Bundesregierung

Özdemir appelliert an Merz und Co.: Es ist „fünf vor zwölf“

Streit gehöre zur Demokratie, sagt der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir. Doch mit Blick auf die Bundesregierung findet er mahnende Worte.

Cem Özdemir: „Was die Menschen nicht mehr ertragen, ist Streit ohne Ergebnis. Und das haben wir in Berlin.“

© Bernd Weißbrod/dpa

Cem Özdemir: „Was die Menschen nicht mehr ertragen, ist Streit ohne Ergebnis. Und das haben wir in Berlin.“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir hat die schwarz-rote Bundesregierung aufgefordert, stärker an einem Strang zu ziehen und zielorientiert zu arbeiten. „Am Ende muss man rausgehen und mit einer Stimme sprechen und zu den Vereinbarungen stehen. Das ist nicht nur eine Frage der Führung, sondern auch der Disziplin aller Beteiligten“, sagte der Grünen-Politiker der „Welt am Sonntag“. 

Demokratie brauche zwar Streit. „Aber was die Menschen nicht mehr ertragen, ist Streit ohne Ergebnis. Und das haben wir in Berlin“, meinte Özdemir. Auf die Frage, ob er Kanzler Friedrich Merz (CDU) noch zutraue, die Bundesregierung zu einer echten Reformregierung zu machen, sagte der Grünen-Politiker: „Selbstverständlich. Der ist lange genug im Geschäft. Aber jetzt ist es halt wirklich fünf vor zwölf. Jetzt läuft die Sanduhr.“

Özdemir: „SPD soll sich um Arbeitnehmer kümmern“

Deutschland braucht laut Özdemir „eine Sozialdemokratie in der Tradition Willy Brandts und Helmut Schmidts, die sich um die Arbeitnehmer kümmert. Es kann doch nicht ernsthaft von der SPD akzeptiert werden, dass die AfD zur Arbeiterpartei Deutschlands wird.“

Özdemir blickte aber auch auf die Außenpolitik. Außenpolitisch sei man nur so stark, wie man innenpolitisch reformfähig sei. „Die ganze Performance des Bundeskanzlers beeindruckt Putin und die anderen nur so lange, wie er es auch im Inland schafft, das Land voranzubringen“, sagte er mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin. Die CDU dürfe jetzt nicht den Fehler machen, den andere Mitte-Rechts-Parteien gemacht hätten, indem sie den Populisten hinterhergelaufen seien: „Erst mitwählen, dann tolerieren, dann dulden, irgendwann koalieren.“ Er könne nur mahnen. „Denn am Ende steht die Selbstauflösung.“

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Erstellt:
10. Oktober 2026, 08:20 Uhr
Aktualisiert:
10. Oktober 2026, 12:59 Uhr

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