Auf den Spuren der römischen Geschichte

Limes, historische Funde und wiederaufgebaute Standorte erinnern im Schwäbisch-Fränkischen Wald an die Zeit der Römer.

Der Graber Limesturm ist ein etwa zehn Meter hoher, original nachgebauter Steinturm inklusive Holzpalisade, Wall und Graben. Foto: Schwäbischer Wald Tourismus

Der Graber Limesturm ist ein etwa zehn Meter hoher, original nachgebauter Steinturm inklusive Holzpalisade, Wall und Graben. Foto: Schwäbischer Wald Tourismus

Es ist lange, lange her und doch lässt sich immer noch auf ihren Spuren wandeln: Die Römer waren auch im Schwäbisch-Fränkischen Wald präsent. Da ist beispielsweise der obergermanisch-rätische Limes, der sich wie ein roter Faden durch die Region zieht, aber auch Funde und wiederaufgebaute Standorte zeugen von dem einstigen Wirken der Römer. Wer in ihre Kultur und die damalige Zeit eintauchen möchte, hat viele Möglichkeiten. Wir stellen fünf Anlaufstellen vor.

Der Graber Limesturm in Großerlach

Der Heidenbuckel ist der zweithöchste Geländepunkt am obergermanischen Limes und befindet sich ungefähr einen Kilometer südlich von Grab. Ein gut gewählter Punkt, um einen Wachturm wiederauferstehen zu lassen. Der Graber Limesturm ist ein etwa zehn Meter hoher, original nachgebauter Steinturm inklusive Holzpalisade, Wall und Graben. Er hat einen quadratischen Grundriss von 4,3 auf 4,3 Meter und entstand als erster neu errichteter Wachturm in Baden-Württemberg in den Jahren 1981/82. Beim Wiederaufbau hat man sich an den Erkenntnissen archäologischer Untersuchungen orientiert. Interessantes Detail: Ursprünglich gab es keinen Eingang am Fuß des Turms. Nicht umsonst, denn so waren die Römer dort nicht nur vor Tieren, sondern auch vor Angreifern geschützt. Sie kamen mit einer mobilen Leiter, die sie am Mauerwerk anlegten, zum ersten Obergeschoss des Wachturms. Der Wachturm umfasst neben einem fensterlosen Vorratsraum im Erdgeschoss ein darüberliegendes (Wohn-)Geschoss und Räume für den Wachdienst.

Am Graber Limesturm beginnt außerdem der erste, etwa 28 Kilometer lange Limeslehrpfad Baden-Württembergs, der mit Informationstafeln beschildert ist und über Mainhardt und Pfedelbach bis nach Öhringen führt. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage der Gemeinde unter www.grosserlach.de.

Das Römerbad im Ärztehaus in Murrhard

Konnten es sich die Römer, salopp gesagt, in Murrhardt auch gut gehen lassen? Zumindest hatten die dort im Kastell Stationierten um 160 nach Christus Gelegenheit, in einem römischen Bad Körperkultur zu betreiben. Dies entdeckte man sehr viel später – im modernen Murrhardt.

Die Funde rund um das römische Bad können im Foyer des Ärztehauses, Theodor-Heuss-Straße 1 in Murrhardt, besichtigt werden. Es ist offen zugänglich. Dort finden sich auch Erläuterungen zu den Hintergründen – in Schaukästen gegenüber den restaurierten Funden. Foto: Stefan Bossow

© Stefan Bossow

Die Funde rund um das römische Bad können im Foyer des Ärztehauses, Theodor-Heuss-Straße 1 in Murrhardt, besichtigt werden. Es ist offen zugänglich. Dort finden sich auch Erläuterungen zu den Hintergründen – in Schaukästen gegenüber den restaurierten Funden. Foto: Stefan Bossow

Es war im September 2010, als man zufällig auf die Reste des Gebäudes stieß – nach dem Spatenstich für ein neues Ärztehaus an der Theodor-Heuss-Straße und den sich anschließenden ersten Baggerarbeiten. Diese mussten ruhen und das Landesdenkmalamt wurde informiert. Es folgten Grabungsarbeiten unter der Leitung von Andreas Thiel vom Landesamt für Denkmalpflege. Fachleute sowie ehrenamtliche Helfer machten sich daran, die noch erhaltenen Teile des Bads aus der Erde zu schälen – die Südseite mit einer Apsis des ehemaligen Heißbaderaums oder Reste eines Kaltwasserbeckens und des Heizungssystems. Eine der Besonderheiten: ein großer Kanal, der unter einem nebenstehenden Gebäude verlief und auf eine Art Entwässerungsanlage hindeutete. Man geht davon aus, dass das römische Bad zu dem Kastell der XXIV. Kohorte gehörte, das südöstlich lag. Nach der Dokumentation wurden zwei große, tonnenschwere Blöcke der Funde gehoben und später in den Rohbau des Ärztehauses integriert.

Kastellort am ober-germanischen Limes in Welzheim

Welzheim gehörte zu den wichtigsten Truppenstandorten am obergermanischen Limes, der von etwa 160 bis 260 nach Christus bestand. Greifbar wird dies durch die verschiedenen Kastelle innerhalb des heutigen Stadtgebiets: das Ost- und Westkastell, hinzu kommt das Kleinkastell Rötelsee etwas außerhalb. Das Westtor des Ostkastells wurde 1981 rekonstruiert. Grundlage waren bildliche Darstellungen aus römischer Zeit und Fundstücke aus anderen Militäranlagen. Konserviert wurden aber auch Reste eines größeren Gebäudekomplexes, der vermutlich als Speicher genutzt wurde, sowie das Badehaus. In der Südwestecke der Anlage befindet sich noch einer der beiden Brunnen, die sich für die Archäologen als wahre Fundgrube entpuppten: Man entdeckte Dutzende von Männer-, Frauen- und Kinderschuhen. Es handelt sich um den bislang größten Fund antiker römischer Schuhe. Sie sind im städtischen Museum Welzheim zu sehen

Welzheim gehörte zu den wichtigsten Truppenstandorten am obergermanischen Limes, der von etwa 160 bis 260 nach Christus bestand. Foto: privat

Welzheim gehörte zu den wichtigsten Truppenstandorten am obergermanischen Limes, der von etwa 160 bis 260 nach Christus bestand. Foto: privat

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Das Westkastell ist heute weitgehend modern überbaut. Dort kam einst eine rund 500 starke Reitereinheit unter. Man geht davon aus, dass diese sich einfallenden Germanengruppen entgegenstellte. Im August 2011 kam im Zuge eines Einfamilienhausbaus ein herausragender Fund hinzu: ein Bronzeschatz aus dem 2. und 3. Jahrhundert mit Gefäßen und Teilen der Paradeausrüstungen für Reitersoldaten und deren Pferde.

Das Freilichtmuseum Archäologischer Park Ostkastell, Rienharzer Straße 95 a, Welzheim, ist jederzeit kostenlos zugänglich. Schautafeln erläutern Gebiet und Funde. Infos zum Museum Welzheim, Pfarrstraße 8, finden sich unter www.museumwelzheim.de. Es hat jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet und zeigt bis 8. November die aktuelle Schau „Faszination 20(00)“ zum Leben am Limes.

Römische Sammlung im Carl-Schweizer-Museum in Murrhardt

Das Carl-Schweizer-Museum in Murrhardt widmet der römischen Geschichte eine ganze Abteilung. Ausgangspunkt ist die einstige Grenzsiedlung „vicus murrensis“ – ein Dorf mit Kastellen, Tempelanlagen und Gutshöfen. Verschiedene Denkmäler, Inschriftensteine, Altäre sowie Kleinfunde geben Einblick in die antike Kultur. Eine der Besonderheiten ist die Rekonstruktion eines großen Pfeilergrabmals mit Darstellung von Götterbildnissen und der kapitolinischen Wölfin (bezieht sich auf die Gründungssage Roms), ein in Deutschland einzigartiger Fund.

Das Carl-Schweizer-Museum in Murrhardt widmet der römischen Geschichte eine ganze Abteilung. Foto: Stefan Bossow

© Photographer: Stefan Bossow

Das Carl-Schweizer-Museum in Murrhardt widmet der römischen Geschichte eine ganze Abteilung. Foto: Stefan Bossow

Zudem vermitteln Kopien weiterer Grab- und Weihesteine mit ihren Inschriften eindrücklich den damaligen hiesigen Lebensstandard am Limes. Ebenfalls eine Besonderheit stellen außergewöhnliche Bronzefunde dar – ein Schwert einer Kaiserstatue sowie Zierteile eines römischen Blasinstruments, ein Cornu. Auch finden sich Zinnfiguren-Dioramen in der Sammlung, die das Leben im „vicus murrensis“ beispielhaft illustrieren. Darüber hinaus präsentiert das Museum Funde des ehemaligen Kastellbads.

Das Carl-Schweizer-Museum befindet sich in der Seegasse 36 in Murrhardt. Die Öffnungszeiten und weitere Informationen zum Haus finden sich im Internet auf der Homepage www.carl-schweizer-museum.de. Telefonisch lässt sich unter der Rufnummer 07192/5402 Kontakt aufnehmen.

Unterwegs mit den Cicerones – Antike hautnah erleben

Wem es nicht so leichtfällt, sich anhand von Fundstücken und Mauerresten in die antike Geschichte hineinzudenken, für den gibt auch eine ganz andere Art, ins Thema einzusteigen: eine Führung mit einer Limes-Cicerona oder einem Limes-Cicerone.

Seit 2005 wollen die Limes-Cicerones die Geschichte rund um den Limes – künftiges Unesco-Welterbe – lebendig und gleichzeitig historisch stimmig vermitteln. Foto: Stefan Bossow

© Photographer: Stefan Bossow

Seit 2005 wollen die Limes-Cicerones die Geschichte rund um den Limes – künftiges Unesco-Welterbe – lebendig und gleichzeitig historisch stimmig vermitteln. Foto: Stefan Bossow

Im Jahr 2004 gelang dem Verein Schwäbischer Wald Tourismus, damals noch die Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald, ein echter Coup, nämlich im Schulterschluss mit dem Rems-Murr-Kreis und dem Archäologischen Landesmuseum qualifizierte Führerinnen und Führer auszubilden. Auch der Ostalbkreis wurde mit ins Boot geholt. Die Mission: die Geschichte rund um den Limes – künftiges Unesco-Welterbe – lebendig und gleichzeitig historisch stimmig zu vermitteln. Seit 2005 begleiten Limes-Cicerones Gruppen bei Rundgängen, bespielen Orte wie das Ostkastell oder das Römerbad mit besonderen Aktionen oder unterstützen Veranstaltungen mit ihrem anschaulichen Wissen. Weitere Informationen zu Führungen und bereits feststehenden Terminen finden sich auf www.limes-cicerones.eu.

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Erstellt:
22. August 2026, 15:00 Uhr

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