Pressestimmen

„Friesenpferd Woltemade“ – Medien uneins über Ex-VfBler

Woltemade wirke groß und körperlich etwas einschüchternd – dann sei er aber lieb und lasse sich streicheln und reiten, meint der Trainer.

Gegen Milan (Bild) und Sassuolo wurde Woltemade jeweils in der Schlussphase eingewechselt – spielt er gegen Nijmegen von Beginn an?

© IPA/SIPA/actionpress

Gegen Milan (Bild) und Sassuolo wurde Woltemade jeweils in der Schlussphase eingewechselt – spielt er gegen Nijmegen von Beginn an?

Von Michael Maier

Es hätte kaum ein ungewöhnlicheres Willkommen in der Serie A geben können: Noch bevor Nick Woltemade auch nur eine Minute für Juventus Turin auf dem Rasen gestanden hatte, verglich ihn sein neuer Trainer Luciano Spalletti öffentlich mit einem Friesenpferd. Seitdem ist der 24-jährige Deutsche ein viel diskutiertes Thema in Italiens Sportredaktionen – und die Meinungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Im Interview mit Tuttosport schwärmte Spalletti, der in seiner Freizeit Pferde züchtet, über seinen Leihspieler von Newcastle United in Worten, die man im Fußball so selten hört: „Was für eine Art Pferd ist er? Ich habe einen Friesen, er kommt mir sehr ähnlich vor. Er ist groß, wirkt körperlich etwas einschüchternd – und dann ist er sehr lieb, lässt sich streicheln und reiten."

Der Vergleich hatte Charme: Friesenpferde gelten als majestätische, kraftvolle, dabei sanftmütige Tiere – und Woltemade, 1,98 Meter groß und für rund 80 Millionen Euro im Vorjahr vom VfB Stuttgart zu Newcastle gewechselt, passt da zumindest äußerlich ins Bild. Der Stürmer selbst nahm den Vergleich mit Humor: „Ich habe so ein Pferd in Deutschland noch nie gesehen, aber ich weiß, was er damit sagen wollte: dass ich groß bin, gut am Ball und ein netter Kerl, der mit allen auskommt. Ich hoffe, so ein Tier eines Tages mal live zu erleben."

Woltemade holte Freistoß gegen Milan

Sein Pflichtspieldebüt absolvierte Woltemade am 9. September beim 1:1 gegen den AC Mailand. Spalletti brachte ihn in der Schlussphase für die letzten 14 Minuten ins Spiel. Dann holte er einen wertvollen Freistoß heraus, der zum Ausgleich in der Schlussminute führte. Die Bühne war groß, und die Aufmerksamkeit der italienischen Presse ist bereits enorm. Trotz des kurzen Gastspiels machte Spalletti anschließend klar, dass er im Angriffszentrum weiterhin auf Randal Kolo Muani setzen wolle. Woltemade schien damit vorerst die Rolle des Jokers zugewiesen zu bekommen.

Vergebener Woltemade-Kopfball

Die Stunde der Wahrheit kam am 13. September: Juventus verlor zu Hause gegen Aufsteiger Sassuolo dramatisch mit 2:3, und Woltemade stand mittendrin im Schlamassel. Wieder von der Bank eingewechselt – diesmal bereits in der 60. Minute – erlebte der Deutsche eine Achterbahnfahrt. Als Juve nach dem Ausgleich durch Eden Zhegrova kurz nach vorn zu drücken schien, vergab Woltemade per Kopfball aus weniger als sechs Metern eine hochkarätige Chance zum möglichen 2:1. Sassuolo drehte das Spiel anschließend in der Nachspielzeit noch zum Sieg. Die Reaktion der italienischen Sportmedien fiel danach gespalten, aber insgesamt ernüchternd aus:

  • La Gazzetta dello Sport ließ kein gutes Haar am neuen Pferd im Stall: Woltemade „mangelt es an Schärfe und er macht alles falsch“. Der Spalletti-Vergleich wurde dabei spöttisch aufgegriffen – der Deutsche wirke eher wie ein „Friese im Schritt als im Galopp“.
  • Tuttosport, das Blatt, das Spallettis Pferdevergleich als erstes veröffentlicht hatte, vergab eine knappe 5/10 und schrieb lapidar: „Trägt keine Tore bei.“
  • Corriere dello Sport war minimal gnädiger mit einer 5,5/10 und erkannte immerhin an, dass Woltemades Einwechslung Sassuolos Defensive zunächst durcheinandergebracht habe – doch der vergebene Kopfball sei „von unerträglicher Wirkung auf das Gesamturteil“.
  • SofaScore bewertete ihn mit 6,2/10 und hielt fest, dass er zwei Torschüsse verzeichnete und sechs seiner sieben Pässe ankamen – er sei also nicht vollständig unsichtbar gewesen.

Woltemade will an Saison beim VfB anknüpfen

Die Gemengelage bei Juventus ist dabei ohnehin unruhig. Kolo Muani, der zweite Stürmer im Kader, befindet sich in einer langen Torflaute – 179 Tage ohne Treffer laut Gazzetta. Die erhoffte Synergie der beiden Stürmer im gemeinsamen Einsatz zündete gegen Sassuolo nicht. Gleichzeitig haben Juves Anhänger Kolo Muani bereits beim Milan-Spiel ausgepfiffen. Woltemade könnte also schon bald eine Chance bekommen. Als mögliches Sprungbrett gilt Juventus' Auftaktspiel in der Europa League gegen den niederländischen Klub NEC Nijmegen am Dienstagabend, wo er erstmals von Beginn an auflaufen könnte.

Nach eigenen Worten gegenüber „Corriere dello Sport“ hofft Woltemade, an die Saison 2024/25 beim VfB Stuttgart anknüpfen zu können: „Da habe ich 17 Tore geschossen und den DFB-Pokal gewonnen.“ Der Wechsel auf Leihbasis zu Juve erfolgte ausdrücklich auch auf Wunsch von Woltemade, da er bei Italiens „Alter Dame“ sowohl im Sturm als auch auf der 10 spielen kann.

Friesenfpferd im Galopp – passt der Vergleich zu Nick Woltemade?

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Friesenfpferd im Galopp – passt der Vergleich zu Nick Woltemade?

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Erstellt:
15. September 2026, 13:02 Uhr

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