„Gripe Water“

Babysaft-Rückruf – Alkohol kann Hirnschäden verursachen

Ethanol, Methanol und Isopropanol in einem Mittel, welches Babys ruhigstellen soll, sind Substanzen, die dort keinesfalls hineingehören.

Ein Baby mit Blähungen sollte nicht den falschen Saft bekommen.

© Fabian Strauch/dpa

Ein Baby mit Blähungen sollte nicht den falschen Saft bekommen.

Von Christian Gottschalk

Ein Nahrungsergänzungsmittel zur Beruhigung unruhiger Säuglinge ist in den USA zurückgerufen worden. Tests der Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA hatten ergeben, dass es Alkohol enthielt. Das Produkt war im Internet frei verkäuflich, zum Beispiel bei Amazon. Der Hersteller Pacific Health Sciences mit Sitz in Kalifornien hat sein „Baby Sleep Gripe Water“ am 6. Oktober zurückgerufen, da schon kleine Mengen Alkohol für ungeborene Föten und Babys kritisch werden können. Das berüchtigte Fetale Alkoholsyndrom (FAS) kann in ähnlicher Form auch bei Kindern auftreten, die bereits geboren sind.

Das Mittel soll drei Alkohole enthalten haben, die nicht auf dem Etikett deklariert waren. „Gripe Water“ ist ein jahrhundertealtes pflanzliches Heilmittel, das Babys mit Koliken und Magenbeschwerden Linderung verschaffen soll. Es wird von zahlreichen, unterschiedlichen Herstellern angeboten und ist auch in Deutschland über das Internet erhältlich.

Alkohol im Babysaft – schon geringe Mengen schädlich

Bei einer Untersuchung der für Lebensmittel- und Medikamentensicherheit zuständigen Behörde waren in der entsprechenden Charge Ethanol, Methanol und Isopropanol nachgewiesen worden, die nicht auf dem Produktetikett deklariert waren. Die gemessenen Werte betrugen 8,3 Prozent Ethanol, 0,35 Prozent Methanol und 0,48 Prozent Isopropanol. Ihr Vorhandensein kann je nach konsumierter Menge sowie Alter und Körpergewicht des Konsumenten ein Risiko darstellen, so die Behörde.

Auch in kleinsten Mengen ist Alkohol für ungeborene Föten und Babys extrem schädlich. Er kann bleibende Hirnschäden und kognitive Entwicklungsstörungen verursachen, was in früheren Zeiten nicht jedem bekannt war. In ländlichen Gegenden wurde der Schnuller für weinende Babys im 19. Jahrhundert deswegen mitunter mit Schnaps präpariert, um sie zu beruhigen – was jedoch fatale Folgen hatte. Methanol kann je nach Dosis sogar zur Erblindung führen.

„Gripe Water“: pflanzliches Mittel mit  Tradition

„Gripe Water“ bedeutet frei übersetzt in etwa Wasser gegen Blähungen. Es ist ein pflanzliches Heilmittel, das bei Magenverstimmungen und Koliken sowie bei unruhigem Babygeschrei vermarktet wird. Es wurde erstmals in den 1850er Jahren hergestellt und enthielt früher hohe Alkoholkonzentrationen. Laut der Cleveland Clinic enthalten die meisten Mischungen heute Zutaten wie Fenchel, Ingwer, Dillsamen und weitere pflanzliche Zusätze, die die Verdauung fördern sollen.

„Gripe Water“ von US-amerikanischen Herstellern ist auch in Deutschland im Internet erhältlich. Nach vorläufigen Recherchen dieser Redaktion ist das Produkt des betroffenen Herstellers nicht darunter. Zahlreiche andere Produzenten verweisen ausdrücklich darauf, dass ihr Nahrungsergänzungsmittel keinen Alkohol enthalte. Die Frage ist nun, ob es auch etwas mit mangelnder Regulierung der Pharmaindustrie zu tun haben könnte, wenn Alkohol ausgerechnet in Babysaft gerät.

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Erstellt:
9. Oktober 2026, 09:38 Uhr
Aktualisiert:
9. Oktober 2026, 09:52 Uhr

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