Ungebetene Gäste
Darf man Stinkwanzen einsaugen?
Aktuell findet man im Haus häufig diverse Wanzenarten vor. Ist es sinnvoll, diese einfach einzusaugen?
© IMAGO/STAR-MEDIA
Grüne Stinkwanze.
Von Lukas Böhl
Stinkwanzen tauchen besonders im Herbst häufig in Wohnungen und Häusern auf. Wer gleich mehrere Tiere entdeckt, greift schnell zum Staubsauger. Technisch lassen sich Stinkwanzen damit zwar entfernen – besonders empfehlenswert ist diese Methode bei lebenden Tieren aber nicht.
Der Grund liegt im Namen der Tiere: Stinkwanzen besitzen Drüsen, aus denen sie bei Gefahr ein intensiv riechendes Sekret absondern können. Werden sie beim Einsaugen verletzt oder stark gereizt, kann sich dieser Geruch im Staubsauger festsetzen und beim nächsten Gebrauch wieder im Raum verteilen.
Lebende Stinkwanzen besser nicht einsaugen
Das Umweltbundesamt empfiehlt bei einzelnen Wanzen eine deutlich schonendere Methode: Die Tiere können mit einem Glas eingefangen werden. Anschließend schiebt man ein Stück Papier oder Pappe darunter und bringt die Wanze nach draußen.
Das hat gleich zwei Vorteile. Zum einen wird das Tier nicht unnötig verletzt, zum anderen sinkt das Risiko, dass es sein unangenehm riechendes Abwehrsekret freisetzt.
Auch der NABU rät dazu, Stinkwanzen vorsichtig einzusammeln und anschließend ins Freie zu setzen.
Warum stinken Stinkwanzen überhaupt?
Das Sekret der Wanzen ist eine natürliche Verteidigungsstrategie. Die Tiere sondern es ab, wenn sie sich bedroht fühlen. Der intensive Geruch soll mögliche Fressfeinde abschrecken.
Für Menschen ist dieser Mechanismus vor allem lästig. Wer eine Stinkwanze zerquetscht oder mit dem Staubsauger einsaugt, kann genau die Reaktion auslösen, die man eigentlich vermeiden möchte.
Das ist auch der Grund, warum man Stinkwanzen nicht mit der Hand zerdrücken sollte.
Was ist mit bereits toten Stinkwanzen?
Bei toten Wanzen sieht es anders aus. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, kurz LAVES, nennt das Zusammenfegen oder Absaugen toter Tiere ausdrücklich als mögliche Maßnahme.
Wer viele bereits verendete Wanzen an Fenstern, auf Fensterbänken oder in anderen Bereichen findet, kann sie daher mit einem Staubsauger entfernen.
Bei lebenden Tieren ist das Einfangen dagegen meist die bessere Lösung.
Was tun, wenn sehr viele Stinkwanzen im Haus sind?
Dass im Herbst plötzlich zahlreiche Wanzen an einer Hauswand oder an Fenstern auftauchen, ist zunächst nicht ungewöhnlich. Viele Arten suchen vor dem Winter nach geschützten Quartieren. Gebäude bieten dafür zahlreiche Ritzen, Spalten und andere Verstecke.
Wer jedes Jahr größere Mengen von Stinkwanzen im Haus findet, sollte deshalb vor allem verhindern, dass die Tiere überhaupt hineingelangen. Das LAVES empfiehlt unter anderem Insektenschutzgitter an Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen.
Auch mögliche Schlupflöcher und Verstecke am Gebäude können überprüft und, sofern sinnvoll, verschlossen werden. Pflanzen oder Kaminholz sollten ebenfalls kontrolliert werden, bevor sie ins Haus gebracht werden.
Sind Stinkwanzen im Haus gefährlich?
Die typischen Stinkwanzen, die im Herbst in Wohnungen auftauchen, stellen für Menschen in der Regel keine Gefahr dar. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass beispielsweise die Grüne Stinkwanze keine menschlichen Parasiten sind und keine Krankheiten übertragen.
Meist handelt es sich daher eher um lästige als um gefährliche Mitbewohner.
Auch chemische Insektizide sind deshalb normalerweise nicht notwendig. Das Umweltbundesamt empfiehlt grundsätzlich, zunächst zu prüfen, ob ein Tier überhaupt einen Schaden verursacht, bevor Bekämpfungsmittel eingesetzt werden.
