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Remstalkellerei vor hartem Schnitt

Nach der Generalversammlung lautet die Devise „keine Denkverbote“ – Werden die Gebäude in Beutelsbach aufgegeben?

Die wirtschaftliche Lage der Remstalkellerei ist prekär. Die Zukunft der Genossenschaft ist ungewisser denn je. Das Sanierungskonzept, das der Vorstand im Frühjahr den Mitgliedern präsentierte, ist wieder Makulatur. Es reicht nicht, dass die Remstaler Weine bloß besser vermarktet werden müssten, um die Genossenschaft aus der schweren Krise zu holen. Es geht ums Eingemachte.

Möglicherweise gibt die Remstalkellerei das große Gelände in Beutelsbach auf und lässt den Wein künftig von der WZG ausbauen. Foto: J. Mogck

© Joachim Mogck

Möglicherweise gibt die Remstalkellerei das große Gelände in Beutelsbach auf und lässt den Wein künftig von der WZG ausbauen. Foto: J. Mogck

Von Martin Winterling

WEINSTADT. Inzwischen ist nicht mehr ausgeschlossen, dass die Remstalkellerei ihr teures, 1,3 Hektar großes Kellereigelände in Beutelsbach aufgibt und die Weine bei der Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) ausbauen lässt. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Dienstagnachmittag in Großheppach. Kurz vor 17 Uhr hat sich vor der Prinz-Eugen-Halle in Großheppach eine kleine Schlange gebildet. Die Mitglieder lassen sich registrieren und tragen sich in die Listen ein. An der Tür hängt ein Schild „Weinberg 26 Ar in Großheppach zu verpachten“. Besser lässt sich die Stimmung vieler Wengerter nicht ausdrücken. Viele haben der Genossenschaft bereits den Rücken gekehrt oder würden dies liebend gern tun. Wenn sie denn eine Alternative hätten. Denn auch bei den selbstvermarktenden Weingütern wachsen die Reben nicht in den Himmel.

Dass Vorstand und Aufsichtsrat die jährliche Generalversammlung nicht traditionell im Juni, sondern erst auf Ende November einberufen haben, hat einen einfachen Grund: Im Sommer fehlten verlässliche Zahlen, nachdem der neue Geschäftsführer Peter Jung jetzt vor einem Jahr die Notbremse gezogen hatte, mit einem Brandbrief die Mitglieder über die dramatische wirtschaftliche Lage der Genossenschaft informierte und das Traubengeld einfror.

Vorstand räumt gleich zu Beginn Formfehler bei der Einladung ein

Am Dienstag sollten nun Geschäftsführer und Vorstand bei einer Generalversammlung Rechenschaft über das Geschäftsjahr 2018 ablegen. Doch Peter Jung musste gleich zu Anfang einen Formfehler bei der Einladung einräumen. Die Remstalkellerei hatte nur noch alle aktiven Wengerter eingeladen und damit die Hälfte der 1150 Remstalmitglieder im Vorfeld ausgeschlossen. Dieser Ausschluss trug die Gefahr in sich, dass die Versammlung wiederholt hätte werden müssen. Die Generalversammlung wurde zu einer Infoveranstaltung umdeklariert. „Mein Fehler“, sagte Jung bei einem Pressegespräch am Mittwoch, bei dem er und die Vorstandsmitglieder Heike Schacherl, Werner Schaal und Christoph Schwegler über die Versammlung berichteten.

Dienstag, 17.15 Uhr. Die Veranstaltung beginnt hinter verschlossenen Türen. Dem Vernehmen nach warf aber schon die Pleite bei den Einladungen einen dunklen Schatten auf Geschäftsführung, Vorstand und Aufsichtsrat. Der Prüfungsbericht des Genossenschaftsverbands tat ein Übriges, dass die Stimmung der meisten Mitglieder im Keller blieb. Wie ein Teilnehmer berichtete, ließ die Prüferin kein gutes Haar an der wirtschaftlichen Lage wie auch an Vorstand und Aufsichtsrat. Die Liquidität sei noch gewährleistet, die Rücklagen bald aufgebraucht. Das auf bessere Vermarktung abzielende Sanierungskonzept wurde als unzureichend erachtet. Auf Anfrage erklärte der Verband, dass Prüfungsberichte lediglich in den Generalversammlungen in Auszügen vorgestellt werden, aber ansonsten nicht öffentlich sind.

Beim Pressegespräch bestätigte die für Finanzen zuständige Schacherl, dass sie den Mitgliedern weitreichend Szenarien vorgestellt hat, wie die Zukunft ausschauen könnte. Geschäftsführer Jung hatte die Devise „keine Denkverbote“ ausgegeben. Ursache der Misere seien die hohen Fixkosten, die der Genossenschaft über den Kopf wachsen. Umsatz und Absatz gehen zurück. Die Rebfläche der Remstalkellerei schrumpfte von einst 800 Hektar auf heute 500. Statt Masse ist auf dem Weinmarkt längst Klasse gefragt, sodass auch viele der riesigen Tanks unter der Erde leer bleiben. Die Perspektive ist schlecht: Mit dem Abschied der Ortsgenossenschaften Stetten und womöglich Korb werden es in wenigen Jahren nur noch 300 Hektar sein.

Am Mittwochabend steht bei der Weingärtnergenossenschaft Korb und Steinreinach das Thema Remstalkellerei auf der Tagesordnung. Die WG will wie vor einem Jahr die Ortsgenossenschaft Stetten ihren Vertrag mit der Remstalkellerei aufkündigen und mit der WZG zusammenarbeiten. Wie der Vorsitzende Ruppert Häußermann auf Anfrage erklärte, stünden die Zeichen nach der gescheiterten Generalversammlung am Dienstag mehr denn je auf Abschied. Dass die Remstalkellerei den Standort in der Kaiserstraße aufgibt, das Gelände verkauft und künftig ebenfalls mit der WZG zusammenarbeitet, ist aus seiner Sicht eine „gute Lösung“. Denn die Zeit drängt vor allem für die Wengerter. Ihnen breche bei dem geringen Traubengeld, das sie von der Remstalkellerei erhalten, die wirtschaftliche Basis weg. Dass vereinzelt Weinberge nicht oder schlampig bewirtschaftet werden, sei eine Gefahr für alle Weinbaubetriebe. Krankheiten könnten sich ausbreiten und auf die Nachbarwengerte übergreifen.

Egal, wie es mit der Remstalkellerei weitergeht. Die Pläne für eine zentrale Kelter sind nicht vom Tisch, betont Werner Schaal. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Remstalkellerei und Vorsitzender der Weingärtner Remstal eG, in der sich die Ortsgenossenschaften Beutelsbach, Endersbach, Strümpfelbach, Kleinheppach und Großheppach mit ihren 280 Hektar Rebfläche zusammenschlossen, um ihre Trauben gemeinsam zu erfassen. „Es gibt keine Alternative dazu!“, betont Schaal. Diese neue Kelter sei notwendig, um den nächsten Schritt hin zu besseren Qualitäten zu machen.

Voraussichtlich wird die gescheiterte Generalversammlung in der letzten Januarwoche 2020 wiederholt. Eine Entscheidung über die Zukunft werde nicht fallen, sagt Heike Schacherl. Sie hat trotz der teilweise schlechten Stimmung am Dienstag den Eindruck, dass die Genossenschaft eine Zukunft hat. „Die Mitglieder glauben an die Remstalkellerei.“

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Erstellt:
29. November 2019, 06:00 Uhr

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