Ein Opfer für die Götter?

Kampfmittelräumdienst findet in Bremen antikes römisches Langschwert

Ein uraltes Schwert steckte in der Stadt Bremen im Boden. Fachleute haben eine Vermutung, was das bedeutet. Sie müssen den Fund aber noch genauer untersuchen.

Die Landesarchäologie Bremen präsentiert ein römisches Langschwert. Das sogenannte Spatha wurde bei der offiziellen Kampfmittelsuche auf einem Grundstück in der Bremer Neustadt gefunden.

© Sina Schuldt/dpa

Die Landesarchäologie Bremen präsentiert ein römisches Langschwert. Das sogenannte Spatha wurde bei der offiziellen Kampfmittelsuche auf einem Grundstück in der Bremer Neustadt gefunden.

Von Markus Brauer

Das Schwert steckte senkrecht im Boden. Und das vermutlich schon seit vielen Jahrhunderten. Nun wurde es zufällig in Bremen entdeckt. „Es ist wirklich einzigartig, nicht nur für Bremen, sondern für ganz Norddeutschland“, sagt ein Archäologe. Er glaubt, dass ein germanischer Soldat es dort während der römischen Kaiserzeit absichtlich in den Boden rammte. „Das war sicherlich einer der Clanchefs hier in der Gegend.“

Erbeutete Schwerter als Opfergabe

Am Fundort war vermutlich damals ein Fluss oder ein See. Das zeigen erste Untersuchungen des Bodens. Waffen, die senkrecht in Gewässern stecken, seien typisch für germanische Rituale. Erbeutete Schwerter wurden damals so als Opfer an die Götter übergeben, erklärt der Spatenforscher.

Die Fachleute wollen den Fundort und das Schwert noch genauer untersuchen. Danach soll das Schwert in einem Bremer Museum ausgestellt werden.

Gladius: Das Kurzschwert der frühen römischen Armee

In der römischen Armee gab es zwei Typen von Schwertern: der Gladius und das Spatha.

Der Gladius war ein Kurzschwert, das im späteren 3. Jahrhundert v. Chr. aus einem Schwerttyp der iberischen Keltiberer entwickelt wurde und bis in das 3. Jahrhundert n. Chr. als Standardwaffe der Infanterie der römischen Armee diente. Dieses Kurzschwert war die geeignete Waffe für den Nahkampf in engen Infanterieformationen, wie die Römer sie während Republik und des Prinzipats - also der Kaiserzeit - verwendeten.

In den antiken Schriftquellen wird nicht expressis verbis zwischen Gladius und Spatha unterschieden, da Gladius im Lateinischen „Schwert“ bedeutet und dieser Terminus nicht ausschließlich für das Kurzschwert der kaiserzeitlichen Legionäre benutzt wurde.

Die Klinge des Gladius bestand aus Eisen, war 50 bis 58 Zentimeter lang, in der Kaiserzeit auch bis zu 70 Zentimeter lang, 8 Zentimeter breit und  beidseitig geschliffen. Die Stabilität der Klinge war aufgrund ihrer Kürze hoch, weshalb die Waffe auch vornehmlich als Stoß- und Stichwaffe eingesetzt wurde.

Spatha: Das Langschwert der spätrömischen Armee

Seit der Zeit des Kaisergeschlechts der Severer (193 bis 235 n. Chr.) wurde der Gladius allmählich durch das Langschwert, die Spatha, ersetzt. Unter Kaiser Diokletian (284 bis 305 n. Chr.) fand diese waffentechnologische Entwicklung ihren Abschluss.

Spatha bedeutet im Lateinischen „breite Klinge“. Es ist ein zweischneidiges, vorwiegend zum Hieb konzipiertes, einhändig geführtes Schwert mit gerader Klinge. Diese Schwertform existierte vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum Ende des Frühmittelalters.

Woher die Spatha stammt ist nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich stammt es von den Latène-Schwerter im 1. Jahrhundert v. Chr., als Rom  keltische Reitertruppen anwarb und deren Schwerttypübernahm und weiterentwickelte. Zuerst wurde die Spatha von berittenen Hilfstruppen eingesetzt, spätestens im 2. Jahrhundert wurde sie auch von der Infanterie der römischen Hilfstruppen verwendet. Im Laufe des dritten Jahrhunderts löste es dann den Gladius auch bei den regulären Legionen ab.

Die römische Spatha war 75 bis 110 Zentimeter lang mit einer4 bis 6 Zentimeter breiten Klinge. Im Verlauf der Spätantike wurde die Spatha schließlich von allen in Europa kämpfenden Völkern übernommen, einschließlich der Reitervölker der Hunnen und Sarmaten.

Das Ortband von dem römischen Langschwert: Das Spatha wurde bei der offiziellen Kampfmittelsuche auf einem Grundstück in der Bremer Neustadt gefunden. Das Ortblech oder Ortband ist ein metallener Beschlag auf der Spitze einer Scheide für Blankwaffen wie  Dolche, Messer und Schwerter.

© Sina Schuldt/dpa

Das Ortband von dem römischen Langschwert: Das Spatha wurde bei der offiziellen Kampfmittelsuche auf einem Grundstück in der Bremer Neustadt gefunden. Das Ortblech oder Ortband ist ein metallener Beschlag auf der Spitze einer Scheide für Blankwaffen wie  Dolche, Messer und Schwerter.

Die mit Griffangel 90 Zentimeter lange Eisenklinge steckte senkrecht in Ablagerungen eines ehemaligen Gewässers.

© Sina Schuldt/dpa

Die mit Griffangel 90 Zentimeter lange Eisenklinge steckte senkrecht in Ablagerungen eines ehemaligen Gewässers.

Der Gladius war eine geeignete Waffe für den Nahkampf in engen Infanterieformationen, wie die Römer sie während Republik und Prinzipat verwendeten.

© Imago/Funke Foto Services

Der Gladius war eine geeignete Waffe für den Nahkampf in engen Infanterieformationen, wie die Römer sie während Republik und Prinzipat verwendeten.

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Erstellt:
16. September 2026, 08:44 Uhr
Aktualisiert:
16. September 2026, 08:49 Uhr

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