsjahr hatte der einstige Bundesliga-Verteidiger des KSC und des 1. FC Saarbrücken nach der Coronapause wieder Leben in die Mannschaft gebracht. Deshalb baute der Verein beim Umbruch auf den erfahrenen Coach, der zuvor Klubs wie die Offenbacher Kickers in die zweite Liga geführt und den FSV Frankfurt dort gehalten hatte. Dafür nahm die SG auch in Kauf Markus Lang vor den Kopf zu stoßen. Ein Trainer, der ihr in den Jahren zuvor als Interimslösung mehrfach aus der Patsche geholfen hatte. Ein Coach, der im Mai 2019 nach dem 2:0-Erfolg bei Fortuna Köln und dem damals verhinderten Abstieg noch als Retter gefeiert wurde. Eine Entscheidung, die sich mittlerweile als Fehler entpuppte. Der 64-jährige Boysen und die runderneuerte Elf wurden einfach keine Einheit. Auch weil unter anderem wichtige Führungsspieler mit dem erfahrenen Coach nicht konnten. Höhepunkt der ganzen Missverständnisse war der Rücktritt des langjährigen Innenverteidigers und Kapitäns Julian Leist nach der Winterpause. Nach etwas mehr als der Hälfte der Saison und einer 0:2-Enttäuschung im Kellerduell gegen Rot-Weiß Koblenz war für Boysen Ende Februar Schluss. Dabei hatte die Mannschaft auch unter ihm immer mal wieder angedeutet, was möglich wäre. Zum Beispiel beim 4:1 zu Saisonbeginn bei Hoffenheim II oder beim 3:1 im Herbst daheim gegen den SSV Ulm und auch beim 7:1 im Februar im Kellerduell zu Hause gegen Pirmasens. Auf der anderen Seite gab es aber unerklärlich schwache Auftritte wie beim 0:4 sowie beim 0:5 und beim 0:3 in der Hinrunde in Steinbach sowie daheim gegen Freiburg II und Stuttgart II. Ob es die richtige Entscheidung war? Fakt ist, dass die 1,125 Punkte, die es unter Boysen im Schnitt gab, auf die ganze Saison gerechnet auch nur zu Rang 18 gereicht hätten.

Walter Thomae (13 Spiele, 10 Punkte, Platz 19): Boysens Nachfolger kam mit viel Vorschusslorbeeren in den Fautenhau. Die hatte sich der 54-Jährige in seinen 13 Jahren im Nachwuchsbereich sowie als Co-Trainer und Coach der U 23 des VfB Stuttgart II erarbeitet. Der Umschwung mit Großaspach gelang dem Fußballlehrer dennoch nicht. Gut zwei Monate später, in denen nur zwei Siege (2:0 beim VfB II, 2:0 in Stadtallendorf) gelangen, warf er das Handtuch. „Ich übernehme die Verantwortung für die Leistungen“, erklärte Thomae. Dass er dabei mit keinem Wort auf die großen personellen Probleme einging, die entstanden waren, nachdem zum Beispiel mit Nico Jüllich, Joel Gerezgiher und Mo Diakite gleich drei wichtige Mittelfeldstützen verletzt fehlten, passt zur Geradlinigkeit des Trainers. Wenn es nach dem Verein gegangen wäre, hätte der ehemalige Oberliga-Fußballer des VfR Heilbronn und von 07 Ludwigsburg nicht gehen müssen. Denn trotz der mageren Ergebnisse gibt es für seine Arbeit und sein Auftreten viel Lob. Von den SG-Verantwortlichen und von der Mannschaft. Dabei holte Aspach unter Thomae im Schnitt nur 0,77 Zähler und erlebte Enttäuschungen wie in den Kellerduellen gegen Schott Mainz (1:4), gegen Kassel (2:3) und in Koblenz (0:3).

Rainer Scharinger (bislang 4 Spiele, 6 Punkte, Platz 19): Der Verbandssportlehrer des Badischen Fußballverbandes ist diese Saison schon der dritte Fußballlehrer, der Aspachs Elf ins Laufen bringen will. Das gelang dem 54-Jährigen einigermaßen. Trotz vieler Ausfälle gab es gegen Aalen (3:2) und bei Mainz 05 II (1:0) zwei Siege in Folge, nachdem die ersten beiden Partien unter Ralf Rangnicks Ex-Co-Trainer verloren gingen (0:2 gegen den FSV Frankfurt, 1:2 in Walldorf). Sein bisheriger Schnitt: ordentliche 1,5 Zähler. Dabei standen Scharinger zuletzt nur noch elf gesunde Feldspieler aus dem Regionalliga-Kader zur Verfügung. All die Probleme ändern jedoch nichts am Ehrgeiz des Interimstrainers für seinen letzten Einsatz als SG-Coach: „Ich will die Sache hier vernünftig zu Ende bringen und gegen Bahlingen den dritten Sieg in Folge holen.“ Für ihn und das Team wäre es ein netter Abschluss. Es reicht aber bei Weitem nicht dafür, um die völlig verkorkste Saison irgendwie noch zu zieren.

Kommentar
Letzter Warnschuss

Von Uwe Flegel

Bei der Sonnenhof wird sich wohl kaum jemand finden lassen, der bedauert, dass diese Saison zu Ende geht. Zu wenig hat bei den Schwaben im ersten Jahr nach dem Drittliga-Abstieg funktioniert. Von der Aufbruchstimmung, die vergangenen Sommer durchaus zu spüren war, ist nichts mehr übrig. Mit Corona und der ständigen Kickerei ohne Fans hat das wenig zu tun. Im Gegenteil. Das Virus hat großen Anteil daran, dass der Viertletzte die Liga doch noch hält. Weil in den drunter angesiedelten Oberligen keine Aufsteiger ermittelt werden konnten, gibt es in der Regionalliga Südwest nun nur noch zwei statt wie ursprünglich geplant sechs Absteiger. Glück für die SG, die trotzdem hoffentlich ihre Lehren aus dieser verkorksten Runde zieht. In der Dritten Liga mag Großaspach finanziell ein kleines Licht gewesen sein, in Liga vier liegt der Verein dahingehend zumindest im soliden Mittelfeld. Das zeigt, dass die Probleme tiefer liegen. Offenbar arbeiten die Beteiligten im Fautenhau nicht mehr miteinander oder sprechen verschiedene Sprachen. Zum wiederholten Mal wurde ein Kader zusammengestellt, der Potenzial hatte, aber nicht zu dem passte, was die Trainer spielen lassen wollten. Entsprechend oft änderten sich die Namen derer, die auf der Bank das Sagen haben. Geblieben sind diejenigen, die sowohl die Übungsleiter wie die Spieler verpflichten. Diese Verantwortlichen haben endlich dafür Sorge zu tragen, dass in Aspach rasch wieder an einem Strang gezogen wird. Sonst geht es eben ein Jahr später ab in die Oberliga.

u.flegel@bkz.de

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Erstellt:
12. Juni 2021, 06:00 Uhr

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