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Nur einmal hatten Großaspachs Fußballer nach 20 Partien weniger Punkte auf dem Konto als in ihrer mittlerweile fünften Drittliga-Spielzeit. 20 Zähler waren es in der Premierensaison, einer mehr steht aktuell zu Buche. Aber: Damals belegte die SG Sonnenhof als 16. keinen Abstiegsplatz, nun als 17. eben schon. Für die prekäre Tabellensituation gibt es im Wesentlichen zwei Erklärungen: Die unglaublich vielen Unentschieden und die erschreckend harmlose Offensive.

© Sportfotografie Alexander Becher

Von Steffen Grün

Möglichst schnell 45 oder 46 Punkte einzusammeln, um in Sachen Ligaverbleib auf der sicheren Seite zu sein, ist seit dem Drittliga-Aufstieg vor viereinhalb Jahren grundsätzlich das Ziel der Aspacher. Zum zweiten Mal sind sie davon in der Winterpause noch ein gutes Stück entfernt, und wie bereits 2014 kam es deshalb im Laufe der Hinserie zum Trainerwechsel. Damals löste Uwe Rapolder den Aufstiegshelden Rüdiger Rehm ab, der unter der Doppelbelastung des Alltags im Fautenhau und des Trainerlehrgangs in Hennef litt. Als es unter Rapolder in der Rückrunde nicht mehr weiterging, kehrte Rehm zurück und führte das Team an das rettende Ufer.

Eine solche Volte ist in dieser Spielzeit ausgeschlossen – schon alleine deswegen, weil der am 5. Oktober entlassene Sascha Hildmann einen neuen Job hat und es am Samstag, 26. Januar, zum Auftakt des neuen Jahres auf dem Betzenberg in Kaiserslautern zum Duell mit seinem Ex-Verein kommt. Und mit seinem Nachfolger Florian Schnorrenberg, unter dem es zunächst einen spür- und messbaren Aufwärtstrend gab, der mit drei Pleiten in Folge und zuletzt mal wieder zwei Punkteteilungen allerdings auch wieder ein wenig abflachte. Ein Blick auf ein paar wichtige Zwischenstationen an den bisherigen 20 Spieltagen.

Der unglückliche Auftakt: In Jena führen die Schwaben nach 81 Minuten und Toren von Philipp Hercher sowie Makana Baku mit 2:1, ehe ein unnötiger Ballverlust von Yannick Thermann in eine Situation mündet, in der Kai Gehring den Ausgleich nur noch mit einer Notbremse am Strafraumrand verhindern kann. Der Innenverteidiger sieht Rot, die Einheimischen verwandeln den fälligen Freistoß und packen in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Siegtreffer drauf. Für die Aspacher ist es nach zwei Siegen und zwei Unentschieden in den vergangenen Jahren die erste Auftaktniederlage in der Dritten Liga, und sie kommt maximal unglücklich zustande.

Das erste Remis: Zum ersten Heimspiel wird ausgerechnet der vierfache deutsche Meister und Zweitliga-Absteiger Kaiserslautern erwartet. 9500 Zuschauer sorgen für eine volle Hütte und sehen eine gute Partie mit einem gerechten Ergebnis – 1:1. Niemand bei den Hausherren ahnt zu dem Zeitpunkt, dass es nur das erste von sage und schreibe zwölf Unentschieden ist, die Aspach in den ersten 20 Spielen einsammelt. „Das ist eine krasse Bilanz, die aber zeigt, wie ausgeglichen die Dritte Liga ist“, meint SG-Sportchef Joannis Koukoutrigas: „Es entscheiden Nuancen über Sieg oder Niederlage.“ Oder es gibt eben keinen Gewinner und keinen Verlierer.

Der einzige Auswärtssieg: Eine überragende erste Halbzeit beschert der Truppe aus dem Fautenhau den 2:0-Sieg in Lotte und mit vier Punkten aus drei Spielen einen ordentlichen Start. Philipp Hercher steuert beide Treffer bei, der von Nürnbergs Regionalliga-Team geholte 22-Jährige ist der Mann der Stunde. Das Problem: Er netzt in den weiteren 17 Spielen bis Weihnachten nur noch zweimal ein, ist mit insgesamt fünf Treffern aber noch immer Großaspachs gefährlichster Schütze. Ansonsten hängt vieles an Routinier Timo Röttger, der vier Tore auf dem Konto hat und die Gegner mit seinem Engagement und seiner Schlitzohrigkeit beschäftigt.

Das erste 0:0: Es ist am vierten Spieltag ein respektables Resultat im eigenen Stadion, im Rückblick allemal. Die Gäste aus Osnabrück führen die Tabelle derzeit mit 41 Punkten an. Dritter ist der Neuling aus Uerdingen, bei dem die SG Sonnenhof am Spieltag darauf gleich ein torloses Remis nachschiebt. Vier weitere Male lautet der Endstand 0:0, insgesamt bleibt Aspach in neun Partien ohne eigenen Treffer. Kein Wunder, dass die Schwaben mit 16 Toren die mit Abstand schwächste Offensive der Liga stellen. „Uns fehlt der letzte Punch, ein Tor auch mal zu erzwingen“, bemängelt Koukoutrigas, „denn die Torchancen sind in der Regel vorhanden.“ Der Sportchef räumt ein, dass von den im Sommer verpflichteten Offensivakteuren einige ordentlich hinter den Erwartungen blieben. Stéphane Mvibudulu, Joel Gerezgiher und Mike Owusu eint ihre Torlosigkeit. Auch Jonas Meiser jubelte noch nicht, ist als 19- jähriges Talent aber anders zu bewerten. Es gibt aber auch den anderen Blickwinkel, denn Aspach teilt sich mit 20 Gegentoren mit zwei weiteren Klubs die drittbeste Defensive. „Man verteidigt zusammen und greift zusammen an – im Moment klappt das Abwehrverhalten besser als das Offensivspiel“, sagt Koukoutrigas.

Das Aus für Hildmann: Mit dem 1:1 gegen Unterhaching stehen nach dem zehnten Saisonspiel zehn Punkte in der Statistik. Zu wenig, aber vielleicht auch noch zu viel, um dem Trainer den Laufpass zu geben. Vier Tage später erlaubt sich die SG aber mal wieder eine Pokal-Peinlichkeit, scheidet im Achtelfinale zum dritten Mal in Folge gegen einen Verbandsligisten aus – 2:3 in Essingen nach einem 0:3-Pausenrückstand. Hildmann muss gehen, Koukoutrigas begründet es mit der „Gesamtentwicklung“ im Jahr 2018: In der zweiten Hälfte der alten Saison waren nur 16 Zähler herausgesprungen, nun der schwache Start und als i-Tüpfelchen die Pokal-Blamage. Assistenzcoach Zlatko Blaskic übernimmt vorrübergehend, verantwortet ein 0:0 in Würzburg – schon wieder 0:0.

Das Debüt von Schnorrenberg: Mit dem 1:0 gegen Meppen, bei dem Hercher in der dritten Minute der Nachspielzeit das goldene Tor erzielt, legt Aspach ein Thema zu den Akten, das ein unliebsamer Begleiter war: Wann klappt es endlich wieder mit einem Heimsieg? Rund elf Monate musste die SG Sonnenhof warten, bei der Premiere des neuen Trainers ist es sofort so weit. Mit dem 3:1 gegen Münster gibt es drei Wochen später einen weiteren Heimdreier, die Schwaben bleiben in den ersten vier Begegnungen unter Schnorrenberg ungeschlagen und holen acht Punkte. Wer allerdings glaubte, das ginge so weiter, sieht sich getäuscht: Es folgen drei Niederlagen und danach zwei Remis, vor allem die magere Ausbeute von zwei Punkten aus den Duellen mit den direkten Abstiegsrivalen aus Zwickau, Köln und Jena tut weh. Der Trainer bemüht sich aber, die Ergebnisse nach den Spielverläufen zu bewerten, und so seien sie „in Ordnung“ gewesen.

Der Ausblick: In den Vorjahren war die Rückrunde die schlechtere Hälfte. Das muss nun anders werden, soll es mit dem Klassenverbleib klappen. Helfen sollen Winterzugänge: Rechtsverteidiger Niklas Sommer und Stürmer Dominik Martinovic stehen fest, eine weitere Verstärkung für vorne wäre keine Überraschung. Dazu hofft die SG auf weniger Verletzungspech und die Rückkehr von Spielern wie Marco Hingerl und Dan-Patrick Poggenberg.

Hintergrund
Keeper Kevin Broll verpasst keine Sekunde, zwei Feldspieler immerhin keine Partie

Die Unverzichtbaren: Der Torwart ist der einzige Aspacher, der keine einzige Sekunde verpasste: Kevin Broll stand in allen 20 Begegnungen vom Anstoß bis zum Schlusspfiff zwischen den Pfosten, macht 1800 Minuten ohne Nachspielzeit. Das schafften in der Dritten Liga nur zehn weitere Akteure: Die Keeper Daniel Bernhardt (VfR Aalen), Markus Kolke (SV Wehen Wiesbaden), Lukas Königshofer (Spvgg Unterhaching), Steve Kroll (SF Lotte), Nikolai Rehnen (Fortuna Köln), Avdo Spahic (Energie Cottbus) und Benjamin Uphoff (Karlsruher SC) sowie mit David Pisot, Marco Thiede (beide KSC) und Sebastian Schuppan (Würzburger Kickers) immerhin auch drei Feldspieler.

Die Voll- und Teilzeitarbeiter: Neben Broll brachten es mit Philipp Hercher und Makana Baku nur noch zwei weitere SG-Spieler auf 20 Einsätze, die aber nicht alle die vollen 90 Minuten dauerten. Jeweils nur eine Partie verpassten Kapitän Julian Leist und Sebastian Bösel, sehr gefragt waren auch die Dienste von Korbinian Burger (18 Einsätze), Patrick Choroba (17), Timo Röttger, Shqiprim Binakaj (beide 16), Dominik Pelivan und Kai Gehring (beide 15). Und der Rest? Mike Owusu (13), Marco Hingerl, Yannick Thermann (beide 12), Michael Vitzthum, Joel Gerezgiher, Jonas Meiser (alle 8), Jamil Dem (7), Dan-Patrick Poggenberg (6), Stéphane Mvibudulu (5), Jeff-Denis Fehr (2) und Jannes Hoffmann (1).

Die Tormisere: Nur 16 Tore hat Aspach erzielt, der Führende der Torschützenliste hat alleine 13 Treffer auf dem Konto. Es ist Stephan Hain von der Spvgg Unterhaching, ihm folgt Karlsruhes Marvin Pourié (11). Die wenigen SG-Buden verteilen sich auf sechs Akteure: Philipp Hercher (5), Timo Röttger (4), Makana Baku, Dominik Pelivan, Marco Hingerl (alle 2) und Shqiprim Binakaj.

Die Sünderkartei: Zehn Rote Karten gab es in der Dritten Liga bislang, eine davon sah Aspachs Kai Gehring. Von den 18 Ampelkarten holte sich Jonas Meiser eine ab.

Die Zuschauer: Krösus in dieser Hinsicht ist Kaiserslautern, die FCK-Heimspiele wurden von durchschnittlich 23354 Besuchern beobachtet. Fünfstellige Zahlen liefern auch Eintracht Braunschweig (17075), Hansa Rostock (15218), 1860 München (15000), der Karlsruher SC (13188) und der VfL Osnabrück (10724). Wie in der Tabelle belegt die SG Sonnenhof auch in dieser Wertung den 17. Platz, im Schnitt kamen 3081 Zuschauer in den Fautenhau – die Bandbreite liegt zwischen 1050 und 9500. Weniger los war in Köln, Lotte und Wiesbaden.

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Erstellt:
31. Dezember 2018, 06:00 Uhr

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