Auf gut Schwäbisch
Du hosch aber an scheana Schaicher!
Auf gut Schwäbisch
© Franziska Kraufmann/dpa
Ein Kaminfeuer anzünden, heißt auf gut Schwäbisch: „I muaß jetzt an Schaicher macha – dó en dr Stub isch’s doch viel z’kaalt!“
Von Jan Sellner
Albrecht Hartmann aus Schwäbisch-Gmünd greift regelmäßig Begriffe auf, nach deren Bedeutung Leserinnen und Leser in unserer Dialekt-Kolumne fragen. Heute geht es um den Begriff „Schaicher“. Herr Hartmann ist unlängst auf diesen Ausdruck gestoßen: „Ein lieber Freund, der in Rechberg großgeworden ist, erklärte mir, dass man dort und auch in anderen Orten in der Umgebung zu jemandem, der betrunken ist, sagt: ‚Wia kommsch denn au du drher? – Du hosch aber an scheana Schaicher!‘
In meiner früheren Nordschwarzwälder Heimat kennt man das Wort ‚Schaicher’ in dieser Bedeutung nicht. Dort heißt es in solchen Fällen: ‚Wia kommsch denn du drher? – Du hosch aber amol wieder ordentlich ázennt!’, also ,angezündet'. Und ein ,Schaicher‘ ist dort jemand, der etwas oder jemanden ‚schaicht‘, also (ver)scheucht und fortjagt. In früheren Zeiten gab es noch sogenannte ,Scheucher', die in ihrer Funktion als Feld- und Forsthüter unerwünschtes Getier quasi ‚zum Teufel jagten‘. Hier auf der Ostalb verwendet man den Ausdruck ‚Schaicher‘ auch, wenn es darum geht, im Herd oder im Holzofen ein Feuer anzumachen. Dann heißt oftmals: ‚I muaß jetzt an Schaicher macha – dó en dr Stub isch’s doch viel z’kaalt!‘
Noch ein paar Gedanken zur Etymologie, also der Wissenschaft von der Herkunft und Geschichte von Wörtern. Unser umgangssprachliches Wort ‚Schaicher‘ hat tatsächlich etwas mit ‚scheuchen’ beziehungsweise mit einem ‚Scheucher’ zu tun. Das Verb ‚scheuchen’ wird noch in gängigen Wörterbüchern geführt und bedeutet ‚(ver)jagen, (ver)treiben, hetzen’. Damit sollte auch klar sein, was gemeint ist, wenn jemand davon spricht, dass er ,em Ofa glei an Schaicher macha muaß‘ – also ein kleines, intensives Feuer anzünden, das die Aufgabe hat, ein größeres und lang anhaltendes Feuer zu ‚scheuchen’, also ,anzutreiben'. Passen Sie also gut auf, dass Sie neamerd, der an granadamäßige ,Schaicher‘ hot, em Ofa an ,Schaicher' macha lasset. Denn dó drbei kennt jó älles Meegliche bassiera!“, meint Albrecht Hartmann.
Der schwäbische Spruch des Tages kommt an diesem Montag von Rainer Schmidgall aus Sulz/Bartenbach. Er schreibt: „Wenn ein Gruppenfoto gemacht wurde, had a Kollegg ällaweil gsagd: ,Ziagad da Schnitzbuggl ei, sonschd goht's Album ned zua!'“
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