Rems-Murr-Kliniken eröffnen moderne Laborstraße
Die jüngste Investition ermöglicht einen Quantensprung in der Labordiagnostik – genauer, schneller und schonender für Patienten.
© Michael Fuchs Fotografie
Landrat Richard Sigel (rechts) und Klinik-Geschäftsführer André Mertel (links) lassen sich von Chefarzt Hannes Wickert am Startmodul der Flexlab-X-Automation zeigen, wie der Roboterarm die Röhrchen greift und auf die Reise schickt. Foto: RMK/Fuchs
Winnenden/Schorndorf. Mehr Automation, weniger Limits: Für das Klinikum Winnenden hat der Medizintechnikspezialist Siemens Healthineers die erste Laborautomation seiner Serie Flexlab X in einem deutschen Krankenhaus gebaut. Das teilen die Rems-Murr-Kliniken mit. Mehr als 16 Module wurden gemeinsam mit den Klinikteams aus Medizintechnik, Technik, IT und Labor maßgeschneidert, installiert, getestet und in 24/7-Betrieb genommen. Beim Rundgang mit Hannes Wickert, seit 2026 standortübergreifender Chefarzt der Laboratoriumsmedizin in den Rems-Murr-Kliniken, wird klar: Hinter den Winnender Kulissen steht die Zukunft der modernen Labordiagnostik – bestens vernetzt mit der Klinik Schorndorf, die ebenfalls mit korrespondierender Technik ausgerüstet wurde.
Ein Bonus: Die moderne Laborvariante kostet nicht mehr als die bisherige. Landrat Richard Sigel sagt dazu: „Krisen bewältigt man nicht mit Zaudern und Kaputtsparen, sondern indem wir an den richtigen Stellen konsolidieren oder eben in die Zukunft investieren.“ Sigel weiter: „Zu unseren Zukunftsinvestitionen in die Gesundheitsversorgung der Menschen gehören moderne Räume für eine spitzenmäßige Versorgung – siehe das wachsende neue Herzstück der Klinik Schorndorf. Außerdem brauchen wir hoch qualifiziertes Personal, dessen Ausbildung wir mit dem Bau des Pflegecampus am Klinikum Winnenden sichern. Und neben Räumen und Personal gehört natürlich moderne Medizin zu den Zukunftsinvestitionen, sei es für die Therapie oder die Diagnostik. Das wird hier in unserer neuen Laborstraße einmal mehr greifbar und für die Patienten spürbar – auch wenn sie es nicht sehen können.“
Das erste Untergeschoss im Rems-Murr-Klinikum ist ein stilles Servicegeschoss: lange Flure, kaum Fußgänger, ein dezentes Schild „Labor“. Dahinter arbeiten menschliche und technische Intelligenz zusammen. Gleich am Eingang ploppen Tag und Nacht mit Blut gefüllte Röhrchen aus der Rohrpost. Damit füttern die Laborfachkräfte das Schüttmodul der Flexlab-X-Straße – sie kommen danach nie wieder in Berührung mit den Blutproben. Denn jetzt geht die Post automatisch ab hinter Plexiglas und blitzendem Metall. Roboterärmchen greifen die Röhrchen und drehen sie ins rechte Licht, damit der Barcode automatisch gelesen und die Probe zugeordnet werden kann: Zu wem gehört sie? Welche Laborwerte benötigen die behandelnden Ärzte auf den Stationen? Dann reist die Probe wie auf einer Modelleisenbahn weiter durch Sortierer, Zentrifugen, Probenöffner, verschiedene Misch- und Messmodule und Versiegler. Letzte Station ist ein Kühlarchiv, in das die Röhrchen samt Restinhalt vollautomatisch geschoben werden.
Klinik-Geschäftsführer André Mertel ist hoch zufrieden mit der Laborwelt im Untergeschoss. „Wir sind eine Klinik an zwei Standorten, die wir medizinisch und baulich stetig weiterentwickeln und verzahnen“, sagt Mertel. „Dafür ist die Labormedizin ein exzellentes Beispiel, gerade weil sie hinter den Kulissen unschätzbare Dienste leistet und dabei kompetent sowie hochgradig automatisiert arbeitet.“
Stichwort Wirtschaftlichkeit: „Wir zahlen neben einer Basismiete nur, was wir tatsächlich an Leistungen abnehmen und nutzen“, sagt Mertel und verrät, dass er zum Thema effiziente Prozesse noch weitere innovative Pfeile im Köcher hat. „Wir werden in diesem Sommer testen, ob wir unsere Laborlogistik über Drohnen weiterentwickeln können. So machen wir die Vernetzung unserer Standorte schneller, sicherer und unabhängig vom Verkehr.“pm
Labormedizin Das Labor arbeitet mit 22 Mitarbeitenden in Winnenden und neun Mitarbeitenden in Schorndorf rund um die Uhr. Denn gerade die Notaufnahme ist zum Beispiel auf eine rasche Labordiagnostik angewiesen. Das Labor ist über die Klinikrohrpost mit den Fachabteilungen vernetzt.
Blutprodukte Zudem werden Patienten im Notfall und während der Operationen mit Blutprodukten aus den beiden Blutdepots in Winnenden und Schorndorf versorgt. Weniger zeitkritische Analysen sind im Zentrallabor Winnenden gebündelt. Hier werden etwa Tumormarker für die Krebsdiagnostik bestimmt und immunserologische Untersuchungen durchgeführt. Zum Spektrum zählen auch Spezialuntersuchungen wie etwa die maschinelle Bebrütung von Blutkulturen für den schnellen Nachweis einer Blutvergiftung oder Analysen der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit. Das Labor in Winnenden ist außerdem speziell ausgestattet, um Proben von Säuglingen und Kindern zu untersuchen.
Analysen Pro Jahr werden in den beiden Rems-Murr-Kliniken drei Millionen Laboranalysen durchgeführt und Patienten aller Fachdisziplinen mit rund 5000 Blutprodukten versorgt.
