Viel Frust bei der SG Sonnenhof Großaspach und ein paar verbale Scharmützel
Die Regionalliga-Fußballer aus dem Fautenhau haben beim 2:3 in Balingen zweimal die Trümpfe in der Hand, lassen sich aber den Schneid abkaufen und stehen am Ende ohne Punkte da. Ärger bei Hans-Jürgen Boysen über Schiri-Entscheidung kurz vor dem entscheidenden Last-second-Treffer.
© Alexander Becher
Führten zweimal und gingen am Ende trotzdem enttäuscht vom Platz: Großaspachs Regionalliga-Fußballer um David Hummel, Steven Lewerenz, Sebastian Schiek und Max Reule (von links). 2:3 verlor die SG Sonnenhof das Duell in Balingen. Foto: A. Becher
Von Uwe Flegel
Eigentlich hat Benedikt Röcker seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen ja schon beendet. Doch nach der 2:3-Niederlage der Großaspacher Regionalliga-Fußballer bei der TSG Balingen war die Zweikampfstärke des 32-jährigen Sportchefs der SG Sonnenhof plötzlich wieder gefragt. Erst musste er einige seiner Akteure daran hindern, Schiedsrichter Joshua Herbert die Meinung so zu geigen, dass das eventuell eine Sperre nach sich zieht. Danach hatte der Innenverteidiger, der mit Bröndby IF vor eine paar Jahren dänischer Vizemeister und Pokalsieger wurde, alle Hände voll zu tun, dass es zwischen den Siegern und den Verlierern im Anschluss an das sehr intensiv geführte Schwabenduell nach dem Abpfiff nur bei verbalen Scharmützeln blieb. Dabei hatte es in der Halbzeit doch aus den Lautsprechern noch John Lennon mit der Plastic Ono Band gefordert: „Give Peace a Chance“.
Das Duell in Balingen hatte so viele Nerven gekostet, dass die Akteure beider Seiten kurzzeitig an Friedensliebe eingebüßt hatten. Bei den einen brach der Frust über eine sehr bittere Niederlage durch. Die anderen hatten im Überschwang der Erfolgsgefühle vermutlich doch ein wenig arg gestichelt. Rasch hatte sich das Geschehen dann aber wieder beruhigt und es war an den Trainern und ehemaligen Bundesliga-Profis Hans-Jürgen Boysen und Martin Braun sachlich zu erklären, warum die einen mit gesenkten Häuptern vom Platz schlichen, während die anderen überglücklich jubeln durften.
Für Aspachs erfahrenen Coach hatte Schiri Herbert großen Anteil daran. „Diese Entscheidung war dieser Spielklasse nicht würdig“, nahm der 64-Jährige Anstoß an dem Freistoß rund 45 Meter vor dem SG-Gehäuse, der die Niederlage in der fünften Minute der Nachspielzeit einleitete. Wie so viele hatte Boysen nichts an dem Zweikampf zwischen Lukas Müller und Balingens Henry Seeger auszusetzen gehabt. Einen langen Ball, ein wenig Pingpong im Aspacher Strafraum sowie einem entschlossenen Nachsetzen von Innenverteidiger Matthias Schmitz später war hier das Entsetzen und dort der Jubel riesig. Der Ball lag im Aspacher Netz. Der Unparteiische pfiff nicht mehr an. Die Elf vom Fuße des Hohenzollern, der nur kurz zuvor erst der Ausgleich gelungen war, hatte gewonnen. Das Team aus dem Fautenhau hatte nicht nur Angreifer Dominik Salz nach gut 20 Minuten mit einer schweren Sprunggelenkverletzung verloren, sondern stand auch punktemäßig mit leeren Händen da.
Dabei hatte die SG zweimal geführt, hatte beide Male allerdings nicht die Möglichkeiten genutzt, um den Vorsprung zu vergrößern. Nach dem 1:0 von Joel Gerezgiher war Salz frei stehend an Balingens Torhüter Julian Hauser gescheitert, nach dem 2:1 von Sascha Mölders hatte Fabian Messina seinen Distanzschuss an die Latte gejagt. Und zwischendrin sowie danach hatten die Gäste sich vom robusten und zweikampfstarken Team aus dem Zollernalbkreis zu oft den Schneid abkaufen lassen. Hans-Jürgen Boysen urteilte: „Wir haben den Wandel in diesem Spiel selbst zu verantworten.“ Etwas mehr Aggressivität, mehr Galligkeit hätte sich Aspachs Coach von seiner Elf erhofft, denn „es ist normal, dass sich ein Gegner, der selbst noch Punkte braucht, daheim mit Vehemenz gegen eine Niederlage wehrt“.
Auch wenn er wie Balingen in den ersten 25 Minuten fast nur hinterherläuft. „Aspach war da klar besser“, erkannte auch TSG-Trainer Martin Braun. Wie schon erwähnt gelang es seiner Elf aber mit viel Moral und Willen, den Spielfluss der Gäste mehr und mehr zu unterbinden. Nach und nach erarbeiteten sich die Hausherren auch gute Offensivaktionen. Aus dem Nichts fielen beide Ausgleichstore jedenfalls nicht. Ein Teilerfolg wäre vermutlich gerecht gewesen, obwohl Aspach wohl schon dann zwei verlorenen Punkten hinterhergetrauert hätte. Am Ende hätte die SG den einen Zähler aber wohl liebend gerne mitgenommen, hatte das Tor von Schmitz in letzter Sekunde dafür gesorgt, dass es für die Elf aus dem Fautenhau nur noch Frust und Enttäuschung sowie einen Sportchef Röcker in der Rolle als Friedensstifter gab.
