Schneemangel
Aus für beliebtes Skigebiet in der Schweiz
Ein bekanntes Familienskigebiet stellt den alpinen Betrieb komplett ein. Die Region sucht nun nach neuen Wegen im sanften Wintertourismus abseits der Pisten.
© Ursula Perreten/imago
Bild aus besseren Zeiten: Skisaison in Braunwald (Kanton Glarus).
Von Michael Maier
Das autofreie Schweizer Bergdorf Braunwald im Kanton Glarus blickt auf eine lange Tradition im Wintersport zurück. Doch ab der kommenden Saison 2026/2027 endet diese Ära. Nach einer emotionalen Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald AG steht fest, dass die vier Skilifte stillstehen und die Pisten bis auf 1901 Meter Höhe künftig nicht mehr präpariert werden. Die Entscheidung der Betreibergesellschaft ist das Ergebnis einer wirtschaftlich schwierigen Entwicklung. Im vergangenen Geschäftsjahr verzeichneten die Sportbahnen ein Defizit von rund 1,6 Millionen Schweizer Franken. Eine Insolvenz konnte nur durch einen zusätzlichen Kredit in Millionenhöhe abgewendet werden.
Zu den finanziellen Problemen gesellt sich der spürbare Klimawandel. Der anhaltende Schneemangel in tieferen Lagen hielt in den vergangenen Jahren vermehrt die Gäste fern. Mit der Schließung des Skibetriebs reiht sich Braunwald in eine wachsende Liste ein: Es ist bereits das 169. Schweizer Skigebiet, das den klassischen Betrieb einstellen muss.
Emotionale Debatte um Skigebiet Braunwald
Die Entscheidung stieß im Ort auf großen Widerstand. Bei einer vierstündigen Versammlung äußerten zahlreiche Kleinaktionäre und Anwohner ihre Sorge und Wut über das drohende Aus. Viele Betriebe, darunter Hotels, Restaurants und Skischulen, sind stark vom Wintertourismus abhängig und befürchten erhebliche Umsatzeinbußen. Ein offener Brief mit rund 6000 Unterschriften forderte zuvor vergeblich ein Überdenken der Pläne. Der Verwaltungsrat, der über 52 Prozent der Stimmen hielt, setzte den Beschluss jedoch durch, da eine Fortführung des Skibetriebs aus Sicht der Verantwortlichen finanziell nicht mehr vertretbar war.
Glarus ohne Wintertourismus?
Ganz auf den Wintertourismus verzichten muss Braunwald in Zukunft zwar nicht, die Ausrichtung ändert sich jedoch grundlegend. Die Gondelbahn Grotzenbüel bis auf 1559 Meter Höhe soll weiterhin in Betrieb bleiben. Künftig will sich der Ort verstärkt auf alternative Winteraktivitäten konzentrieren. Dazu gehören Schlittenfahren, Schneeschuhwandern und Skitouren. Der Fokus verschiebt sich damit vom alpinen Skilauf hin zu einem sanfteren und weniger schneeabhängigen Tourismuskonzept.
In Glarus verbleibt als einziges größeres Skigebiet nur noch Elm im Sernftal. Für den kleinen Kanton, mit 42.500 Einwohnern, dessen schattiges Haupttal unter dem 3614 Meter hohen Tödi als tiefstes der Ostalpen gilt, ist der Verlust ein herber Schlag. Nur das Mattertal weist im gesamten Alpenraum noch eine größere Höhendifferenz auf. Wohnen ist dort für Schweizer Verhältnisse vergleichsweise günstig, obwohl der 55 Kilometer entfernte Hauptbahnhof Zürich mit der S25 im Stundentakt in 64 Minuten erreichbar ist.
