Bildungssystem in der Krise
Höchststand: 65.000 Schulabgänger in Deutschland ohne Abschluss
Die Zahl derer, die nicht wenigstens mit einem Hauptschul- oder vergleichbarem Zeugnis die Schule verlassen, steigt immer weiter. Wieder gibt es einen Höchststand.
© Julian Stratenschulte
Mit dem deutschen Bildungssystem geht immer weiter bergab.
Von Markus Brauer
Das deutsche Bildungssystem steckt in einer tiefen Krise. Jede neue Pisa-Studie legt offen, dass die bildungspädagogische Talfahrt weitergeht. Eine Wandel zum Besseren ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Bildungsmisere wird immer größer, die Folgen für die Gesellschaft immer dramatischer.
Mit den Negativ-Zahlen geht es stetig aufwärts
Neueste Hiobsbotschaft: Die Zahl junger Menschen, die ohne Abschluss die Schule verlassen, ist erneut deutlich gestiegen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts waren es im Schuljahr 2024/2025 knapp 65.000 - nach 62.000 im Vorjahr und 56.000 im Jahr davor. Die Zahlen hat das BSW abgefragt, sie sind auch in den Datenbanken der Statistikbehörde zugänglich.
Zum Vergleich: Vor zehn Jahren, im Schuljahr 2014/2015, wurden 47.400 Abgänger ohne Abschluss gezählt. Die Zahl stieg bis 2018/2019 auf Werte um 53.000 und ging während Corona vorübergehend zurück, was auch mit Prüfungserleichterungen während dieser Zeit zusammenhängen könnte. Danach ging es mit den Zahlen aber stetig aufwärts.
Abbrecherquote steigt auf 8,4 Prozent
Demnach ist nicht nur die absolute Zahl der Abbrecher und Abgänger ohne Abschluss gestiegen, sondern auch ihr Anteil gemessen an der Gesamtzahl der Absolventen.
Im Schuljahr 2013/2014 waren es etwa 5,5 Prozent, die die Schule nicht mindestens mit einem Hauptschulabschluss verließen, 2018/2019 rund 6,6 und 2024/2025 etwa 8,4 Prozent. Das ist die höchste Quote der vergangenen 20 Jahre. Um die Jahrtausendwende lag sie noch höher.
Wagenknecht: „Staatlich organisierter Fachkräftemangel“
Das Land der Dichter und Denker dürfe nicht immer mehr zum Land der Schulabbrecher und Unausgebildeten werden, warnt BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht. „Wenn 65.000 Schüler ohne Abschluss die Schule verlassen, dann ist das staatlich organisierter Fachkräftemangel!“
Das Bildungssystem sei von nationaler Bedeutung und dürfe nicht an der Föderalismus-Kleinstaaterei scheitern. Schulen und Bildung sind in Deutschland Sache der Bundesländer. (mit dpa)
