„The Buzzer“
Russisches „Doomsday-Radio“ sendet bedrohliche Codes
Seit Jahrzehnten brummt der berüchtigte russische Kurzwellensender UVB-76 monoton, doch Ende August 2026 brach plötzlich hektische Aktivität aus
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Hier werden bedrohliche Signale empfangen: Funkrelaisstation mit Antennenmasten auf der Wasserkuppe in Hessen (Symbolbild/Archiv).
Von Michael Maier
Die Rede ist in diesen Tagen viel von mutmaßlicher russischer „Sabotage“ in Deutschland – wie auch immer die Beweislage dazu sein mag, und ohne, dass die Hintermänner so recht klar werden. Aber auch die andere Seite im unerklärten Krieg zwischen West und Ost ist nicht untätig und sendet tagaus, tagein ein mechanisches Summen, das 25-mal pro Minute ertönt. Für Kurzwellen-Enthusiasten und Geheimdienst-Analysten weltweit ist die Frequenz 4625 kHz ein vertrautes, wenn auch unheimliches Phänomen. Sie gehört zur russischen Station UVB-76, besser bekannt unter dem Spitznamen „The Buzzer“ oder dramatisch als „Doomsday-Radio“.
Normalerweise passiert auf dieser Frequenz fast nichts – außer Summen. Doch Ende August 2026 geriet der Äther plötzlich in helle Aufregung: Der Sender zeigte eine ungewöhnlich hektische Aktivität, die weltweit für Spekulationen sorgte.
„The Buzzer“ – was ist das russische „Doomsday Radio“?
Die Sendeanlagen, die im Kalten Krieg im Großraum Moskau lagen und heute primär dem westlichen Militärbezirk Russlands nahe St. Petersburg zugeordnet werden, strahlen einen kontinuierlichen Brummton aus. Dieser dient als sogenannter „Channel Marker“, also als Signal, das die Frequenz besetzt hält und anderen Funkern signalisiert, dass dieser Kanal belegt ist.
Der Name „Doomsday-Radio“ geht auf eine populäre Verschwörungstheorie zurück: Einige glauben, der Sender sei an das sowjetische „Dead-Hand-System“ gekoppelt. Dieses nukleare Notfallprotokoll sollte im Falle eines atomaren Erstschlags automatisch den nuklearen Gegenschlag auslösen, sobald das Kontrollsignal (in diesem Fall das Summen) dauerhaft verstummt. Dass diese Theorie ins Reich der Mythen gehört, zeigte sich unter anderem im November 2025, als die Station nach einem Stromausfall durch einen Drohnenangriff auf ein nahegelegenes Umspannwerk vorübergehend komplett verstummte, ohne dass nukleare Konsequenzen folgten.
Mysteriöse Codewörter statt Summen aus Russland
Normalerweise vergehen Wochen oder gar Monate, in denen außer dem Brummen kaum ein Laut zu vernehmen ist. Doch zwischen dem 24. und 29. August 2026 änderte sich das Bild dramatisch:
Allein am 27. August 2026 fingen Radio-Enthusiasten rund 25 separate Sprachnachrichten ab. Dies war einer der aktivsten Tage des Senders seit fast zwei Jahren. Das Summen wurde immer wieder von russischsprachigen Durchsagen unterbrochen. Neben Zahlenkolonnen wurden dabei ungewöhnliche und bedrohlich klingende, teils aber auch absurde Wörter verlesen:
- AFGHANETS (Afghane)
- OBLITERATSIYA (Auslöschung / Zerstörung)
- MYLOVAR (Seifensieder)
- BELOKURY (Blondhaarig)
- OFITSIANTKA (Kellnerin)
- KURITSA (Huhn)
- CHINOVNIK (Beamter)
- RASPYLENIYE (Sprühen / Zerstäubung)
- SUSHCHESTVOVANIYE (Existenz)
- skipokrat, stykodust, maxokran und vozorul (Fantasiewörter)
Die Nachrichten folgten einem strengen militärischen Protokoll: Sie begannen meist mit einem Rufzeichen, wie dem aktuell häufig genutzten NZhTI, gefolgt von einer Zahlenkombination, dem Codewort und weiteren Nummern. Auch wenn Begriffe wie „Auslöschung“ oder „Afghane“ im Kontext aktueller geopolitischer Spannungen seltsam oder bedrohlich klingen mögen, mahnen Militärexperten und erfahrene Funkamateure eher zur Gelassenheit.
Schwanensee-Musik im „Monolith-System“
UVB-76 agiert im Wesentlichen als Teil eines russischen Militärkommunikationsnetzes, das oft dem sogenannten Monolith-System zugeordnet wird. Solche Sender nutzen das Prinzip des Einmalschlüssels. Dabei besitzen Sender und Empfänger identische Codebücher. Das vorgelesene Wort hat an sich keine wörtliche Bedeutung. Es dient lediglich als Koordinate oder Schlüssel, um im Codebuch eine bestimmte, völlig banale militärische Anweisung zu entschlüsseln, insbesondere die Aufforderung, die Bereitschaft einer Funkstation zu prüfen oder eine Standardübung zu beginnen.
Eine derart hohe Dichte an Durchsagen deutet mutmaßlich auf großangelegte Kommunikationsaktivitäten des russischen Militärs hin. Aber die Frequenz 4625 kHz ist nicht unknackbar. Da es sich um eine analoge Kurzwellenübertragung handelt, wurde der Sender in der Vergangenheit mehrfach von Hackern gekapert. So spielten Unbekannte Ende Dezember 2025 über die Frequenz plötzlich Schwanensee-Musik ab. Die Aktivität im August 2026 trug indes die typischen, fehlerfreien Merkmale offizieller Militärstrukturen. Auch ein Fall von psychologischer Kriegsführung ist denkbar – womöglich, um den Gegner zu verunsichern.
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Funkamateur auf der Jagd nach geheimen Signalen aus dem Äther. Sowohl Russland als auch die Nato nutzen immer noch die Kurzwelle.
