Wohnungsnot
Rentnerin Maricarmen ist gestorben
Sie war das Gesicht einer Massenbewegung in Madrid. Die alte Dame, die aus ihrer Wohnung geworfen wurde, kehrt nie wieder zurück.
© Matteo Secci/ZUMA Press Wire/dpa
Eine Demonstrantin hält in Barcelona ein Plakat mit dem Foto von Maricarmen, die in Madrid aus ihrer Wohnung vertrieben wurde.
Von Christian Gottschalk
Es gibt nicht viele Menschen außerhalb der Politik, die von sich behaupten können, Regierungen ins Wanken gebracht zu haben. Maricarmen ist so eine Person. Die Rentnerin hat Massen von Spaniern auf die Straße gebracht und die Regierung letztlich dazu veranlasst Neuwahlen auszurufen. Jetzt ist Maricarmen gestorben.
Miete um 275 Prozent erhöht
Maricarmen war wegen der Zwangsräumung ihrer Wohnung in Madrid international bekannt geworden. Die 87-Jährige war auf einer Trage aus ihrer Wohnung geholt worden, in der sie 70 Jahre gelebt hatte. Ein Investor hatte zuvor nach Angaben des Mieterverbands die Miete um 275 Prozent erhöht – auf unbezahlbare 2.650 Euro.
Die Zwangsräumung hatte zu landesweiten Protesten geführt. Das Schicksal der alten Dame führte auf besonders drastische Weise das Ausmaß der Wohnungsnot und Mietenexplosion vor Augen. „Wir sind alle Maricarmen“, stand auf Plakaten bei den Demonstrationen.
Keine Mehrheit für Regierungspläne
Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez, der eine Minderheitsregierung anführt, wollte daraufhin seine Vorschläge gegen die Wohnungskrise im Parlament durchsetzen, brachte aber keine ausreichende Mehrheit zustande. Am Montag verkündete er dann Neuwahlen für Ende November.
Nach der Zwangsräumung wurde Maricarmen wegen Erschöpfung ins Krankenhaus eingeliefert. Vor einigen Tagen hatte es dann eine Einigung mit dem Wohnungseigentümer gegeben. Die Frau konnte aber nicht mehr in ihre Wohnung zurück. Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach ihren Angehörigen sein Beileid aus. „Mein ganzes Mitgefühl gilt Maricarmens Familie und ihren Angehörigen“, schrieb Sánchez auf X.
