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Volkmers Duell mit dem eigenen Verein

Im Pokal-Gastspiel des Drittligisten beim Neu-Landesligisten Kaisersbach ist Aspachs Pressesprecher für den Gegner am Ball

Wenn Großaspachs Drittliga-Elf am Ball ist, dann ist Lucca Volkmer stets im Einsatz. Als Pressesprecher sorgt der 23-Jährige dafür, dass die SG in der Öffentlichkeit gut dasteht. Entsprechend dicht dran ist er am Team. Auch morgen im WFV-Pokalduell klebt er Julian Leist und Co. an den Fersen. Diesmal aber auf eine andere Art. Als Verteidiger des SV Kaisersbach kämpft Volkmer ab 15.30 Uhr für den Gegner.

Lucca Volkmer ist normalerweise bei der SG Sonnenhof als Pressesprecher am Ball. Diesmal kämpft er allerdings als Verteidiger des SV Kaisersbach gegen seinen eigenen Verein. Fotos: A. Becher/privat

© Sportfotografie Alexander Becher

Lucca Volkmer ist normalerweise bei der SG Sonnenhof als Pressesprecher am Ball. Diesmal kämpft er allerdings als Verteidiger des SV Kaisersbach gegen seinen eigenen Verein. Fotos: A. Becher/privat

Von Uwe Flegel

Lange Zeit wurde über diese eine Möglichkeit nur geflachst. Darüber, dass die Auslosung des WFV ergeben hatte, dass Drittligist Großaspach in der zweiten Pokalrunde beim Sieger des Duells der Landesligisten Pflugfelden gegen Kaisersbach antreten musste. Nach dem 3:2-Sieg des Neulings aus dem Welzheimer Wald beim Favoriten aus der Ludwigsburger Ecke ist Schluss mit lustig. Für den Fußballer Volkmer geht’s mit Kaisersbach gegen den Verein, für den er arbeitet. Ein Traum für ihn, oder ein Alptraum? „Da ich Kicker bei einem Amateurverein bin, ist es ein Traum“, stellt der lang aufgeschossene Abwehrmann fest und erklärt: „Jeder Amateurfußballer will doch mal gegen eine Profimannschaft kicken, erst recht wenn es ein Pflichtspiel ist.“ Dass sich für ihn die Gelegenheit in dieser kuriosen Konstellation ergibt, war allerdings eher nicht sein großer Wunsch.

Nun ist er allerdings keiner, der nicht in der Lage wäre, eine solche Situation richtig einzuschätzen. Er, der schon mit 18 Jahren in seiner Heimatgemeinde fürs Forum Althütte 2000 in den Gemeinderat kam und bei den Kommunalwahlen im Mai mit Stimmenzuwachs wiedergewählt wurde. Er, der beim Favoriten seine Brötchen verdient und für den Außenseiter als Spieler mit großem Einsatz sowie Ehrgeiz auf dem Spielfeld schwitzt, hat für sich beschlossen: „Die Aufgabe ernsthaft und seriös anzugehen, den Vergleich wie ein normales Pflichtspiel anzusehen.“ Das bedeutet: „Ich habe im Vorfeld klargemacht, dass ich nicht als Mittler zwischen den Klubs agiere.“ Wenn es darum ging, wann das Pokalduell angepfiffen wird, wer mit welchen Trikots aufläuft und weitere solche Dinge geklärt werden mussten, hat er sich rausgehalten. „Da gibt es bei beiden Vereinen die dafür zuständigen Personen. Wir in Kaisersbach sind zum Beispiel mit Leuten wie den Duric-Brüdern top besetzt.“ Auch die zwei Trainer hätten sich bisher mit Fragen über den Gegner zurückgehalten, erzählt Volkmer und ist sichtlich froh, dass sowohl Kaisersbachs Coach Leo Gjini wie Aspachs Oliver Zapel ihn nicht noch mehr in die Klemme bringen.

Dass der Vergleich auch für seine Mitspieler nicht die Normalität ist, weiß Volkmer selbstverständlich: „Gleich als das Los bekannt war, war bei uns jedem klar, dass wir in Pflugfelden weiterkommen müssen.“ Das wurde geschafft – und der gebürtige Backnanger, der vor vier Jahren als 19-Jähriger vom Stammverein TSV Althütte zum benachbarten Bezirksligisten Kaisersbach wechselte, war mit am Ball. Dabei war er nur kurz zuvor von einem einwöchigen Urlaub zurückgekehrt und hatte nicht unbedingt damit gerechnet, dass ihn Trainer Gjini in die Anfangsformation beordert.

Am Samstag wiederum will er unbedingt dabei sein, als einer von elf Kaisersbachern. Denn so ungewöhnlich die Situation für ihn ist, will er nicht zu sehr im Mittelpunkt stehen. Trotz all der Freude, die ein gerade in die siebte Liga aufgestiegener Kicker über ein Pokalduell mit Profifußballern hat. Was ihm wichtiger ist: „Mich freut es vor allem für den Verein. Dieses Spiel ist der Lohn für die vielen Jahre zuvor, in denen hier gute Arbeit geleistet wurde.“ Schließlich ist es eine Leistung, wenn ein 2500-Seelen-Dorf drei aktive Mannschaften stellt, ohne groß mit Geldscheinen zu winken. Noch höher einzuschätzen ist dies, wenn ein solcher Klub in die Landesliga aufsteigt, wie der SV Kaisersbach. Die Meisterschaft sei schon klasse gewesen, sagt der 23-Jährige, die morgige Partie sei nun noch die Kirsche auf der Sahne. Deshalb: „Das Ergebnis ist zweitrangig, das Erlebnis ist für uns das Wichtigste.“

Volkmers Duell mit dem eigenen Verein
Info
Für Kaisersbach das Spiel des Jahres

Kaisersbachs Abteilungsleiter Heiner Baier erinnert sich daran, dass es nicht das erste Pflichtspiel zwischen den ersten Mannschaften der beiden Vereine ist. In den 80ern seien sich der FC Sonnenhof Kleinaspach, der sich 1994 mit der Spvgg Großaspach zur SG Sonnenhof zusammenschloss, und der SVK in der Kreisliga B gegenübergestanden: „In Kaisersbach haben wir damals 2:0 gewonnen.“

Auf die Frage, ob das Pokalduell mit dem Drittligisten für den Neu-Landesligisten die Partie des Jahres sei, sagt Heiner Baier: „So ein Spiel kommt sicherlich nicht jedes Jahr vor, zumal noch als ein Pflichtspiel.“ Der Abteilungsleiter sieht es als Belohnung für die Leistung und den Aufstieg seiner Mannschaft in der vergangenen Saison.

Auf eine genaue Zahl, mit wie vielen Zuschauern sein Verein rechnet, will sich Kaisersbachs Fußballboss nicht festlegen: „Da gibt es bei uns verschiedenste Meinungen.“ Auch weil Urlaubszeit sei, man nicht genau wisse, wie das Wetter werde und die Klubs ringsum Testspiele angesetzt hätten. Er sagt: „Wenn es so um die 500 Zuschauer werden, dann ist es gut.“

Wer am Samstag keine Zeit hat, nach Kaisersbach zu fahren, ist beim Pokalspiel dank unserer Zeitung trotzdem stets am Ball. Ab 15.30 Uhr gibt’s im Internet unter www.bkz.de/sport/sg-sonnenhof den gewohnten Liveticker. Zudem gibt’s unter www.fupa.net/rems-murr Videoszenen vom Vergleich zwischen dem Landesligisten und dem Drittligisten aus Aspach.

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Erstellt:
9. August 2019, 06:00 Uhr

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