Nationalmannschaft
Ter Stegen – die Nummer eins im DFB-Tor gesteht Zweifel ein
Nach langer Leidenszeit kehrt der 34-Jährige zwischen die Pfosten zurück. Zuvor gewährt der Schlussmann Einblicke in sein Seelenleben.
© IMAGO/Marc Schueler
Zugepackt: der Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen beim Training in Herzogenaurach
Von Carlos Ubina
Ruhe ausstrahlen. Das erwartet Jürgen Klopp von seinem Stammtorhüter. Und Marc-André ter Stegen will die Ansprüche des neuen Bundestrainers natürlich erfüllen. Weil es sowohl seinem Ehrgeiz entspricht als auch seinem Naturell. Der 34-Jährige will immer die beste Version von sich selbst auf dem Fußballplatz zeigen, wie er kürzlich nach seiner Nominierung erklärt hat – und die nächste Gelegenheit bietet sich in seiner neuen Wahlheimat Amsterdam an diesem Donnerstag (20.45 Uhr/RTL). Die deutsche Nationalmannschaft tritt in der Nations League gegen die Niederlande an und für ter Stegen soll damit eine lange Leidenszeit zu Ende gehen.
In den vergangenen zwei Spielzeiten verpasste ter Stegen allein auf Clubebene 102 Pflichtpartien aufgrund von Verletzungen. Nur zwölfmal stand er zwischen den Pfosten, wenn es beim FC Barcelona, dem FC Girona oder aktuell Ajax Amsterdam um etwas ging. In der Nationalmannschaft liegt sein bislang letzter Einsatz mehr als ein Jahr zurück. Am 8. Juni 2025 gegen Frankreich (0:2) war das. Nun hat ihn Klopp in den Kreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgeholt – mit einer klaren Ansage: „Für den Moment ist er die Nummer eins.“
Für den Bundestrainer hat ter Stegen nicht an Qualität eingebüßt. Er verfügt über ein komplettes Torwartspiel, mit Händen und Füßen. „Er ist fit, er ist genau der gleiche Torwart, der er vorher war – wir haben da ganz genau hingeschaut. Und er bringt die notwendige Erfahrung mit“, so Klopp. Ter Stegen bedeutet das ihm entgegen gebrachte Vertrauen viel. Gerade weil er in den vergangenen Monaten anderes erlebt hat. In Barcelona wurde er als Kapitän auf das Abstellgleis geschoben. Deshalb ließ er sich kurzerhand zum Abstiegskandidaten Girona ausleihen, um wenigstens Spielpraxis für die bevorstehende WM zu sammeln. Das ging aufgrund einer Verletzung schief und nun hat sich der Routinier dem niederländischen Rekordmeister auf Leihbasis angeschlossen.
Es soll ein Neuanfang sein, in doppelter Hinsicht. Zum einen will ter Stegen nach einem Patellasehnen-Riss, einer Rücken-Operation und einer schweren Muskelverletzung im Oberschenkel konstant sein ursprüngliches Niveau erreichen und zum anderen will er endlich das DFB-Tor dauerhaft hüten. Denn nach Manuel Neuers vorläufigem Rücktritt nach der EM 2024 schien der frühere Gladbacher aus dem Schatten des ewigen Manu heraustreten zu können.
Den Status als Nummer eins unter Julian Nagelsmann bewahrte ter Stegen jedoch nur vier Länderspiele lang, zwei im September 2024 und zwei im Juni 2025. Die ständigen Zwangspausen führten somit zu einer schweren Zeit, die auch von Selbstzweifeln begleitet war. „Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich nicht auch öfter mal gezweifelt habe – gerade nach einer Verletzung, gerade wenn die eine in die nächste übergeht“, ter Stegen im Interview mit RTL/Sky ausgeführt: „Du fängst an, zu zweifeln – und es fühlt sich alles nicht gut an.“
Aufgeben war dennoch keine Option. Das passt nicht zu einem Musterprofi, der immer wieder Rückschläge verkraftet hat. Sei es auf sportlicher Ebene, weil ihm trotz jahrelanger Weltklasse-Leistungen Neuer vorgezogen wurde oder sei es, weil der Körper zuletzt nicht mehr mitspielte. Ter Stegen freut sich nach 44 Länderspielen auf sein Comeback im DFB-Trikot. „Für mich ist es immer etwas Besonderes, jetzt auch wieder hier zu sein. Vor allen Dingen dann, wenn du eine Zeit hattest, in der es nicht so gelaufen ist, wie du es dir vorgestellt hast, wenn dein Körper dir nicht zur Seite stand, dann weißt du es natürlich umso mehr zu schätzen“, sagt der Torhüter in aller Ruhe.
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Der Bundestrainer Jürgen Klopp hat seinen Spaß bei den Übungseinheiten mit der Nationalmannschaft.
