Spionage für Russland?
Mutmaßlicher Spion in Brandenburg gefasst und jetzt in U-Haft
UPDATE 23.10.2026, 12.23 Uhr: Ein mutmaßlicher russischer Spion ist in Brandenburg gefasst worden. Was dem Ukrainer, der jetzt in U-Haft sitzt, vorgeworfen wird.
© Marcus Brandt/dpa
Ein mutmaßlicher russischer Spion ist in Brandenburg festgenommen worden (Symbolbild).
Von Ellen Hasenkamp
Er soll für einen russischen Geheimdienst in Deutschland militärisch relevante Informationen gesammelt haben: Die Bundesanwaltschaft hat am Donnerstag (22. Oktober 2026) in Brandenburg den ukrainischen Staatsbürger Vadym Y. als mutmaßlichen Spion festnehmen lassen. Der Karlsruher Behörde zufolge soll er unter anderem Erkenntnisse über die Produktion von Panzern, Munition und Sprengstoffen zusammengetragen haben.
Nach der Festnahme eines mutmaßlichen russischen Spions ist der Verdächtige in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe setzte den Haftbefehl gegen den Mann in Vollzug, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Die Karlsruher Behörde wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit vor.
Interessiert haben sollen den mutmaßlichen Spion Informationen über Personal und militärische Anlagen an Standorten zur Sicherung der Nato-Ostflanke. Nähere Einzelheiten zu diesen Vorwürfen veröffentlichte die Bundesanwaltschaft nicht.
Die Nato-Ostflanke ist die Grenze des Bündnisgebiets zu Russland und Belarus. Auch die Bundeswehr trägt zu ihrem Schutz bei. So sind deutsche Soldatinnen und Soldaten in Litauen im Einsatz, wo die sogenannte Litauen-Brigade bis Ende 2027 einsatzbereit sein soll.
Im Sommer übernahm das Deutsch-Niederländische Korps in Münster als taktisches Hauptquartier eine Führungsrolle in der Nato-Verteidigungsplanung für Estland und Lettland. Es soll Nato-Truppenteile und nationale Landstreitkräfte führen, die in den beiden baltischen Staaten stationiert sind.
Kontakt mit russischem Geheimdienst
Der nun gefasste mutmaßliche Spion soll der Bundesanwaltschaft zufolge spätestens seit Juli 2025 über einen Mittelsmann in Kontakt mit einem russischen Geheimdienst gestanden haben. Einige der von ihm gesammelten Informationen seien öffentlich zugänglich gewesen, für andere habe Y. gezielt Kontakte zu Menschen aus der europäischen Rüstungsbranche genutzt und diese „abgeschöpft“.
Festgenommen wurde er nun im Landkreis Oder-Spree von Beamten des Bundeskriminalamts. Er sollte am Freitag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über die Untersuchungshaft entscheidet. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt ihn der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Der Verfassungsschutz wurde ursprünglich auf den Mann aufmerksam.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich von dem erneuten Fall wenig überrascht: „Wir werden solche Fälle vermutlich in den nächsten Monaten und Jahren häufiger sehen“, sagte der Kanzler am Donnerstag. Deutschland sei Ziel „von intensiver Spionagetätigkeit“. Dass der Fall aufgedeckt worden ist, sei zwar ein Erfolg, so Merz, „aber täuschen wir uns nicht, die Aktivitäten des russischen Geheimdienstes in Deutschland sind unverändert hoch.“
Nicht die erste Festnahme wegen Spionage
In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Verdächtige festgenommen, die für Russland spioniert haben sollen. Im September klagte die Bundesanwaltschaft etwa die Deutsch-Ukrainerin Ilona W. an. Sie soll geheimdienstliche Kontakte in die russische Botschaft gehabt haben. W. betrieb der Anklage zufolge in Berlin eine Marketingagentur und war zudem Vorsitzende eines Lobbyvereins. Dadurch sei sie weitreichend auch in militärischen und politischen Kreisen vernetzt gewesen.
Im April flog in Berlin ein Kasache auf, der einem russischen Geheimdienst Informationen über die deutsche Rüstungsindustrie übermittelt haben soll - vor allem zu Unternehmen, die Drohnen und Roboter entwickeln. Im März wurde in Nordrhein-Westfalen eine Rumänin festgenommen, die zusammen mit einem ukrainischen Komplizen in russischem Auftrag in Deutschland einen Unternehmer ausgespäht haben soll. Der mutmaßliche Komplize hatte sich nach Spanien abgesetzt und wurde dort gefasst.
