Technologiekonzern
Fischer will Bosch schneller und dezentraler machen
Bosch steht vor einem Umbruch: Bis Mitte nächsten Jahres sollen acht Zukunftsfelder festgelegt werden. Was bedeutet das für die Jobs und den Alltag der Beschäftigten?
© Bernd Weißbrod/dpa
Christian Fischer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, aufgenommen vor der Bilanz-Pressekonferenz. Am 4. Mai gibt Bosch im Rahmen einer Bilanz-Pressekonferenz seine Geschäftszahlen bekannt. (zu dpa: «Fischer will Bosch schneller und dezentraler machen»)
Von dpa
Der neue Bosch-Chef Christian Fischer will den Technologiekonzern grundlegend umbauen und neue Wachstumsfelder definieren. „Bosch braucht ein verbessertes Betriebssystem“, sagte Fischer dem „Handelsblatt“. Das Unternehmen müsse Innovationen schneller in den Markt bringen und zu geschäftlichem Erfolg führen. Fischer will dafür Entscheidungen beschleunigen, dezentralisieren und eine neue Fehlerkultur etablieren. „Das wird die größte Veränderung unter meiner Führung sein.“
„Übergreifend wollen wir für Bosch bis Mitte nächsten Jahres acht Zukunftsfelder definieren, in denen wir wachsen wollen, sowohl mit eigenen Innovationen als auch durch gezielte Zukäufe“, kündigte Fischer an. Unter anderem nannte er Felder wie Robotik, Medizintechnik und Quantentechnologie. Entscheidungen würden aber erst im nächsten Jahr fallen. „Grundsätzlich geht es uns immer um die Frage: Wie sieht Bosch 2036 aus, wenn das Unternehmen 150 Jahre alt wird?“.
Weiterer Personalabbau möglich
Der Nachfolger von Stefan Hartung räumte ein, dass die bestehenden Kapazitäten weiter an die sinkende Nachfrage angepasst werden müssten, vor allem im Automotiv-Geschäft in Europa, aber auch in anderen Geschäftsfeldern. „Dafür müssen wir intelligente Lösungen finden, die wirtschaftliche Vernunft und gesellschaftliche Verantwortung verbinden“, sagte Fischer. Bosch hatte zuletzt angekündigt, in Nürnberg die Hälfte der dortigen 1800 Stellen abzubauen. Die Stellenstreichungen gehen über den bereits angekündigten Abbau von konzernweit rund 25.000 Stellen in Deutschland hinaus.
Der Technologiekonzern und Autozulieferer hatte im ersten Halbjahr keine großen Sprünge gemacht. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro. Allerdings kam das Wachstum vor allem durch Zukäufe zustande. Bosch hatte im Laufe des vergangenen Jahres das Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsgeschäft von Johnson Controls und Hitachi übernommen. Einen Rückgang gab es hingegen bei der Profitabilität. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) - Bosch spricht von einem operativen Ebit - sank von 2,3 Milliarden Euro auf 2,2 Milliarden Euro.
