Katholische Kirche in New York
Missbrauchsopfer bekommen 800 Millionen Dollar Entschädigung
Dies ist eine der höchsten Entschädigungszahlungen in der katholischen Kirche wegen Missbrauchsvorwürfen. In Manhattan werden nun Immobilien verkauft.
© SPENCER PLATT/AFP
Katholische Christen in New York haben in der Vergangenheit viel Leid erfahren.
Von Christian Gottschalk
Das Erzbistum New York hat sich bereit erklärt, 800 Millionen Dollar zu zahlen, um die Ansprüche von rund 1.300 Personen beizulegen, die gegen die Kirche erhoben wurden. Die Vorwürfe lauteten, von Geistlichen und Laienmitarbeitern sexuell missbraucht worden zu sein. Jeff Anderson, ein Anwalt, dessen Kanzlei mehr als 250 der Kläger vertritt, sagte, die Einigung sei vorbehaltlich der Unterzeichnung der Unterlagen endgültig, und alle Kläger hätten der Einigung zugestimmt.
Erzbischof spricht von „Heilung und Versöhnung“
New Yorks Erzbischof Ronald Hicks sagte nach Angaben der Rundfunkgemeinschaft National Public Radio (NPR), dass eine Einigung zwischen den Klägern, den Anwälten und der Kirche erzielt worden sei. Diese müsse noch abschließend unterzeichnet werden. „Wir stehen kurz davor, so Gott will, allen Opfern und Überlebenden ein Stück Heilung und Versöhnung bringen zu können“, schrieb Hicks in einer E‑Mail. „Diese Vereinbarung wird es dem Erzbistum außerdem ermöglichen, sich wieder voll und ganz seiner Mission zu widmen: der Verkündigung des Evangeliums, der Heilung der Kranken, der Sorge um die Armen und Bedürftigen, der Aufnahme von Fremden und der Erziehung unserer Kinder.“
Dies ist eine der höchsten Entschädigungszahlungen in der katholischen Kirche im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen. Im Jahr 2024 stimmte das Erzbistum Los Angeles einer Zahlung von 880 Millionen US-Dollar an Opfer von sexuellem Missbrauch durch seine Geistlichen zu.
Im Dezember 2025 hatte das Erzbistum New York einer Mediation zur Beilegung der 1.300 Fälle von sexuellem Missbrauch zugestimmt und erklärt, es habe Mitarbeiter entlassen und plane, einige seiner Immobilien in Manhattan zu verkaufen, um 300 Millionen Dollar für die Entschädigung der Überlebenden aufzubringen.
Eine verlässliche, exakte Gesamtsumme für weltweite Entschädigungszahlungen der katholischen Kirche gibt es nicht. Experten schätzen jedoch, dass die römisch-katholische Kirche global bereits mehrere Milliarden Euro an Opfer ausgezahlt hat. Die US-amerikanische Kirche hat die mit Abstand höchsten Summen gezahlt. Aufgrund des US-Zivilrechtsystems und drohender Mammut-Klagen summierten sich die Entschädigungen, Therapiekosten und Anwaltsgebühren dort bereits auf mehr als vier Milliarden US-Dollar.
Hohe Summen auch in anderen Ländern
Auch in Kanada ist die Milliarden-Schwelle bereits überschritten. Insbesondere durch die Entschädigung von indigenen Kindern, die in kirchlich geführten Internaten misshandelt wurden, sind umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt worden. Die katholische Kirche in Deutschland hat aus diesem Grund bis Ende vergangenen Jahres sogenannte Anerkennungsleistungen in Höhe von 93.231.300 Euro bewilligt.
© ZUMA/Zuma Press/actionpress
Erzbischof Ronald Hicks beim Saint Patrick’s Day in New York.
