Rossmann-Drogerie
Mehr als nur ein Wirtschaftspionier: Dirk Roßmann wird 80
Am Montag feiert er seinen 80. Geburtstag: Wie Dirk Roßmann vom Drogerie-Visionär zum Bestseller-Autor wurde – und einmal kurz vor dem Ruin stand.
© Julian Stratenschulte/dpa
Firmengründer Dirk Roßmann bei einem Auftritt im letzten Jahrzehnt in Hannover (Archivbild).
Er ist gerade einmal 25 Jahre alt, als Dirk Roßmann im März 1972 ein Stück deutscher Einzelhandelsgeschichte schreibt: In Hannover eröffnet er das bundesweit erste Selbstbedienungsgeschäft für Drogeriewaren – zu einer Zeit, in der Shampoo oder Rasierwasser üblicherweise noch ähnlich wie in einer Apotheke hinter dem Tresen verkauft werden. Mittlerweile ist aus dieser Idee ein tausende Filialen umfassendes Drogerieimperium geworden. Am 7. September 2026 wird der umtriebige Unternehmer, der sich auch zu gesellschaftlichen Themen immer wieder selbstbewusst zu Wort meldet, nun 80 Jahre alt. Geboren wird Roßmann 1946 kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Hannover, wo seine Eltern eine kleine Drogerie betreiben. Aufgewachsen sei er „zwischen Trümmern“, erzählt er 2017 der „Zeit“. Nach dem frühen Tod des Vaters habe die Familie „in allerkleinsten Verhältnissen“ gelebt. Statt Abitur zu machen, besucht er die Volksschule, entdeckt damals aber bereits seinen Geschäftssinn – indem er Waren aus der elterlichen Drogerie per Fahrrad gewinnbringend an die Kundschaft ausliefert.
Rossmann wuchs durch Ende der Preisbindung
Als dann Anfang der 1970er Jahre in der BRD die feste Preisbindung zunehmend ins Wanken gerät und 1974 schließlich fällt – zuvor ist sie bei Markenartikeln wie Persil-Waschmittel oder Nivea-Creme die Regel –, erkennt Roßmann das Potenzial. „Da war mir klar: Von nun an entscheiden die Preise darüber, wo die Menschen einkaufen“, erinnert er sich in der „Zeit“. „Du musst also billig sein – und das geht besser, wenn du Selbstbedienungsläden eröffnest.“ Das sei „eingeschlagen wie eine Bombe“.
Tatsächlich entsteht aus diesem „Pioniermut“, wie es das Unternehmen selbst nennt, über die Jahrzehnte eine der erfolgreichsten Drogeriemarktketten in Europa. Aktuell gibt es laut Rossmann, das sich anders als der Firmengründer der Einfachheit halber mit doppeltem „s“ schreibt und einen Zentauren aus der griechischen Mythologie – halb Ross, halb Mann – im Logo führt, deutschlandweit mehr als 2300 Filialen; europaweit sind es über 5200.
Rossmann-Tiefpunkt 1996
Steil aufwärts geht es für Gründer Dirk Roßmann allerdings längst nicht immer: Mitte der 90er Jahre entgeht er nur knapp einem Konkurs, nachdem er sich bei der schuldenfinanzierten Eröffnung neuer Läden in Osteuropa und bei Börsenspekulationen verhebt. 1996 erleidet er einen Herzinfarkt.
In seiner 2018 veröffentlichten Biografie „... dann bin ich auf den Baum geklettert!“ spricht Roßmann offen über Höhen und Tiefen seines Lebens. Und immer wieder stellt er auch sein Engagement abseits des Drogeriegeschäfts unter Beweis – nicht zuletzt durch die von ihm mitgegründete Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), die sich insbesondere in Ostafrika durch Sexualaufklärung und Zugang zu Verhütung dafür einsetzt, dass junge Menschen selbstbestimmte Entscheidungen treffen können.
„Jeder Mensch trägt Verantwortung. Das gilt besonders für Unternehmer“, sagt er 2005 dem „Hamburger Abendblatt“. Auch für den Klimaschutz engagiert sich Roßmann. Außerdem hat der Bücherliebhaber, der mit Vorliebe auf legere Kleidung setzt, seit 2020 drei Thriller veröffentlicht.
Sohn Raoul hat Rossmann-Geschäftsführung
Die Geschäftsführung bei Rossmann hat er seit 2021 an seinen Sohn Raoul übergeben, auch wenn der Gründer selbst weiter im Beirat der Drogeriemarktkette sitzt und Sprecher der in Familienbesitz befindlichen Rossmann Beteiligungs‑GmbH ist, die unter anderem auch Anteile am Fußballverein Hannover 96 hält.
Sorgen um die gesellschaftliche Entwicklung macht er sich indes auch im vorgerückten Alter: 2025 warnt er in einem gemeinsamen Podcast des „Kölner Stadt-Anzeigers“ und des Redaktionsnetzwerks Deutschland vor verbreitetem Desinteresse an politischen Zusammenhängen. „Viele haben am Meckern mehr Freude als am Gestalten“, beklagt er darin.
