Weit entfernt von Spaß und Vergnügen

Großaspachs Vorsitzender Andreas Benignus muss mit der SG Sonnenhof gerade sehr harte Zeiten überstehen. Die sportliche Misere der Regionalliga-Fußballer ist in Coronazeiten nur eine Klippe, die der auf vier Köpfe geschrumpfte Vorstand zu umschippern hat.

Kräftig ins Grübeln gekommen: Andreas Benignus. Mit seinen Vorstandskollegen kämpft er darum, den Verein aus dem Fautenhau gut durch die schwierige Zeit zu bekommen. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Kräftig ins Grübeln gekommen: Andreas Benignus. Mit seinen Vorstandskollegen kämpft er darum, den Verein aus dem Fautenhau gut durch die schwierige Zeit zu bekommen. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Andreas Benignus macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Die gesamte Gemengelage ist derzeit nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig.“ Der in Backnang wohnende Vorsitzende der SG Sonnenhof Großaspach spricht sowohl von der sportlichen und finanziellen Situation seines Klubs wie von den Problemen, die die Coronapandemie für die gesamte Gesellschaft mit sich bringt. Wobei die sportliche Misere der Regionalliga-Fußballer die größte SG-Baustelle sein dürfte. Ganz sicher ist auf jeden Fall, dass der sechstletzte Rang und gleichzeitig erste Abstiegsplatz die größte Wirkung entfaltet. Was Wunder, dass sich der 39-Jährige von seiner Elf morgen beim Spitzenreiter SC Freiburg II ein positives Signal erhofft.

Nicht ganz drei Jahre ist Andreas Benignus mittlerweile Vorsitzender im Fautenhau. Dass ein solches Ehrenamt nicht nur Spaß mit sich bringt, wusste er. Schließlich ist der geschäftsführende Gesellschafter eines Immobilienunternehmens Nachfolger seines Vaters Werner und hat in dessen elfjähriger Amtszeit aus nächster Nähe erlebt, was alles dran hängt. Hat gesehen, wie viele Schulterklopfer und Freunde es gibt, wenn der Erfolg stimmt. Hat mitbekommen, wie einsam es wird, wenn es nicht läuft. Wobei diese Erlebnisse beim Herrn Papa und heutigen Ehrenpräsidenten die Ausnahme waren, denn „unser Verein war erfolgsverwöhnt“, so der jüngere Benignus.

In seiner Amtszeit waren Siege und Triumphe bisher dünn gesät. Wurde in der ersten Saison der Drittliga-Abstieg auf den letzten Drücker noch verhindert, klappte das vergangenes Jahr nicht mehr. Allerdings hätte wohl anfangs auch keiner daran geglaubt, dass die SG als mit Abstand kleinster Verein sechs Runden in Folge im deutschen Profifußball mitwirkt und dies zweifelsohne einen riesengroßen Erfolg darstellt. Nun ist eine Klasse tiefer aber schon wieder Überlebenskampf angesagt. Andreas Benignus sagt: „Die letzten zwei Jahre haben sehr viel Kraft gekostet.“ Was Wunder, dass nicht nur Zeit, Geduld und Nerven auf der Strecke blieben. Als siebenköpfiges Vorstandsteam im April 2018 gestartet, sind es mit Benignus, Patrick Eickelmann (Jugend), Michael Ferber (Sport) und Philipp Mergenthaler (Vermarktung und Medien) nun nur noch vier Musketiere, die als Vorstandsteam tapfer weiter kämpfen.

Diese Schrumpfkur will der 39-Jährige nicht ins falsche Licht gerückt sehen: „Da gab’s keinen Streit oder so etwas, das hatte alles gute Gründe.“ Bei Thomas Deters und Joannis Koukoutrigas sei es so, dass beide auch beruflich mit der SG zu tun hätten und „wir beschlossen haben, Haupt- und Ehrenamt im Vorstand sauber zu trennen.“ Heißt, dass Deters als Mann für die kaufmännische Verwaltung und die Finanzen sowie Koukoutrigas als sportlicher Leiter weiter mitmischen, aber eben nicht mehr im Vorstand. Thomas Ferber wiederum bat aus beruflichen Gründen darum, von seinen Aufgaben entbunden zu werden. Als Gastronom, bei dem Groß-Veranstaltungen wie Hochzeiten und Firmenfeiern einen sehr großen Teil des Geschäfts ausmachen, ist Ferber in aktuellen Coronazeiten beruflich stark gefordert, um sich bestmöglich anzupassen. Wichtig ist Benignus, dass die Verkleinerung der Führung eigentlich ein normaler Vorgang gewesen wäre, wenn die für den 3. Dezember geplante Mitgliederversammlung aus Pandemie-gründen nicht verschoben worden wäre.

Eventuell kann die Sitzung nun im Sommer nachgeholt werden, doch schon jetzt steht für Benignus fest, „dass wir uns im Vorstand neu aufstellen müssen und aus unserer Sicht drei Personen an der Spitze ausreichen“. Mit dem Aufsichtsrat würden schon Gespräche geführt, schließlich wird der Vorstand von diesem Gremium berufen. Wer von der jetzigen Führung am Ball bleibt, steht noch nicht fest. Der Vorsitzende erklärt: „Von uns Vieren rennt sicher keiner davon, ohne damit zu sagen, dass alle nach unserer nun auslaufenden Amtszeit an Bord bleiben.“ Schließlich dürfe nicht vergessen werden, dass alle vier beruflich stark eingespannt und auch Familienväter seien, so Benignus, der hinzu fügt: „Wir alle machen es ehrenamtlich und sind mit vollem Herzblut bei der Sache.“ Die nicht vergnügungssteuerpflichtigen Monate der jüngsten Vergangenheit haben daran nichts geändert. Zumal Benignus weiß: „Schwierig ist die Lage gerade ja nicht nur für die SG Sonnenhof.“

Trotz schwieriger finanzieller Situation muss der Verein aus dem Fautenhau nicht auf Pump leben

Zu den Finanzen sagt der SG-Vorsitzende: „Vergangene Saison sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Bedeutet, dass es kein Minus gab. Dabei musste die SG in der Kasse durchaus Ausfälle verkraften. Zum Beispiel fehlten wegen der Insolvenz des 1. FC Kaiserslautern gut 120 000 Euro, die der frühere Deutsche Meister noch für den Transfer von Philipp Hercher hätte berappen müssen. Hinzu kamen die Rückrundenpartien ohne Fans und damit auch ohne Eintrittsgelder.

In der Regionalliga sei der Verein aktuell in der Lage, seinen Verpflichtungen nachzukommen, obwohl das ein harter Kampf sei, erklärt Benignus und macht klar, dass das nur gelingt, „weil wir zum Glück treue Partner haben, die auch in der herausfordernden Zeit hinter uns stehen.“ Und weil die SG die Kosten für ihren Lizenzspielbetrieb um mehr als 40 Prozent senkte. „Dennoch war die Herausforderung noch nie so groß, wir werden erst in den nächsten Wochen und Monaten schlauer sein.“ So fehlen nach dem Abstieg etwa 1,1 Millionen Euro aus der Gesamtvermarktung der Dritten Liga (Fernsehgeld und anderes). Kostete die Drittliga-Elf rund zwei Millionen, stehen für die Regionalliga nicht viel mehr als eine Million Euro zur Verfügung.

Mit Blick in die Zukunft bietet sich Benignus selbst noch kein klares Bild: „Ich weiß derzeit nicht genau, welches Budget für die nächste Saison zur Verfügung steht, wir sind gerade in vielen Gesprächen.“ Fest steht für den Vorsitzenden und echten Schwaben nur: „Nach wie vor leben wir nicht auf Pump und werden das auch künftig nicht tun.“

Wichtig ist dem 39-Jährigen, dass es bei seinem Verein in jüngster Vergangenheit nicht nur Negatives gegeben hat. „Nehmen wir beispielsweise den Jugendbereich: Dort leisten unser Vorstandsmitglied Patrick Eickelmann und seine Mitstreiter – allen voran die Jugendtrainer - sehr gute Arbeit. Da hängen sich alle richtig rein, in dem sie in der Corona-Zwangspause die Jungs zum Beispiel mit Zoom-Meetings und mit Trainingseinheiten für je zwei Personen beschäftigt haben.“ Auch die Eltern hätten toll mitgezogen, hier bestehe große Dankbarkeit, erzählt Benignus und sagt: „Positiv ist auch, dass uns die Gemeinde Aspach nach Kräften unterstützt.“

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Erstellt:
13. März 2021, 06:00 Uhr

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