J.R.R. Tolkiens Meisterwerke

Hobbit-Tag: Warum Bilbo und Frodo gefeiert werden

Ein Geburtstag, zwei Hobbits und eine weltweite Fangemeinde: Am 22. September wird der Hobbit-Tag gefeiert. Besonders groß ist das Fest dort, wo das Auenland zum Leben erweckt wurde.

Ian Holm als Bilbo Baggins (re.) und Elijah Wood als Frodo in der Film-Trilogie „The Lord of the Rings". OF THE RINGS: THE FELLOWSHIP OF THE RING ELIJAH WOOD as Frodo, IAN HOLM as Bilbo Baggins

© Imago/Ronald Grant

Ian Holm als Bilbo Baggins (re.) und Elijah Wood als Frodo in der Film-Trilogie „The Lord of the Rings". OF THE RINGS: THE FELLOWSHIP OF THE RING ELIJAH WOOD as Frodo, IAN HOLM as Bilbo Baggins

Von Markus Brauer

Warum feiern Menschen eigentlich den Geburtstag einer fiktiven Figur? Vielleicht, weil eine gute Geschichte irgendwann mehr ist als nur eine Geschichte. Am 22. September begehen die Fans des britischen Autors J.R.R. Tolkien (1892-1973) am Hobbit-Tag den Geburtstag von Bilbo und Frodo Beutlin. Sie ehren damit nicht nur zwei Figuren aus „Der Herr der Ringe“, sondern auch eine Welt, die für Millionen Menschen so vertraut geworden ist, als hätten sie selbst schon einmal das Auenland betreten.

Beide Geburtstage spielen in Tolkiens Erzählungen eine zentrale Rolle. Bilbo Beutlin feiert seinen 111. Geburtstag mit einem großen Fest im Auenland. Zu den Gästen gehört auch sein Neffe Frodo, der an diesem Tag seinen 33. Geburtstag begeht. Während der Feier hält Bilbo eine rätselhafte Rede, setzt sich den Einen Ring auf und verschwindet vor den Augen seiner Gäste.

Feiern am Film-Set in Neuseeland

Damit beginnt in „Der Herr der Ringe“ eine Geschichte, welche die Literaturwelt und Popkultur nachhaltig geprägt hat. Für die Tolkien-Fans ist Mittelerde sehr real. Die Namen, Figuren und Motive aus Tolkiens Werken sind Teil der internationalen Kultur geworden: Hobbits, Elben, Zauberer, Orks, der dunkle Herrscher Sauron und der Eine Ring sind auch Menschen vertraut, die niemals ein Tolkien-Buch gelesen haben, aber dafür die Filme sehr genau kennen.

Im neuseeländischen „Hobbiton Movie Set“ bei Matamata, dem Drehort für das Auenland in den Verfilmungen von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“, wird der Hobbit-Tag am 22. September mit einem eigenen Fest begangen. Besucher können das Filmgelände besichtigen, Musik hören und im „Green Dragon Inn“ gemeinsam feiern.

Dass die Veranstaltung 2026 ausverkauft ist, zeigt, wie groß die anhaltende Faszination für Tolkiens Hobbits ist. Was einst nur in der Fantasie des Schriftstellers existierte, ist längst zu einem realen Ort der internationalen Fankultur geworden.

Am Niederrhein die weltweit größte Veranstaltung

Der Hobbit-Tag ist nur die Spitze einer inzwischen sehr großen Tolkien-Fankultur. Im September findet Oxonmoot in Oxford (GB) statt, eine jährliche Tolkien-Konferenz und Fan-Convention der Tolkien Society. Sie liegt traditionell zeitlich in der Nähe des „Hobbit Day“ und verbindet wissenschaftliche Vorträge mit Fanprogramm, Quiz, Kostümen und einer Gedenkveranstaltung an Tolkiens Grab. In diesem Jahr fand die Veranstaltung bereits statt.

In Geldern am Niederrhein finden die Tolkien-Tage statt, in diesem Jahr Ende Mai. Nach Angaben der Deutschen Tolkien-Gesellschaft werden die Tolkien-Tage inzwischen als die größte Veranstaltung zu den Werken von J.R.R. Tolkien weltweit betrachtet und locken jedes Jahr tausende Gäste aus ganz Deutschland und dem Ausland an den Niederrhein.

Fantasy beantwortet die großen Fragen

Warum lieben die Menschen Tolkien und seine Werke so sehr? Der Autor hat in seinen Bücher eine Welt geschaffen, die außergewöhnlich detailliert ist. Der Schriftsteller erfand nicht nur Figuren und Handlungen, sondern ganze Völker, Sprachen, Landschaften und eine Geschichte, die weit vor den Ereignissen von „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ beginnt. Wer sich auf diese Welt einlässt, kann darin immer wieder neue Geschichten und Zusammenhänge entdecken.

Der Hobbit-Tag zeigt damit auch, warum Fantasy so erfolgreich sein kann. Fantastische Geschichten bieten oberflächlich gesehen eine Flucht aus dem Alltag, aber sie handeln häufig von sehr realen Fragen: von Freundschaft und Loyalität, von Macht und Versuchung, von Mut und Angst, von Verlust und der Frage, wie Menschen mit einer Welt umgehen, die sich verändert.

Tolkien-Tage über das Jahr verteilt

Die Fans der Tolkien-Welt sind übrigens so gesellig wie die Hobbits in Mittelerde. Sie haben zahlreiche Tage, an denen sie gemeinsam feiern: am 3. Januar, dem Geburtstag des Autors J.R.R. Tolkien, am 25. März als Internationaler Tolkien-Lesetag und natürlich am 22. September mit dem Geburtstag von Frodo und Bilbo Beutlin.

Nach Angaben der US-amerikanischen Tolkien-Gesellschaft gibt es den Hobbit-Tag seit 1978. Die Tradition entstand in der Fangemeinde. Gefeiert wird mit Lesungen, Filmabenden, Kostümen oder Hobbit-Partys.

Von der Altphilologie zum Fantasy-Epos

Alles begann, als der englische Philologie-Professor John Ronald Reuel Tolkien in Oxford eines Tages Prüfungsunterlagen korrigierte und auf der langweiligsten Arbeit notierte: „In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit . . .“ Der Hobbit Bilbo Beutlin bestand im gleichnamigen Buch dramatische Abenteuer mit Trollen und Kobolden, ehe er den Schatz des Zwergenkönigs befreien konnte. „Wenn Sie nicht wollen, dass man sich über Sie lustig macht“, riet Tolkien Journalisten, „sagen Sie, dass Sie für Kinder schreiben“.

Am 3. Januar 1892 wurde der Schöpfer von Mittelerde geboren. Seine Eltern lebten damals in Südafrika. Als Tolkiens Vater starb, kehrte seine Mutter mit ihren beiden Söhnen nach England zurück. Die Landschaft rund um Birmingham prägte seine Vision von der mythischen Welt Mittelerde.

Seine Mutter brachte ihm Latein, Französisch und Deutsch bei – der Beginn einer lebenslangen Begeisterung für Sprachen. Tolkien war ein Sprachgenie, lernte Babylonisch, Finnisch, Altnordisch und rekonstruierte ausgestorbene Dialekte wie mittelalterliches Walisisch.

Mit zwölf verlor er seine Mutter. So war es vielleicht kein Wunder, dass er schon als Jugendlicher anfing, Elbisch, Zwergisch und die Schwarze Sprache der Orks zu erfinden. In einem seiner Briefe schrieb er: „Die Geschichten wurden eher produziert, um eine Welt für die Sprachen zu schaffen, als umgekehrt. Für mich kommen Namen zuerst, und die Geschichte folgt.“

„Das Silmarillion“

Tolkien war sanft, blauäugig, leicht pedantisch. Der Naturfreund bevorzugte Tweed, rauchte Pfeife und fuhr ein altes Fahrrad, bis er sich von seinen Buch-Tantiemen ein Auto leisten konnte. Noch während des Ersten Weltkriegs fing er an „Das Silmarillion“ zu schreiben, die „Bibel“ von Mittelerde, die allerdings erst einige Jahre nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte.

Die Totensümpfe, die Frodo Beutlin in „Herr der Ringe“ auf dem Weg nach Mordor durchquerte, und das Schwarze Tor von Mordor erinnern an Nordfrankreich nach der brutalen Schlacht an der Somme, bekannte Tolkien später. Eine Reise nach Interlaken inspirierte Bilbos Wegs durchs Elbenland.

Kurz vor seinem Tod 1973 vertraute J. R. R. Tolkien das unvollendete „Silmarillion” der Obhut seines Sohnes Christopher an. Dieser vollendete das Skript seines Vaters und veröffentlichte im Jahr 1977 das fertige Buch, das die Geschichte von Mittelerde erzählt, lang bevor die Hobbits ihre Füße in diese fiktive Welt setzten. Es folgten „Nachrichten aus Mittelerde“ und „Die Kinder Húrins”.

„Der Hobbit“

Doch begonnen hatte alles mit „Der Hobbit“, der im Jahr 1937 veröffentlicht wurde (auf Deutsch 1957). Der Verlag war begeistert und bat um eine Fortsetzung. Tolkien brauchte für die Fantasy-Trilogie „Der Herr der Ringe“ insgesamt 14 Jahre, denn eigentlich war das Schreiben nur ein Hobby. Er behauptete daher, er nutze das Buch lediglich als eine Übung in „linguistischer Ästhetik“, mit der er seine Theorie über Märchen illustrieren wollte.

Er schrieb überall, auch in der Badewanne, wo ihm schließlich ein Ende für das berühmte Gedicht „Einen Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden . . .“ in den Sinn kam: „Ich erinnere mich, wie ich den Schwamm aus dem Bad kickte, als ich zur letzten Zeile kam, und alles wusste, und heraussprang.“

Der Kultautor

In den 1960er Jahren wurde er zum Kultautor – entweder man liebte ihn oder verging vor Langeweile. Seine Bücher verkauften sich mehr als 250 Millionen Mal, in der Forbes-Liste der bestverdienenden toten Autoren steht er an fünfter Stelle.

J.R.R. Tolkien starb 1973. Seine Familie konnte sich mit dem Erfolg lange nicht anfreunden: „Tolkien ist ein Monster geworden, das von seiner eigenen Popularität verschlungen wird,“ urteilte sein Sohn Christopher in der französischen Zeitung „Le Monde“ fast 40 Jahre nach dem Tod des Vaters. „Die Kommerzialisierung hat die ästhetische und philosophische Wirkung der Schöpfung auf ein Nichts reduziert.“

Die Bücher und ihre Verfilmungen: „The Hobbit“

„Der Hobbit oder Hin und zurück“, die Geschichte eines Auenland-Bewohners von kleinem Wuchs und großem Herzen, wurde 1937 veröffentlicht (auf Deutsch erstmals 1957 unter dem Titel „Kleiner Hobbit und der große Zauberer“).

Als Buch ein millionenfach verkaufter Bestseller, wurde sie in der filmischen Adaption von Peter Jackson ein Kinohit. Aus dem Stoff schneiderte der neuseeländische Regisseur eine Trilogie („Eine unerwartete Reise“, 2012; „Smaugs Einöde“, 2013; „Die Schlacht der fünf Heere“, 2014). Zusammen spielten die drei Filme knapp drei Milliarden US-Dollar ein (etwa 2,8 Milliarden Euro).

„The Lord of the Rings“

Die Trilogie „Der Herr der Ringe“ erschien 1954/1955 (auf Deutsch 1969/70). Auch sie spielt in Mittelerde. Tolkien erzählt darin die Geschichte des Hobbits und seines Ringes fort. Nach Verlagsangaben wurden weltweit mehr als 150 Millionen Exemplare von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ verkauft.

Als nicht weniger erfolgreich erwies sich die Verfilmung von „Der Herr der Ringe“, ebenfalls unter der Regie von Peter Jackson. Die drei Teile („Die Gefährten“, 2001; „Die zwei Türme“, 2002; „Die Rückkehr des Königs“, 2003) wurden noch vor dem „Hobbit“ gedreht und sind deshalb ein sogenanntes Prequel.

Auch „Der Herr der Ringe“ spielte annähernd drei Milliarden US-Dollar ein. 17 Oscars konnte die Trilogie gewinnen, allein 11 Auszeichnungen gingen an „Die Rückkehr des Königs“. Der Film ist damit zusammen mit „Ben Hur“ und „Titanic“ der meistprämierte der Oscar-Geschichte. (mit KNA-/dpa-Agenturmaterial)

Hobbiton Filmset in Matamata, New Zealand

© Imago/Depositphotos

Hobbiton Filmset in Matamata, New Zealand

Ein typisches Hobbit-Haus in Matamata.

© Imago/Depositphotos

Ein typisches Hobbit-Haus in Matamata.

Von der Erstausgabe von "The Hobbit" ("The Hobbit or There and Back Again") wurden im Jahr 1937 nur 1500 Exemplare gedruckt (Archivbild).

© Cancer Research Uk/dpa

Von der Erstausgabe von "The Hobbit" ("The Hobbit or There and Back Again") wurden im Jahr 1937 nur 1500 Exemplare gedruckt (Archivbild).

Regisseur Peter Jackson (li.) mit Martin Freeman als Bilbo Beutlin (Mi.) und Ian McKellen als Gandalf beim Dreh des Fantasay-Epos „The Hobbit: The Battle of the Five Armies", 2014.

© Imago/Capital Pictures

Regisseur Peter Jackson (li.) mit Martin Freeman als Bilbo Beutlin (Mi.) und Ian McKellen als Gandalf beim Dreh des Fantasay-Epos „The Hobbit: The Battle of the Five Armies", 2014.

Englischsprachige Ausgabe  von "The Lord of the Rings"

© Imago/The Independent

Englischsprachige Ausgabe von "The Lord of the Rings"

Das Ringgedicht steht als Leitmotiv am Anfang des Herrn der Ringe, noch vor dem Prolog. Außerdem wird es im Kapitel "Der Schatten der Vergangenheit" von Gandalf zitiert. Die Zeilen "Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden" bilden die Inschrift auf dem Einen Ring, verfasst in der Schwarzen Sprache von Mordor und geschrieben in Tengwar.

© Imago/The Independent

Das Ringgedicht steht als Leitmotiv am Anfang des Herrn der Ringe, noch vor dem Prolog. Außerdem wird es im Kapitel "Der Schatten der Vergangenheit" von Gandalf zitiert. Die Zeilen "Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden" bilden die Inschrift auf dem Einen Ring, verfasst in der Schwarzen Sprache von Mordor und geschrieben in Tengwar.

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Erstellt:
18. September 2026, 12:36 Uhr

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